kreatives schreiben und vielfalt

es gibt nichts, worüber man im kreativen schreiben nicht schreiben kann. aus jedem atemzug kann eine geschichte, ein text oder ein elfchen gemacht werden. selbst über uhrzeiten, zentimeter oder beton lässt sich schreiben. alles kann zum leben erweckt werden. das ist ein großer vorteil der menschlichen fantasie: wir sind fähig toten, bedeutungslosen und störenden dingen, ein neues kleid zu geben und aus ihnen plötzlich eine handlung mit emotionen oder eine story mit spannung zu machen.

der weg dort hin mag manchmal ein wenig holprig sein, aber eigentlich bietet auch hierfür das kreative schreiben eine vielfalt an techniken. vor allen dingen die assoziationstechniken verknüpfen jedes detail oder jeden gegenstand mit eigenen gedanken. ich muss nur eine sache auswählen, meine gedanken darauf fokussieren und sie dann frei fließen lassen, schon entstehen geschichten. in diesen momenten kann das kreative schreiben einen meditativen charakter bekommen, sich auf eine sache zu konzentrieren den eigenen gedanken dann den nötigen raum geben.

der vorteil besteht darin, dass der stoff für geschichten eigentlich nicht ausgeht. auch wenn der mensch für bestimmte menschliche dramen, happy-ends und konflikte ein faible hat, so ist der ort des geschehens doch austauschbar und sorgt für die jeweils eigene nuance. was machen zum beispiel zwei betonwände, die auf gedeih und verderb nebeneinanderstehen und sich entweder lieben, aber nicht näher kommen können oder sich nicht verstehen und leider nicht gegenseitig ausweichen können? und wie geht es den wänden, wenn das gebäude, das sie tragen, dann gesprengt wird?

es lässt sich also aus jeder sache eine persönliche geschichte machen. jedes detail einer geschichte kann plötzlich eine hauptrolle bekommen und andere details bleiben unerklärt am rand liegen. diese unerschöpfliche vielfalt stellt für schreibende gleichzeitig die krux dar: worauf möchte ich mich denn fokussieren? was wähle ich aus der vielfalt aus? und wohin führt mich meine eigene geschichte? behalte ich noch den überblick?

so widersprüchlich das wahrscheinlich klingen mag: das paradies der vielfältigen möglichkeiten, die freiheit und macht, den verlauf einer geschichte zu bestimmen, lässt sich nur mit einer gehörigen portion selbstdisziplin bewältigen. geschichten ufern aus, wenn zu viele details beachtung finden. selbst geschaffene welten fransen aus, wenn die zahl der protagonisten von den leserInnen nicht mehr bewältigt werden kann. und geschichten werden zu langweilig, wenn nicht seitenstränge und ereignisse abwechslungsreich gestaltet werden.

auch beim kreativen schreiben und seiner unermesslichen vielfalt landet man immer wieder beim goldenen mittelweg. ein rezept dafür gibt es nicht. aber es gibt feedbackrunden, lektorate und techniken, um geschriebenes zu strukturieren, also einen mittelweg zwischen der überbordenden fantasie und der langeweile zu fnden.

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