wissenschaftliches schreiben und forschungsfrage

forschen ist der versuch, sich die welt weiter anzueignen, um mehr verfügung über die eigenen lebensbedingungen zu haben. das soll heißen, vieles auf der welt funktioniert auf eine art und weise, die uns menschen bis heute unerklärlich erscheint. stück für stück entschlüsselt der mensch, seitdem er denken kann, seine umwelt. abgesehen von der frage, wie real die wahrnehmung des menschen ist (eine frage, die wahrscheinlich kaum geklärt werden kann), möchte er mehr und mehr über seine lebensbedingungen wissen.

das bedeutet, forschung hat etwas mit neugierde, mit interesse und mit der suche nach erklärungen zu tun. leider verschwindet diese vorstellung in vielen wissenschaftlichen zusammenhängen. die verwertbarkeit der erkenntnisse und experimente steht immer häufiger im vordergrund. und zu dieser verwertbarkeit gehört es auch, dass die forschungsfragen gar nicht mehr selber von den wissenschaftlich schreibenden gesucht werden, sondern vorgegeben sind von der forschungsleitung. die forschungsfragen der einzelnen decken nur noch einen teilbereich eines großen forschungsprojekts ab. dies kann vereinzelt sehr spannend sein, endet aber nicht selten in purer zuarbeit zu den großen fragen.

sollte man aber die freiheit besitzen, seine forschungsfragen zum beispiel für eine abschlussarbeit stellen zu können, dann ist man aufgefordert, stück für stück seine neugierde offen zu legen und einzugrenzen. auch diesen prozess kann man durch schreibtechniken unterstützen und fördern. wie schon im vorherigen post aufgezeigt, bieten vor allen dingen das freewriting (eventuell fokussiertes) und das cluster, schon gute assoziative grundlagen. durch beide techniken kann das forschungsthema grob eingegrenzt werden.

nun lassen sich gedanken aus dem marketing anwenden, um weiter einzugrenzen. einfachstes (und gleichzeitig auch schwerstes) herangehen ist es, die forschungsfrage in eine einzige frage zu packen. oder man formuliert einen werbespruch für das eigene forschungsanliegen mit maximal acht wörtern. auf was für eine essenz lässt sich das forschungsinteresse verdichten. dies ist eine gute möglichkeit, zu verhindern, dass das wissenschaftliche schreiben ausufert und man im laufe des schreibprozesses erst bemerkt, dass man sich ein zu umfassendes thema gewählt hat.

bevor man nun den einen satz, die eine frage wieder ausweitet auf all die unterkapitel und einen roten faden, eine struktur für seine wissenschaftliche arbeit sucht, sollte man mit kollegInnen oder vorgesetzten klären, ob diese forschungsfrage auch das interesse der anderen weckt. diese hinweise können sehr hilfreich für das weitere vorgehen sein. und dann erinnere man sich beim schreiben des exposés, das heutzutage meist verlangt wird, noch einmal ans marketing. wie kann man die eigene neugierde gut für andere verkaufen. welche bedürfnisse kann ich bei den anderen mitforschern ansprechen und wie kann ich auch sie neugierig auf meine fragestellung machen.

denn forschung hat nicht nur eine wissenschaftliche komponente, sie hat auch eine urmenschliche, nämlich die freude an der wissensaneignung. der begriff „lust“ würde in diesem zusammenhang sicherlich für viele zu weit gehen, aber die freude, etwas entdeckt zu haben, aus dem vorhandenen neue erkenntnisse zu schöpfen, sollte raum bekommen. in diesen moment gewinnt forschung eine ganz neue qualität für die forschenden.

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