Tagesarchiv: 10. Juni 2011

„drei dinge meines lebens“ – ein ausstellungstipp

ich war bis jetzt nicht in der ausstellung in berlin-neukölln, aber die idee ist eine schöne, die sich auch im biografischen schreiben wunderbar umsetzen lässt. das „museum neukölln“ ( http://www.museum-neukoelln.de ) hat menschen aufgefordert, drei dinge oder gegenstände, die einem im eigenen leben sehr wichtig waren und sind herauszusuchen und zur verfügung zu stellen. anschließend wurden die menschen befragt, welche bedeutung die dinge für sie haben und warum dies so ist. aus den dingen und interviews ist eine kleine ausstellung entstanden, die bis ende dezember besucht werden kann.

diese ausstellung aber auch die idee können eine anregung sein, so etwas einmal entweder für sich auszuprobieren oder in schreibgruppen anzuwenden. es ist wahrscheinlich nicht ganz leicht nur drei dinge auszuwählen, die einem wirklich, wirklich wichtig sind und das eigene leben wiederspiegeln. spannend wird es dann vor allen dingen bei der begründung. warum hat man dieses wandgemälde gewählt und nicht den kochlöffel, mit dem man beständig die leckersten essen für freunde und partnerInnen gekocht hat? warum stammen die gewählten drei dinge alle aus einer zeit, die schon lange vorbei ist und nichts hat bezug zur gegenwart? diese oder andere fragen können sich aus der suche nach den drei dingen meines des lebens ergeben.

und dann lässt sich darüber schreiben. die dinge können beschrieben werden, in die beschreibung kann die eigene lebensgeschichte einfließen. sie können teil einer langen geschichte werden, in der die ereignisse und bedeutungen der dinge nachvollzogen werden. oder man verwendet die dinge ganz anders in geschichten, lässt den persönlichen bezug weg. man kann alle teilnehmerInnen einer schreibgruppe auffordern, jeweils drei dinge des eigenen lebens mitzubringen und alle dürfen anschließend zehn minuten frei über diese dinge erzählen. vieles lässt sich aus bedeutungsvollen (alltags-)gegenständen machen, das die eigene lebensgeschichte wiedergibt. das museum neukölln bietet eine interessante vorlage dafür.

schreibberatung und suche

wie findet man die für sich passende schreibberatung? welche kriterien können einem bei der suche nach schreibberaterInnen helfen? und wann sollte man sich auf die suche begeben? es ist schwierig, allgemeingültige rezepte für die schreibberatung zu benennen. dafür ist das angebot zu vielfältig und sind die gründe für eine beratung zu verschieden. aber ein paar anhaltspunkte aus anderen beratungsrichtungen kann man schon benennen.

das internet ist wahrscheinlich die größte hilfe, bei der suche nach schreibberaterInnen. da dies bis heute kein ausbildungsberuf ist und auch kein verband der schreibberaterInnen existiert, also die kriterien für schreibberatungen nicht einheitlich sind, macht es sinn, sich bei mehreren anbietern zu erkundigen. selbst wenn die kriterien eindeutig wären, macht eine anfrage bei diversen anbietern sinn. denn man begibt sich in eine beratung. meist sind beratungen besonders effektiv, wenn man das gefühl hat, ich kann mit der person, die mir unterstützung gibt, ganz gut.

man soll sich mit beraterInnen nicht befreunden, aber man sollte bei beraterInnen das gefühl haben, dass die eigenen anliegen in einem fruchtbaren austausch gut aufgehoben sind. und erstaunlicherweise ist der erste eindruck oft sehr treffend. es macht nicht viel sinn, sich in eine beratung bei jemandem zu begeben, der oder die einem von anfang an unsympathisch sind. und da wir menschen sehr verschieden sind, sind auch die zu- und abneigungen absolut subjektiv. die arbeitsbeziehungen in einer beratung gestalten sich also ebenso individuell wie freundschaften und partnerschaften.

kriterien für eine gute schreibberatung zu benennen ist noch schwieriger. platt formuliert: das hängt ganz von den anliegen ab. hier kann (und sollte) man klar benennen, welches anliegen oder bedürnis man hat. daraufhin können die beraterInnen sagen, ob sie die erwartungen erfüllen können oder nicht. und sie werden dies tun. wer schon einmal beratung gemacht hat, Weiterlesen

wortklauberei (73)

„rumgurken“

ja, man darf jetzt wieder wie man lustig ist. jedenfalls seit heute wird offiziell verkündet, dass die gurke nicht mehr bedrohlich scheint. die letzte zeit wusste man wahrlich nicht mehr genau, wie man sich verhalten sollte. in der zeitung wurde schon die werbung abgebildet, dass nun gurkenfreies sushi angeboten werde.

dies veranlasste mich eigentlich dazu, mir gedanken zu machen, wie gurkenfreies schreiben aussehen könnte. doch die tagesereignisse waren schneller und jetzt ist die sprosse verdächtig. da wäre es wahrscheinlich hilfreich nur noch bambussprossen aus der dose zu reichen.

nein, witzig ist das nicht, zeigt es doch abermals, wie anfällig der mensch ist. das ist nicht schlecht, denn es lässt einen realisieren, dass versuche der absoluten kontrolle und fehlerbeseitigung ein traum sind, den die natur nicht gelten lassen wird. das kann auch entspannen. damit meine ich nicht die gleichgültigkeit gegenüber allen unbilden der natur, wohl aber eine gewisse gelassenheit.

und es ist schön, dass die gurke wieder eine möglichkeit der ernährung wird. bleibt die frage, was denn nun rumgurken ist. es erklärte sich wahrscheinlich einmal aus der nicht-handelsklasse-1-gurke, die gern in alle himmelsrichtungen wächst, wenn man sie nur lässt. also die formschöne gurke wurde ja jetzt offiziell abgeschafft, dann gab es kurz den versuch, wildes wachstum zu ermöglichen. aber das reduziert sich inzwischen auf wenige exemplare, da doch eher die gerade gurke gekauft wird und die krumme liegen gelassen wird. allein die küchenmaschinen haben mit krummen gurken ihr problem, da sie nicht in die einfüllschächte passen, um geschnitten zu werden.

also bleibt das rumgurken wohl nur eine bezeichnung für zielloses herumfahren oder -laufen an irgendwelchen orten. ziellose gewächse sind nicht so beliebt.