schreibberatung und ressourcen

in der beratung gibt es die „ressourcenorientierte“ herangehensweise. dabei geht es darum, auf welche fähigkeiten und kompetenzen klientInnen zurückgreifen können, um ein problem zu bewältigen. einer der ersten schritte besteht darin, herauszufinden, über welche ressourcen die ratsuchenden verfügen. dieser gedanke lässt sich natürlich auch in der schreibberatung umsetzen. dabei wäre zum beispiel zu klären, was die ratsuchenden bisher in ihrem leben geschrieben, welches für sie das bisher das beste „schreib“-setting war, wann sie am kreativsten sind, wie sie sich gut konzentrieren können und vieles mehr.

im nächsten schritt geht es dann darum, wie sich diese ressourcen für das anstehende problem nutzen lassen. dies ist zwischen beraterInnen und klientInnen zu klären. wenn ich zum beispiel weiß, in welchen situationen ich am leichtesten in einen schreibfluss geraten kann, dann kann man gemeinsam schauen, ob sich solche umstände nicht regelmäßig herstellen lassen. vorangegangen ist meist eine phase der selbstbefragung und selbstbeobachtung, um herauszufinden, in welchen settings sich die klientInnen wohl fühlen.

weitere formen der ressourcennutzung können in einer verwendung anderer interessen für den problematischen schreibprozess bestehen. so kann man sich in der schreibberatung zum beispiel daran orientieren, welche schriftlichen ergebnisse die ratsuchenden am liebsten mögen, ihnen am besten gefallen. zu diesen texten oder geschichten gestaltet man eine schreibübung oder -anregung. man nutzt die positive haltung, auch wenn das schreibthema nichts mit der eigentlichen problematik zu tun hat, um eine positive erfahrung mit dem schreiben und dem schreibfluss vermitteln zu können. vielleicht lässt sich diese erfahrung dann in die eigentliche fragestellung überführen. das klingt jetzt ein wenig verschwurbelt, aber bei ressourcenorientiertem arbeiten, geht es auch darum, durch positive erfahrungen, blockaden und ängste zu relativieren, und die eigenen kompetenzen auf andere fragestellungen zu übertragen.

ein zusätzlicher effekt bei der analyse der ressourcen durch die klientInnen und die beraterInnen besteht häufig darin, dass die klientInnen sich selber ihre eigenen ressourcen überhaupt einmal „vor augen führen“. häufig unterschätzen menschen ihre fähigkeiten oder werten sie ab, da sie erfahrungen mit abwertung von außen gemacht hat. es geht dabei darum, die ressourcen zu offen zu legen und zu „reanimieren“, wenn sie versteckt schlummern.

natürlich kann es auch sein, dass man über wenige zusätzliche ressourcen verfügt, die beim schreibproblem hilfreich sein können. dann kann in der schreibberatung trotzdem der versuch unternommen werden, schritt für schritt eine positive lernerfahrung durch kleine schreibanregung zu vermitteln und diese erfahrungen genauer zu betrachten, um sie später bei größeren schreibversuchen zu erinnern. das heisst, die schreibberatung hilft beim schrittweisen aufbau von individuellen ressourcen, die man später immer wieder für sich nutzen kann. dadurch nimmt im laufe der zeit die gefahr ab, dass schreiben immer wieder eine enorme hürde darstellt. grundvoraussetzung für diese form der beratung ist, dass die beraterInnen sich in vielen zusammenhängen auch ihrer eigenen ressourcen bewusst sind und sich mit der thematik auseinandergesetzt haben, also auch sich selbst bei problemlösungsstrategien in bezug auf das schreiben erfahren haben.

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