Tagesarchiv: 5. Juni 2011

biografisches schreiben und mut

lernen zwei menschen sich kennen und schätzen, erzählen sie sich gern gegenseitig aus ihrer vergangenheit. was man so gemacht hat, wie es einem erging oder auch wo man gerade steht. eigentlich findet tagtäglich biografisches storytelling statt. doch beim kennenlernen werden gern die schwierigen situationen ausgespart. man erzählt sich nicht gleich von den größten ängsten, die einen begleiteten, von den krassen erlebnissen, die man hatte. nur manchmal geschieht das gegenteil, dann werden von anfang an die abgründe ausgebreitet. auch dies kann eine strategie sein, interesse beim gegenüber zu wecken. aber dann werden meist die schönen momente ausgespart.

das biografische schreiben kann dazu dienen, alle aspekte des eigenen lebens zu erzählen: schriftlich und erst einmal sich selber. es gehört eine gehörige portion mut dazu, sich den aspekten des lebens anzunähern, die man gern vor sich selber ausspart, die man beim kennenlernen anderer weglässt. und um es vorsichtig zu formulieren, der schritt muss nicht immer schön sein. er hat aber meist einen therapeutischen effekt: man hat noch einmal alles durchgearbeitet und kann es nach dem aufschreiben auf die seite legen.

es gibt keinen zwang, das biografische schreiben, zum aufhellen der eigenen dunklen flecken zu nutzen. es ist jedoch ein phänomen, dass das schreiben an sich förderlich ist, sich an dinge zu erinnern, die man bis dahin gut vor sich selber versteckte. da bedarf es zweierlei mut, Weiterlesen

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schreibberatung und mut

der mutigste schritt besteht wahrscheinlich darin, sich einzugestehen, dass man allein nicht weiterkommt und hilfe benötigt. denn unsere gesellschaft ist zwiespältig in bezug auf zu erbringende leistungen. schreiben wird sehr einseitig gelehrt. der schwerpunkt liegt auf schönschrift und grammatik, andere formen der lehre tauchen nur selten auf. gleichzeitig wird jedoch erwartet, dass in bestimmten situationen das schreiben und formulieren von allein funktioniert. alle gehen davon aus, dass man sich nur ein wenig zusammenreissen müsse und schon läuft es wie beim aufsatz-schreiben in der schule.

ich möchte hier keine drohgebilde produzieren. ja, es kann so einfach laufen, und das ist schön. aber das schreiben kann auch schwer fallen. wenn aber alle drumherum zu verstehen geben, dies dürfe nun wirklich nicht das problem sein, dann fängt man an, sich zu fragen, was man nur falsch mache. der nächste schritt, nämlich zu sagen, ich brauche hilfe, bei mir läuft das nicht so locker, wie es andere formulieren, ist ein erschwerter.

es hat sich bei uns noch nicht etabliert, davon auszugehen, dass man schreiben auch in bezug auf die ideen und die kreativität lernen kann. hier schwirrt die schriftstellerInnen-aura durch die vorstellungen: entweder man habe talent oder eben nicht, einen ansprechenden und lebhaften text produzieren zu können. im job und in den wissenschaften sei dies sowieso nicht so notwendig. mutig ist es, sich aus diesen vorstellungen freizustrampeln.

mutig ist es auch, den nächsten schritt zu machen, sich beraterInnen zu suchen. zu telefonieren oder zu mailen, um einen termin zu vereinbaren, und dabei immer wieder seine schreibgeschichte offen zu legen. es sich selber einzugestehen, dass man hilfe benötigt ist etwas anderes als dann auch noch unbekannten dritten von den persönlichen schwierigkeiten zu berichten. jedoch, ist dieser schritt geglückt, dann Weiterlesen