biografisches schreiben und kritik

beim biografischen schreiben kann kritik verschiedene funktionen habe, nur eine funktion ist undenkbar: ein lebenslauf, eine lebensgeschichte kann nicht als gut oder schlecht bezeichnet werden, sie ist nicht bewertbar, und kaum kritisierbar. wenn man davon ausgeht, dass alle menschen erst einmal aus ihrer sicht gute gründe für ihre handlungen haben, dann wäre höchstens in manchen zusammenhängen zu fragen: „wie konnte es dazu kommen?“.

was ist in einem leben passiert, dass jemand anfängt, gewalt auszuüben? was ist passiert, wenn jemand sich und anderen schadet? erst einmal ist der mensch nicht bestrebt, sich selbst oder anderen etwas anzutun, aber er kann sich dorthin entwickeln. natürlich trägt man für einen großen teil seiner handlungen auch die verantwortung, denn man hat entscheidungen getroffen. und doch bleibt es diskussionwürdig, auf welcher grundlage man entscheidungen getroffen hat. ja, man kann mit lebensgeschichten verständnis haben.

in anderen zusammenhängen kann beim biografischen schreiben kritik sehr wohl ein thema sein. die schreibenden können zum beispiel betrachten, wie sehr ihr leben von selbstkritik oder kritik von außen geprägt war. und vor allen dingen, woraus entstand diese kritik? sind das die eigenen regeln gewesen, die wiederum die eigenen handlungen in frage stellten oder sind es vermittelte, von außen nahe gelegte regeln, die einen immer wieder in selbstkritik stürzten? und warum folgte man eventuell regeln, die einem gar nicht gefielen, die man nicht begründen kann?

außerdem kann biografisches schreiben dabei helfen, aufzuschlüsseln, wie viel kritik man weitergegeben hat. es bleibt schwierig, selber beurteilen zu können, ob die kritik angemessen war oder nicht. hier ist es hilfreich, die menschen, die einem nahe stehen, einfach zu fragen. wie haben sie die kritik von einem empfunden? war sie hilfreich oder fühlte man sich in die ecke gedrängt?

und es darf natürlich über die stilistische umsetzung einer biografie und lebensgeschichte diskutiert werden. so lang nicht die inhalte, nämlich das persönliche und subjektive zur debatte steht, kann die umsetzung natürlich kritisiert werden. es kann auch geschaut werden, ob zu viel oder zu wenig aus der eigenen lebensgeschichte preis gegeben wurde, vor allen dingen, wenn man sich mit der biografie an die öffentlichkeit begibt. ansonsten bleibt es den biografen generell überlassen, was sie be“schreiben“ wollen und was nicht.

kritik und biografie sind ein sehr heikles feld, da sich lebensgeschichten schwer umschreiben oder im nachhinein verändern lassen. aber trotzdem kann nicht alles einem großen tabuprinzip unterworfen werden. mensch muss sich auch ab und zu mal fragen lassen, was er denn getan hat, wenn er andere in mitleidenschaft gezogen hat.

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