schreibberatung und sucht

es ist in beratungen nicht immer leicht festzustellen, ob die ratsuchenden vor dem termin substanzen zu sich genommen, um emotionen, bewusstsein oder stimmungen zu verändern. hier geht es nicht um die bewertung, ob dies ein persönliches problem darstellt oder nicht. es geht nur darum, ob man in diesen „zuständen“ der ratsuchenden eine sinnvolle beratung durchführen kann.

das schreiben hängt eng mit mentalen funktionen zusammen. doch auch unter beeinträchtigungen der mentalen fähigkeiten durch substanzen wurden große literarische werke verfasst und entwickelt. doch beraterInnen sind nicht unbedingt fähig abschätzen zu können, wie weit die restliche lebensgestaltung der klientInnen eine dauerlevel von mentalen veränderungen unterliegt. so kann zum beispiel unter psychopharmaka sehr wohl gelernt, gearbeitet oder gestaltet werden.

wichtigster aspekt einer schreibberatung oder auch einer beratung generell ist es meiner ansicht nach, es anzusprechen, wenn man den eindruck hat, jemand konsumierte vor der beratung leistungsverändernde substanzen. die schwierigkeit bei sucht besteht ja darin, dass die umwelt oft eine große hemmschwelle hat, dies zu thematisieren. es macht aber keinen sinn eine beratung durchzuführen, wenn ich schon im vorfeld die fahne des ratsuchenden rieche und bemerke, dass er artikulationsschwierigkeiten hat.

man kann in solchen zusammenhängen fragen, wie denn sonst die arbeitsbedingungen im alltag sind und inwieweit der beratung gefolgt werden kann. man tut niemandem einen gefallen, wenn man dies verschweigt und darüber hinweggeht. noch einmal: es geht nicht darum, ein urteil über das verhalten von ratsuchenden abzugeben, sondern es geht darum, festzustellen, ob eine beratung in diesen situationen sinnvoll ist oder überhaupt keinen effekt haben könnte. sollte im rahmen der beratungsgespräche schwierigkeiten mit suchtproblemen durch die ratsuchenden thematisiert werden, können beraterInnen an andere beratungsstellen weitervermitteln.

eine schreibberatung würde ausufern, wenn beraterInnen anfangen, suchtproblematiken nebenher zu behandeln. ansonsten kann sie aber ungestört durchgeführt werden, wenn abgeklärt wurde, dass in der auffassungsgabe der ratsuchenden keine relevante beeinträchtigung vorliegt. allerdings kann schreibberatung einfluss auf die suchtproblematik bekommen, wenn zum beispiel die angst vor dem schreiben in prüfungs- und stresssituationen genommen werden kann und der konsum von substanzen damit im zusammenhang steht. aber auch in diesen momenten wären die ratsuchenden zu fragen, ob ihnen mit einer zusätzlichen suchtberatung bei professionellen beraterInnen geholfen wäre.

auf alle fälle unterschätze man nicht, welche hilfsmittel herangezogen werden, um situationen unter hohem emotionalen druck zu bewältigen.

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