wortklauberei (72)

„eifersucht“

auch eine form der sucht. also der wortstamm kann ein anderer sein. aber haben sie einmal richtige eifersucht erlebt. da entsteht ein tunnelblick, der in der wahrnehmung alle anderen anzeichen ausblendet. die vorstellung, die fantasie gewinnen über die realität macht und steigern sich in ein gefühltes bedrohungsszenario, ja in paranoia. ein verlust wird gefühlt und man möchte nicht loslassen.

im hintergrund wallt wut. diese mag berechtigt sein oder nicht. oft kommt eifersucht nicht von ungefähr, gibt es eindeutige anlässe. auslöser ist zu wenig zuwendung, die man gern hätte. die schwierigkeit bei dieser sucht nach eindeutigkeit und einmaligkeit liegt im unausgesprochenen. es wird nicht gesagt, „ich möchte dich bei mir haben“, sondern es wird getobt, kontrolliert und abgewertet. selbst wenn das gegenüber signalisiert, da war nichts, du bist einmalig, es gibt keine abwendung, ist das misstrauen größer.

und so kann man auf alles eifersüchtig sein: auf gute freunde, auf hobbys, auf gegenstände, auf tiere oder auf beschäftigungen. alles was einem die partnerInnen zeitlich entzieht, gedanklich abschweifen lässt, begrenzt den suchtstoff zuwendung. und dann kommen die liebenden auf turkey, brauchen nachschub an nähe, der in diesen momenten nicht zur verfügung steht. das verfahrene an eifersucht ist, dass kein anderer mensch, keine andere nähe die eifersucht ersetzen kann. in modernen zeiten wird die eifersucht abschätzig als „besitzdenken“ abgetan und viele menschen bemühen sich, ihr keinen raum zu geben.

doch dies befördert die eifersucht eher, als dass es sie überwindet. denn in diesen momenten darf ihr noch weniger ausdruck verliehen werden, gehört es zum schlechten ton, seiner eifersucht freien lauf zu lassen, formuliert man einfach nicht „ich brauche dich, ich will dich.“. dies lässt die sucht wachsen. denn alle anderen dinge bekommt man heutzutage mehr oder weniger leicht. der markt der möglichkeiten ist enorm. aber die nähe, die einen berührt und erbeben lässt, die wird als gut immer knapper.

wie viele andere süchte greift die eifersucht stärker um sich, denn die abhängigkeiten in diesem großen markt der möglichkeiten nehmen nicht ab, sondern zu.

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