schreibberatung und angst

allein der schritt in eine beratung, die einem beim schreiben hilft, mag angst einflössen. da befinden sich manche der ratsuchenden schnell in einer selbstverurteilungsschleife. „alle anderen schaffen es, sich schriftlich zu äußern, nur ich brauche unterstützung und beratung“, kann einer der gedanken sein. er ist so falsch wie angstfördernd. denn schaut man sich um, wird man feststellen, dass viele menschen schwierigkeiten mit dem schreiben haben. man kann dies verschieden handhaben. eine lösung besteht darin, möglichst wenig zu schreiben, eine andere, andere für sich schreiben zu lassen.

in deutschland gibt es immer noch eine hemmung, sich helfen zu lassen, sich in eine beratung zu begeben. irgendwo im hinterkopf vieler schwirrt der gedanke, dass man das doch allein schaffen muss. wer sich als seines glückes schmied versteht, der versteht es als persönliches versagen, wenn da was nicht klappt. und diese haltung wird auch in vielfältiger form gestützt. ich lese gerade ein buch zum wissenschaftlichen schreiben (werde ich demnächst hier noch vorstellen), in dem der autor zu verstehen gibt, dass wissenschaftliches schreiben einfach anstrengend sein muss und wehtun muss, sonst wäre es ja nicht wissenschaftlich.

schreibberatung kann diesen selbstanspruch und diese qual vielleicht einfach in ein lustvolles schreiben verwandeln, das nicht nur aus spiel und spaß besteht, sondern auch „professionelles“ und „berufliches“ schreiben in einen befriedigenden schreibprozess verwandelt. bei der schreibberatung lässt sich die vorstellung von u-schreiben und e-schreiben (wie die seltsame unterscheidung von u-musik und e-musik) aufheben. hauptziel ist es, die angst vor dem schreibprozess, auch wenn es um berufliches geht, zu nehmen.

da angst sehr verschiedene gründe haben kann, ist es notwendig diese gemeinsam in der beratung zu analysieren. wie sehen die gedanken im hintergrund aus, die die angst so groß machen? welchen mustern folgen die gedanken und wo hat man diese muster gelernt? aus dieser analyse ergeben sich verschiedene möglichkeiten dagegen zu steuern. hilfreich kann zum beispiel das gedankenspiel sein, was denn das schlimmste wäre, das passieren könnte, wenn der schreibprozess scheitert. sind die bedrohungsszenarien wirklich so unerbittlich, wie sie scheinen? auch die langsame heranführung an einen entspannten schreibprozess durch verschiedene schreibtechniken ist eine möglichkeit. oder man beginnt „dagegen zu lernen“. das bedeutet, man ersetzt alte gelernte selbstbewertungs- und selbstverurteilungsmuster durch neue, anerkennende und wertschätzende.

angst zu überwinden ist oft nicht ganz so leicht, herrscht sich doch schon recht lang vor. schreibberatung kann da auch keine zaubermittelchen anbieten, nach dem motto „einmal mit dem finger schnippen und sie sind schriftstellerIn“. aber der beratungsprozess kann einhergehen mit einem neu entwickelten schreibprozess. und dann kann schreiben eher spaß machen, anstatt eine qual zu sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s