lesen und sucht

kennen sie das? kinder, die anfangen zu lesen. die plötzlich feststellen, dass sie nicht mehr auf mutti und vati warten müssen, damit ihnen eine geschichte erzählt oder das bilderbuch gemeinsam angeschaut wird. diese kinder sind teilweise kaum zu bremsen. und noch ein wenig älter gibt es dann immer wieder die diskussion darum, ob man jetzt endlich das licht aus mache und schlafe, man müsse ja in die schule. manche von uns haben dann wahrscheinlich mit der taschenlampe unter der bettdecke weitergelesen.

anscheinend kann lesen so fesseln und binden, dass man das buch nicht mehr aus der hand legen möchte. und kaum ist man mit dem einen buch durch, möchte man auch schon das nächste lesen. lesen kann auch zur sucht werden. nur erstaunlicherweise ist diese sucht keine besonders schädliche. früher munkelte man zwar noch darüber, dass schlechte beleuchtung die augen kaputt machen würde, doch heute weiß man, dass es eigentlich nur die augen ermüdet.

besonders skurril an dieser häufiger vorkommenden entwicklung: die schule kann einem die sucht austreiben. das fängt schon bei der „licht-aus“-diskussion an, die ja nur deshalb stattfindet, weil am nächsten tag schule ist und man ausgeschlafen sein sollte. doch die lesesucht bedeutet eigentlich, dass man wissen ansammeln möchte, informationen aufnehmen möchte ohne ende. wer sollte da etwas dagegen haben. und dann sind die literatur-unterrichtsstunden nicht selten gute beispiele dafür, wie man den genuss von texten im keim ersticken kann.

viele junge erwachsene nehmen nach der schule kaum mehr bücher in die hand. vorteil: die sucht ist verschwunden. nachteil: man nimmt nur noch das wissen auf, das man aufnehmen muss. hier wäre schon früh abzuwägen, was schlimmer ist: ob ein kind lesesüchtig wird oder ob es gesittet die schullaufbahn absolviert. die signale sind eindeutig von seiten des kindes: es möchte lesen. meine meinung: dann lassen sie es doch.

die sorge mancher eltern ist, dass ihr kind als bücherwurm den kontakt zu seiner umwelt verliert. ähnlich reagieren eltern auf ihr kind, das sich ständig im internet bewegt. wie wenn die umwelt abseits der eltern nicht oft genug dafür sorgen wird, dass sich die sucht in zaum hält und das kind nicht wieder auf den boden der tatsachen zurückholt. lesesucht kann bis ins hohe alter dem menschen anhängen. später finden das viele bemerkenswert, wenn jemand viele bücher gelesen hat und sich in der literatur auskennt. da darf dann sogar ein beruf daraus werden, tag und nacht bücher zu verschlingen.

es scheint also bei der lesesucht ähnliche zwiespältigkeiten zu geben, wie bei anderen süchten auch. per se ist die lesesucht nicht zu verurteilen. und stellen sie sich mal vor, sie lebten in einem land, in dem es keine bücher, keine zeitungen und keine geschichten gäbe. da scheint die lesesucht das kleinere übel zu sein.

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Eine Antwort zu “lesen und sucht

  1. Ich habe seit meiner Kindheit sehr viel gelesen und werde damit wahrscheinlich nie aufhören. Andere haben erst mit dem Alter das Lesen lieben gelernt. Andere werden faul und andere finden darin nie ihren Spaß oder bleiben bei leichter Unterhaltungsliteratur.
    Jedenfalls ist lesen meiner Meinung nach besser als das Herumirren im Internet. Denn vor allem die Klassik kann uns vieles lehren und als Menschen wachsen lassen.
    Es ist eine sehr gesunde und nützliche Sucht, eine, an der man festhalten sollte.

    LG! 🙂

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