biografisches schreiben und vielfalt

manche menschen glauben im alter, ihr leben wäre doch ein ruhiges, ja geradezu langweiliges gewesen, das keinen anderen menschen interessieren könnte. kommt man jedoch mit ihnen ins gespräch, stellt sich sehr schnell heraus, was in ihrem leben alles los war. manchmal waren es kleinigkeiten oder weltereignisse, die etwas auslösten, veränderten und vor allen dingen von den menschen alles forderten. alle sind bemüht aus ihrer perspektive, das beste aus ihrem leben zu machen. allein dieses bemühen ist einen bericht wert.

und wenn man dann mal anfängt nachzufragen oder die menschen sich hinsetzen und anfangen, sich schriftlich an manches zu erinnern, dann wird das erlebte mehr und mehr. schön öfter habe ich in schreibgruppen den effekt erlebt, dass die teilnehmerInnen über die vielfalt ihres eigenen leben erstaunt waren. wen hatte man nicht alles in der zwischenzeit vergessen, welche schwierigkeiten hatte man so gut verdrängt, dass man glaubt, nichts erlebt zu haben. auch die schönen ereignisse verblassen teilweise, wenn man sie sich nicht immer wieder ins gedächtnis ruft. und das biografische schreiben ist eine der besten möglichkeiten, es sich ins gedächtnis zu rufen.

einmal mit der erinnerungen angefangen, ergibt gern eins das andere, und immer mehr details werden wieder erinnerbar. wenn man sie dann aufschreibt, schützt man sich davor, vieles schnell wieder zu vergessen. wer ernsthaft noch einmal einen blick auf seine vergangenheit werfen möchte, der führe am besten ein kleines notizbuch bei sich, um erinnerungsfetzen, die einem an verschiedenen orten begegnen können, gleich zu notieren. auslöser können dabei zum beispiel gerüche, geräusche, bilder oder auch gespräche sein. es ist wie beim kreativens schreiben auch, wenn man mal beginnt, genauer hinzuschauen, aufmerksamer durch die welt zu gehen, dann entdeckt man immer mehr und kann irgendwann diese hohe aufmerksamkeit nicht mehr ablegen.

im laufe der zeit sollte man sich dann ein kategoriensystem oder eine zeitschiene schaffen, in die man die erinnerungen einordnen kann. macht man dies nicht, kann es schnell passieren, dass man den überblick über all die daten und erinnerungsfetzen verliert. natürlich ist es immer einem selber überlassen, ob man sich erinnerungen notieren will, ob man die eigene lebensgeschichte aufschreiben möchte und ob man eine ordnung in das erinnerte bringen möchte. möchte man aber alles aufschreiben, dann sollte zumindest soweit eine ordnung gefunden werden, damit die leserInnen oder zuhörerInnen zumindest die zusammenhänge nachvollziehen können. das biografische schreiben verlangt eine größere ordnung in der vielfalt als das kreative schreiben. und eines ist jedenfalls sicher, kein leben war langweilig.

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