kreatives schreiben und kritik (2)

wie in den vorherigen posts zu lesen war, ist kritik nicht per se negativ, aber es ist immer wieder eine frage, wie sie formuliert wird. das kreative schreiben ist eigentlich die perfekte möglichkeit, kritik in klare und ansprechende worte zu verpacken. es geht nicht darum, durch schöne worte, die eigentliche kritik zu verschleiern, es geht darum die „richtigen“ worte zu finden.

zum einen ist es natürlich notwendig, die adressaten für die kritik zu kennen, um die „richtigen“ worte wählen zu können. ich möchte ja auch, dass meine kritik gehört wird und nicht im raum verpufft. also versuche ich mich auf mein gegenüber einzustellen. der anderen person kann ich mich zum beispiel, wenn ich sie nicht sowieso gut kenne, durch ein paar schreibübungen annähern, indem ich versuche sie mit verschiedenen worten zu charakterisieren. oder ich spiele schriftlich den dialog um die kritik durch. ich kann so zu sagen durchspielen, die reaktion oder auch verschiedene reaktionen vorwegzunehmen. wie möchte ich mich in diesen momenten verhalten, wie möchte ich reagieren?

man muss nur aufpassen, dass man dann nicht davon ausgeht, dass alles exakt so geschehen wird, wie man es antizipiert hat. es geht eher um spielerische kommunikation, die raum für verschiedenes offen lässt. denn keine kommunikation endet verheerender als eine, die darauf basiert, dem anderen zu signalisieren, man wisse wie er ist. natürlich darf man seinen ahnungen ausdruck verleihen, kann nachfragen, darf spekulieren. man sollte es nur klar benennen, denn dies gibt dem kritisierten den raum, zu zu stimmen oder abzulehnen.

und dann kann man natürlich mit dem kreativen schreiben, die richtigen worte finden. das ist oft das schwierigste. mal will nichts schön reden, man möchte aber auch nicht verletzen, sondern raum für reaktionen und veränderungen lassen. hier kann man mit dem kreativen schreiben zum beispiel einfach zehn verschiedene varianten entwickeln, wie man seine kritik ausformulieren möchte. man kann metaphern verwenden, gedanklich bilder für die situation für das zu kritisierende finden. man kann die ganzen sich vorab entschuldigenden füllwörter weglassen. man kann alles in fragen formulieren. und generell sollte man von sich selber aus die situation betrachten, also immer wieder die „ich“-form bei kritik wählen, nicht die vorwurfsvolle „du“-form.

eine schreibanregung kann zum beispiel sein, dass man sich im vorfeld notiert, wie eine situation, eine sache auf einen selber wirkt. denn die grundlage von kritik ist meist etwas, das man in bezug zu sich selber setzt, zu den eigenen vorstellungen und damit nicht einverstanden ist, etwas anders machen würde.
nach all diesen kreativen annäherungen an eine sinnvolle kritik muss man sich dann aber entscheiden und aufraffen, sie auch wirklich zu üben (gut, ein ergebnis des durchspielens der kommunikation kann es auch sein, auf die kritik zu verzichten). die chance, den anderen eher zu erreichen erhöht sich mit der verwendung des kreativen schreibens.

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