Tagesarchiv: 18. Juni 2011

„kreativitätstechniken“ von georg schumacher – ein „buchtipp“

also ein buch ist es eigentlich nicht, ein gesellschaftsspiel eigentlich auch nicht. es ist eine box mit 75 („spiel“)karten, ein block, ein bleistift und eine kleine sanduhr. das design ist fröhlich und ansprechend und macht auf den inhalt neugierig. es gibt keinen großen begleittext, es gibt nur die anregung, die karten zu verwenden, um die eigene kreativität zu entdecken. denn die einzige aussage, die hinter der box steckt, ist die behauptung, jeder mensch sei kreativ.

jawoll, ja, kann man dazu nur sagen. und so bieten die karten der „kreativitätstechniken – spielerisch kreativer werden – 75 übungen, die ihre fantasie beflügeln“ von georg schumacher einen bunten mix aus rätseln, übungen, wort“spielen“, fantasieanregern, regeln, hinweisen, forschungsergebnissen, intuitionsübungen, denktrainings und dergleichen mehr. auch wenn man darüber streiten kann, ob kreativität einem sehr biologistisch-evolutionärem konzept folgt, bietet diese box viele nützliche und interessante anregungen. auf den karten wird nicht in abrede gestellt, dass der mensch ganz eigene mittel entwickelt hat, kreativ zu sein. dies wird zum beispiel durch quizfragen wie, was bestimmte berühmte erfinder und schriftsteller gemeinsam haben, in rechnung gestellt. das tagebuch schreiben und skizzenbuch führen.

so bleibt viel raum für spielerei und schreiben beim ausprobieren der box. manchmal wünschte man sich noch etwas mehr selbstreflexive anregungen, da man die fähigkeit des menschen zur selbstreflexion auch als grundvoraussetzung für kreativität sehen kann. auf alle fälle ist die box aber ein wunderbarer pool und ideengeber für kreativitätsübungen, die man sowohl für sich selber verwenden kann, als auch als vorlagen für eigene kreativitätstechniken und -ideen, die man in gruppen anwenden möchte. und das schöne daran, viele anregungen können mit jeder altersstufe durchgeführt werden.

die box ist 2010 in moses. verlag in der rubrik „think! smarter“ in kempen erschienen. artikelnummer 25112 (dieses mal keine ISBN).

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kreatives schreiben und vielfalt

es gibt nichts, worüber man im kreativen schreiben nicht schreiben kann. aus jedem atemzug kann eine geschichte, ein text oder ein elfchen gemacht werden. selbst über uhrzeiten, zentimeter oder beton lässt sich schreiben. alles kann zum leben erweckt werden. das ist ein großer vorteil der menschlichen fantasie: wir sind fähig toten, bedeutungslosen und störenden dingen, ein neues kleid zu geben und aus ihnen plötzlich eine handlung mit emotionen oder eine story mit spannung zu machen.

der weg dort hin mag manchmal ein wenig holprig sein, aber eigentlich bietet auch hierfür das kreative schreiben eine vielfalt an techniken. vor allen dingen die assoziationstechniken verknüpfen jedes detail oder jeden gegenstand mit eigenen gedanken. ich muss nur eine sache auswählen, meine gedanken darauf fokussieren und sie dann frei fließen lassen, schon entstehen geschichten. in diesen momenten kann das kreative schreiben einen meditativen charakter bekommen, sich auf eine sache zu konzentrieren den eigenen gedanken dann den nötigen raum geben.

der vorteil besteht darin, dass der stoff für geschichten eigentlich nicht ausgeht. auch wenn der mensch für bestimmte menschliche dramen, happy-ends und konflikte ein faible hat, so ist der ort des geschehens doch austauschbar und sorgt für die jeweils eigene nuance. was machen zum beispiel zwei betonwände, die auf gedeih und verderb nebeneinanderstehen und sich entweder lieben, aber nicht näher kommen können oder sich nicht verstehen und leider nicht gegenseitig ausweichen können? und wie geht es den wänden, wenn das gebäude, das sie tragen, dann gesprengt wird?

es lässt sich also aus jeder sache eine persönliche geschichte machen. jedes detail einer geschichte kann plötzlich eine hauptrolle bekommen und andere details bleiben unerklärt am rand liegen. diese unerschöpfliche vielfalt stellt für schreibende gleichzeitig die krux dar: Weiterlesen