schreibberatung und mut

der mutigste schritt besteht wahrscheinlich darin, sich einzugestehen, dass man allein nicht weiterkommt und hilfe benötigt. denn unsere gesellschaft ist zwiespältig in bezug auf zu erbringende leistungen. schreiben wird sehr einseitig gelehrt. der schwerpunkt liegt auf schönschrift und grammatik, andere formen der lehre tauchen nur selten auf. gleichzeitig wird jedoch erwartet, dass in bestimmten situationen das schreiben und formulieren von allein funktioniert. alle gehen davon aus, dass man sich nur ein wenig zusammenreissen müsse und schon läuft es wie beim aufsatz-schreiben in der schule.

ich möchte hier keine drohgebilde produzieren. ja, es kann so einfach laufen, und das ist schön. aber das schreiben kann auch schwer fallen. wenn aber alle drumherum zu verstehen geben, dies dürfe nun wirklich nicht das problem sein, dann fängt man an, sich zu fragen, was man nur falsch mache. der nächste schritt, nämlich zu sagen, ich brauche hilfe, bei mir läuft das nicht so locker, wie es andere formulieren, ist ein erschwerter.

es hat sich bei uns noch nicht etabliert, davon auszugehen, dass man schreiben auch in bezug auf die ideen und die kreativität lernen kann. hier schwirrt die schriftstellerInnen-aura durch die vorstellungen: entweder man habe talent oder eben nicht, einen ansprechenden und lebhaften text produzieren zu können. im job und in den wissenschaften sei dies sowieso nicht so notwendig. mutig ist es, sich aus diesen vorstellungen freizustrampeln.

mutig ist es auch, den nächsten schritt zu machen, sich beraterInnen zu suchen. zu telefonieren oder zu mailen, um einen termin zu vereinbaren, und dabei immer wieder seine schreibgeschichte offen zu legen. es sich selber einzugestehen, dass man hilfe benötigt ist etwas anderes als dann auch noch unbekannten dritten von den persönlichen schwierigkeiten zu berichten. jedoch, ist dieser schritt geglückt, dann ist dies oft schon die erste entlastung. man ist mit seinen schwierigkeiten nach außen gegangen, fand einen menschen, der einem zuhörte und nicht gleich ein urteil fällte.

alle weiteren schritte in der schreibberatung ähneln dem mut, den man in schreibgruppen aufbringen muss. man schreibt texte und veröffentlicht sie zumindest gegenüber den beraterInnen. selbst wenn es sich um texte für den job oder die wissenschaft handelt, scheint der schritt groß. hatte man doch oft genug im vorfeld erfahren, dass das produzierte, geschriebene nicht genügte. oft genügte es schon, aber die eigenbewertung ist in diesem zusammenhang nicht zu unterschätzen. häufig geht es auch darum, die eigenen bedenken zusammen mit den beraterInnen zu überwinden. doch wenn das klappt, steht einem beständigen schreibfluss nichts mehr entgegen.

es kann natürlich auch ganz anders sein: man hat sich in anderen lebenszusammenhängen schon öfter hilfe gesucht, es fällt einem nicht schwer. warum also nicht unterstützung beim schreibprozess finden, die angebotene dienstleistung nutzen und die beratung wie eine form der fortbildung betrachten. warum sollte man auch, ohne es jemals gelernt zu haben, locker schreiben können? dann fühlen sich die nächsten schritte längst nicht so mutig an. belohnen für den schritt zur schreibberatung darf man sich so oder so.

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