Monatsarchiv: Juli 2011

schreibidee (282)

der körper ist inzwischen ein eigenständiger wert, der auf dem feld der freien marktwirtschaft mit veräußert wird. die persönliche fitness, das aussehen und die kleidung erhalten einen immer höheren stellenwert, wenn man auf dem arbeitsmarkt fuss fassen möchte. wenn es vor allen dingen zu regelmäßigen kundenkontakten kommt, ist es dienstleistern wichtig, das perfekte bild abzugeben. diese entwicklung ist problematisch, da sie von den einzelnen fordert, beständig bemüht zu sein, die richtige körperpflege anzuwenden. darum eine schreibanregung zu „körperpflege-stories„.

als einstieg für dieses schreibgruppentreffen, werden alle teilnehmerInnen im vorfeld aufgefordert, ihr lieblingskörperpflegeprodukt mitzubringen. nur schreibt man für das mitgebrachte produkt einen kleinen werbetext, der anschließend mit dem produkt allen teilnehmerInnen vorgestellt wird. dabei darf man ohne hemmungen die ganz subjektiven bewertungen des produkts ausbreiten. da es sich um keine verkaufsveranstaltung handelt, muss im anschluss auch nicht über die bewertungen diskutiert werden.

nun werden zwei kurze stories zur täglichen körperpflege verfasst. zum einen die schnelle, zeitsparende variante der körperpflege und zum anderen die langwierige, ausführlich variante. es sollen beschreibungen der abläufe geschrieben werden. diese beschreibungen müssen sich nicht auf das eigene körperpflegeverhalten beziehen, sondern können der fantasie entspringen.

im anschluss wird am flippchart in der schreibgruppe gesammelt, welche formen der körperpflege zu einer ausführlichen vorgehensweise gehören. diese liste übernehmen alle schreibgruppenteilnehmerInnen und geben für sich eine kurz begründete bewertung ab, was sie von dieser form der körperpflege jeweils halten.

nun wird eine längere geschichte geschrieben, in der die persönliche körperpflege die hauptrolle spielt. sie kann vernachlässigt oder übertrieben, beiläufig oder konzentriert, selbstverständlich oder widerwillig stattfinden. sie kann in einen dialog eingebunden, einen nebenschauplatz eröffnend oder auch den höhepunkt der story darstellend sein. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wird von allen schreibgruppenteilnehmerInnen ein pamphlet gegen die vereinnahmung des eigenen körpers durch die gesellschaftliche ver- und bewertung verfasst. unter dem titel „mein körper gehört mir!“ darf widerstand geleistet werden. was nervt am schönheits- und pflegewahn? wobei möchte man nicht mitspielen? wie kann eine gesellschaft ohne körperliche vereinnahmung aussehen? die pamphlete werden am ende des schreibgruppentreffens vorgetragen.

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web 2.63 – schreiben wie …

zum kreativen und biografischen schreiben gehört es auch, dass man sich ohne hemmungen an anderen schreibenden, bekannten schriftstellerInnen orientiert. ideen des ausdrucks, formen der metaphern oder auch nur handlungsabläufe werden als orientierunghilfen genutzt. beim schreiben wird die welt nicht neu erfunden, sondern durch das lesen wird die eigene form des schreibens beeinflusst. und irgendwann pendelt man sich auf einem eigenen stil ein, der sich ständig weiterentwickelt.

nun kann man sich, wenn man lust dazu hat, fragen, welchen „berühmten“ schriftstellerInnen der eigene stil nahe kommt. diese frage wird nun beantwortet. eine gute bekannte hat auf ein schönes spielzeug in der digitalen welt aufmerksam gemacht. wie immer im web 2.0 ist alles ganz einfach. zuerst war wohl die englischsprachige ausgabe des kleinen programms im internet. sollte man also in der englischen sprache schreiben, dann kann man folgende seite nutzen: http://iwl.me/ („i write like„). einfach eine eigene textprobe durch copy & paste in das freie feld einfügen und dann auswerten lassen. in kurzer zeit berechnet das programm anscheinend parallelen zu bekannten schreibstilen und teilt mit, wem man in seiner „schreibe“ nahe kommt.

die frankfurter allgemeine zeitung hat dies für den deutschsprachigen raum auf ihrer homepage faz.net veröffentlicht. zu finden ist das programm unter: http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx . gleiche vorgehensweise bei „ich schreibe wie …„, nur dieses mal mit deutschsprachigen texten. mit copy & paste einen eigenen text in das freie feld einfügen und abfragen, welchem stil man ähnelt.

das ergebnis kann zwei effekte haben: man fühlt sich geschmeichelt und angespornt, jetzt endlich auf den literaturmarkt zu drängen, um ähnlich hohe buchauflagen zu erreichen, wie die gefundene berühmte person. oder man fühlt sich gekränkt, da der stil der vorgeschlagenen person einem überhaupt nicht gefällt. dann wird man sich in der zukunft bemühen, gaaaanz anders zu schreiben 😉 ein hübscher spaß!

schreibidee (281)

oft genug gab es hier schreibanregungen, die sich den krisen, den schwierigkeiten oder kleinen katastrophen des menschen widmeten. dies sind meist die spannenderen geschichten, die viel stoff für das schreiben bieten. doch dieses mal soll der spieß umgedreht werden und der „hans im glück“ quasi der anregung dienen. was passiert mit menschen, wenn sie vom glück verfolgt werden? diese schreibanregung bedient „erfolgsverwöhntes„.

als einstieg die klassische frage und situation: was würden sie machen, wenn sie im lotto gewonnen haben? alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden eingeladen, dazu einen zweiseitigen text zu verfassen. direkt im anschluss werden alle aufgefordert, den gleichen text noch einmal zu schreiben, ohne all die vernünftigen überlegungen, was man mit dem geld machen könnte. also geld anlegen, anderen etwas finanzieren, die wohnung renovieren oder dergleichen mehr, ist aus dem text zu streichen. es ist in einem zweiseitigen text eher die frage zu beantworten: wie würden sie ihr glück in vollen zügen auskosten, wenn sie einen lottogewinn bekämen? anschließend werden die beiden texte in der schreibgruppe vorgetragen.

da es bis jetzt nur um zufall oder glück ging, soll nun der „erfolg“ genauer betrachtet werden. da er eine subjektive bewertung beinhaltet, notieren sich die schreibgruppenteilnehmerInnen ein paar stichworte zu der frage: was bedeutet für mich erfolg? anschließend wird unterschieden zwischen „kleinen“ erfolgen und „großen“, die stichworte werden erweitert und beim notieren nicht nur eigene vorstellungen notiert. nun werden zwei kurze geschichten geschrieben: zum einen das erlebnis, wie ein mensch einen kleinen erfolg erlebt und zum anderen, wie ein mensch einen großen erfolg erlebt. die geschichten werden nicht vorgetragen.

zum abschluss wird eine längere geschichte geschrieben: was geschieht mit einem erfolgsverwöhnten menschen? was erlebt er? wie reihen sich die erfolge aneinander und was hat der mensch dafür getan? es ist also die moderne fassung von „hans im glück“ zu schreiben, die keine belehrungen enthalten sollte. die schreibenden sollen eine geschichte schreiben, die sie auch gern erleben würden. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. danach notieren alle teilnehmerInnen auf einem kleinen zettel, an welchem erfolg sie in nächster zeit arbeiten möchten. diesen zettel stecken sie in die hosen- oder handtasche und hängen ihn sich zuhause an den badezimmerspiegel 😉

wortklauberei (77)

schlichtgefieder

die zoologie bietet uns gern mal begriffe, die sich ebenso in die beschreibung des menschlichen alltags einbauen lassen. wenn also mensch sich aufhübscht und rausputzt, um bei einem date oder im nachtleben schnitte zu machen, dann wird das balzkleid oder -gefieder angelegt. und es wird gegurrt und geflirtet, was das zeug hält. vielleicht tragen die klamotten dann auch zum erfolg bei. man weiß es nicht genau, aber wir unterscheiden uns in diesem punkt wahrscheinlich weniger von der tierwelt als wir uns erhoffen.

wenn der mensch aber bei dauerregen, wie er momentan die republik immer wieder erfasst, seine wohnung nicht verlässt, da er sich in der urlaubszeit befindet, dann trägt er gern das „schlichtgefieder„. da außer dem postboten niemand an der tür klingeln wird, kann man die bequemen, figur-ignorierenden und leicht schlampigen klamotten wählen. es schaut ja niemand zu. niemandes interesse wäre zu wecken, die lebenspartnerInnen kennen einen auch im ganz schlichten gefieder, so ohne alles.

natürlich gehen die meinungen auseinander, wie weit man sich bei entsprechenden temperaturen ausschließlich im schlüpper durch die eigenen vier wände bewegen sollte. es könnte (auch vom postboten) schon wieder als balzgefieder verstanden werden. das kommt natürlich auf den schlüpper und den inhalt. wie hat es das sz-magazin heute so schön aufgelistet? viele stars leben in einer beziehung mit unterwäsche-models. auch wenn man selber den schlüpper für sehr schlicht hält, könnte diese bekleidung, dieses gefieder falsch verstanden werden.

in diesem punkt unterscheidet sich der mensch von der tierwelt. in der tierwelt ist „schlicht“ auch „schlicht“. beim menschen kann „schlicht“ unterschiedlich wirken. beim menschen endet die balz anscheinend nie. man muss schon genauer hinschauen, um die wirkliche paarungsbereitschaft zu erkennen. anscheinend werden dann die lippen des zweibeiners in diesem moment praller und fülliger. so sollte man doch eher auf die lippen und nicht auf das gefieder schauen 😉

biografisches schreiben und ordnung

ein schwieriges thema für viele: folgte ihr leben einer ordnung? können sie eine struktur in ihrer lebensgeschichte finden? und wenn ja, wie sieht diese aus? voran sollte die frage gestellt werden, ob es überhaupt sinn macht, nach einer ordnung zu suchen.

der mensch hätte gern die kontrolle über sein leben. dazu gehört zum beispiel der gedanke: „wenn ich a mache, dann wird b geschehen“. eine gewisse verlässlichkeit der ereignisse macht generell sinn. denn gäbe es die nicht, bestünde der alltag aus purer ohnmacht. man könnte nur das geschehen ertragen, sich aber auf nichts verlassen. damit dies nicht geschieht, geben gesellschaften sich regeln. so kann ich davon ausgehen, wenn ich als fussgänger bei grün über die kreuzung gehe, dann kommt kein auto, das mich überfährt. gut, absolute sicherheit kann es nicht geben, doch insgesamt funktionieren viele regeln und ordnungen ganz gut.

aber diese vorstellung von klarer struktur, von festen regeln und einer sichtbaren ordnung auf die eigene lebensgeschichte zu übertragen, das kann sich schnell als unmöglich erweisen. wir menschen unterliegen in vielen (uns nicht unwichtigen) bereichen dem zufall. auch wenn es kontaktbörsen und partnervermittlungen gibt, ob es zwischen zwei menschen funkt, ob sie sich überhaupt begegnen, das ist nicht regelbar. und ob daraus dann eine beziehung entsteht, diese lang andauert oder es wieder zu einer trennung kommt, neue menschen kennengelernt werden, das lässt sich nicht prophezeien.

man müsste wahrsagen können, welchen verlauf das eigene leben nimmt, wenn eine feste ordnung vorliegt. manch einer mag daran glauben. aber dann begibt er sich auf die ebene des glaubens, die wiederum keine regel oder ordnung ist. doch trotz dieser überlegungen lohnt es, beim biografischen schreiben zu schauen, ob es nicht doch muster im eigenen leben gibt, die immer wieder auftauchen. viele unserer handlungen haben mit erlerntem und gemachten erfahrungen zu tun (sowohl im positiven als auch im negativen). da ist es nicht abwegig, öfter die gleichen handlungen zu vollführen, obwohl man vielleicht gern etwas anderes machen würde.

darum sind diese muster und ordnungen auch so spannend für einen selber, wenn man etwas an seiner situation ändern möchte. es lohnt der blick auf die auslöser oder ereignisse, die einen zu bestimmten handlungen bringen, und es lohnt die frage, woher die eigenen reaktionen kommen. ansonsten lohnt es aber auch, festzustellen, dass man nicht so viel im griff hat, wie man gern hätte. also auch ein wenig verantwortung für die eigene lebensgeschichte abzugeben und nicht alle ursachen bei sich selber zu suchen. denn man wird feststellen, dort, wo man eine ordnung vermutete, besteht gar keine beim näheren betrachten. und schon scheint die eigene biografie viel zufälliger. bleibt nur noch die frage, ob jemand am zufall rumspielt oder nicht 😉

schnickschnack (93) – anthology-of-art.net

bei der durchsicht diverser unterlagen und beim surfen können einem dinge begegnen, die zwar alt, aber nicht abgenutzt sind. nein, sie können auch 10 jahre später noch interessant und spannend sein. da stellte jemand eine frage und ließ diverse künstlerInnen darauf antworten. hier wurde jochen gerz schon mit seinem projekt 2-3-straßen vorgestellt (https://schreibschrift.wordpress.com/2011/04/22/web-2-56-2-3-strasen/).

schon etliches älter, anfang dieses jahrtausends durchgeführt, ist sein projekt „anthology of art„, das aber weiterhin im internet besucht werden kann. künstlerInnen wurde die frage gestellt: „In the context of contemporary art, what is your vision of a yet unknown art?“ oder übersetzt: „was könnte angesichts der kunst heute noch eine unbekannte kunst sein?“ und sie haben geantwortet, die kunstschaffenden verschiedener ausrichtung. so entstand eine homepage mit 156 bildern und 156 texten. ein archiv, das auch zehn jahre später nichts verloren hat und zum glück noch nicht gelöscht wurde.

die „anthology of art“ kann ein künstlerisches gedächtnis werden. in der zeit des digitalen löschens von altem im netz ist dies ein erfreuliches angebot. denn das erstaunliche ist, dass man private daten ganz schwer wieder aus dem netz bekommt, andere interessante dinge gern schnell wieder verschwinden. und so sollte man, so lang es die anthologie noch gibt, unter http://www.anthology-of-art.net vorbeischauen. vielleicht findet man für sich ein paar antworten zur zukünftigen kunst und vielleicht haben sich manche der antworten auch schon erübrigt.

wissenschaftliches schreiben und ordnung

im gegensatz zu anderen schriftlichen werken unterliegen wissenschaftliche texte einer relativ strikten ordnung. die welt der wissenschaften hat sich auf manche standards geeinigt. so orientiert sich der aufbau eines wissenschaftlichen textes an zwei kriterien: der vorstellung, wie forschung (und damit die generierung von thesen und deren bearbeitung bis zu einem ergebnis) zu verstehen ist, und den absprachen, wie forschung schriftlich aufzubereiten ist.

diese vorstellungen von wissenschafltichen texten variieren zwar von fachrichtung zu fachrichtung, aber die grobe struktur bleibt beinahe identisch. so ist eine these aufzustellen (egal ob abschlussarbeit oder veröffentlichung in einer fachzeitschrift), die man beforscht (mit experimenten, messungen, befragungen oder analysen) und die man entweder widerlegt oder bestätigt. daraus ergibt sich der aufbau für einen wissenschaftlichen text mit einleitung, aufgabenstellung oder these, der vermittlung von grundlagen für die fragestellung, der wiedergabe der forschungsschritte und einem abschließenden fazit.

wie die einzelnen abschnitte dann auszufüllen sind, also was in die übergeordnete struktur einzubinden ist, das muss entweder mit den lektoraten, den betreuerInnen oder den anderen forscherInnen geklärt werden. doch an der eigentlichen ordnung ist nicht zu rütteln, wenn man sich nicht in die welt der spekulationen und glaubenssätze begeben möchte. (gut, viele forschungs- und theorieansätze folgen doch irgendwann glaubenssätzen, z.b. die überbewertung der statistik in vielen bereichen, aber auch dies kann im rahmen der wissenschaftlichen vorgehensweisen belegt und analysiert werden).

hat man also in die grobe ordnung seine vorgehensweise eingebunden und den roten faden für das schreiben gefunden, dann ist man mit der nächsten ordnung konfrontiert. hierbei geht es eher um schreibtechnische aspekte: wie zitiert man richtig, wie verwendet man informationen aus dem internet, wie belegt und begründet man seine thesen, behauptungen und vorgehensweisen? hierfür gibt es klare standards, die man zum beispiel im internet oder in büchern finden kann. viele abweichungen davon sind nicht möglich. Weiterlesen

web 2.0 und erfolg

wie bemisst sich der erfolg im internet? ab wann hat man erfolg? hier sind die kriterien der userInnen sehr verschiedene. man kann in sozialen netzwerken möglichst viele menschen um sich sammeln. man kann bei suchmaschinen seinen eigenen namen suchen und die trefferquoten betrachten. man kann auch seine netzauftritte mit begriffen in suchmaschinen abgleichen. oder man betrachtet die besuche auf den eigenen homepages und blogs. all dies könnten kriterien sein.

dazu gibt es noch etliche anbieter, die einen einem ranking unterziehen und dabei zum beispiel die verweildauer, das interessen und vieles mehr einbeziehen. doch warum sollte man das machen? nun, es wird im netz veröffentlicht. und irgendwie möchte man wissen, ob das veröffentlichte auch andere interessiert. denn ist dem nicht so, kann man sich fragen, weshalb man dies alles macht. auch hier kommen wieder subjektive vorstellungen zum tragen. was möchte ich? wenige intensive kontakte, oder viele teils auch oberflächliche? oder will ich vor allen dingen zu einem bestimmten thema gefunden werden?

in diesem moment kommt ein weiterer gedanke ins spiel: wozu nutze ich das web 2.0 überhaupt? will ich vor allen dingen die netzwerke und querverweise beruflich nutzen oder ist mir der privatkontakt besonders wichtig. beim „netzwerken“ vermischt sich das ein wenig. und doch sollte man für sich selber die trennung finden. natürlich können aus beruflichen internetkontakten auch private werden und private kontakt können eine große rolle im beruflichen kontext spielen. aber für sich selber sollte man wissen, welches kriterium vorrang hat. denn nur dann findet man einen maßstab, ob man den eigenen auftritt im netz für erfolgreich hält.

und, auch dies ist ein kriterium: wie sieht die entwicklung aus? gibt es eine veränderung zu den zeiten vorher? Weiterlesen

nabelschau (47)

bagby hot springs does not allow nudity or alcohol„. die freiheit der kunst erlaubt es, einen alternativen film zu drehen, der zwei männer jeweils in holzwannen steigen lässt, um heisse quellen in der pampa amerikas zu genießen. sie sind beide nackt, wenn sie in die wanne steigen. sie trinken nebenher und rauchen böse dinge. und zwischen dem schweigen unterhalten sie sich über ihre freundschaft und wie sie sich verändert hat. so weit, so gut in dem film „old joy„, der vor kurzem auf „arte“ lief.

schön, dass inzwischen der abspann wieder vollständig gezeigt wird, nichts überblendet wird und keiner dazwische quatscht. es hat sich in den fernsehanstalten wieder etwas geändert, den machern von filmen wird genug raum gegeben. da die landschaft eine wunderschöne ist, in der der film gedreht wurde, interessierte es den hier schreibenden zuschauer, wo denn diese wilden quellen sich befinden. und so schaute er interessiert auf den abspann. es waren die „bagby hot springs“, die die kulisse für den film boten (siehe: http://www.bagbyhotsprings.org/).

doch kaum war auf die heissen quellen hingewiesen folgte ein weiterer hinweis, der die darstellungen im film zurechtrücken sollte: bagby hot springs does not allow nudity or alcohol! oh holde wildnis! so ist die welt heute: der mensch genießt, der mensch lässt es sich gutgehen, der mensch entspannt. und dies tut er an einem abgelegenen ort in den tiefen der wälder. doch er ist nicht allein. die ordnung und das regelwerk waren schon da. auch das betreten einer holzwanne muss den züchtigen vorstellungen von ordnungsfetischisten folgen. es erinnert an die ordnungshüter am bodensee, die nachts mit taschenlampen das seeufer abschritten, um nacktbader zu entdecken oder die verwilderte wiesen abschritten, um das tragen der badehose zu kontrollieren.

meinereiner fragt sich in diesen momenten, ob auch der käfer, das eichhörnchen oder größeres vierbeiniges ebenfalls in diesen regionen gezwungen wird, sich zu bedecken. ich stelle mir eine wildnis voller badehosen recht bunt vor. 😛

liste (60) – ordnung

wer lust hat, kann sich diese seite ausdrucken und ausfüllen. ich schlage listen vor, die einem vielleicht einen überblick zu verschiedenen themen der eigenen lebensgeschichte geben können. dieses mal geht es um die „ordnung„.

dinge oder ereignisse, die meine persönliche ordnung am meisten stören:

bei diesen dingen ist mir ordnung am wichtigsten:

bei diesen dingen liebe ich das chaos:

ordnungen (rankings, strukturen…) auf der welt, die mir am besten gefallen:

zu diesen aspekten lasse ich mich gern von anderen einordnen:

schreibberatung und ordnung

nein, es geht hier nicht darum, dass der raum, in dem die schreibberatung stattfindet, ordentlich sein sollte. es geht eher darum, welche rolle „ordnung“ für menschen mit schreibproblemen oder in schreibkrisen spielt. es gibt zwei aspekte, die in großer regelmäßigkeit auftauchen: zum einen ist es eine sehr beliebte ausweichhandlung, um sich vor dem schreiben zu drücken. viele menschen fangen an, ihre wohnung aufzuräumen, zu putzen, dinge zu sortieren, die schon seit jahren rumliegen und dergleichen mehr. zum anderen sind die vorstellungen und bedürfnisse, wie der eigentliche schreibort aussehen sollte, sehr verschieden. vom kreativen chaos bis zum absolut leeren schreibtisch kann alles notwendig sein.

die schreibberatung greift mit großer wahrscheinlichkeit beide aspekte auf, wenn sich die jeweiligen zustände als problematisch erweisen. doch wie nun damit umgehen?

zuerst einmal zu den ausweichhandlungen. es ist zwar schön, wenn die wohnung oder arbeitsplatz tiptop aussehen, wenn aber gleichzeitig das blatt papier leer bleibt, erhöht sich der druck auf die schreibenden beständig. wie kann man sich nun selbst überlisten, um in den schreibfluss zu kommen? zum einen, sollte man seine ausweichhandlungen überhaupt erkennen. dabei kann die schreibberatung hilfreich sein, indem die beraterInnen nachfragen und aufzeigen, wie es einen immer wieder vom schreibort wegzieht.

nun kann gemeinsam überlegt werden, ob man schreiborte aufsuchen sollte, die einen nicht ablenken, an denen man also keine ordnung schaffen kann. oder ob man beim erkennen der kleinen fluchten, sich diese noch bewusster macht und unterbricht. Weiterlesen

selbstbefragung (113) – ordnung

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um die „ordnung„.

  • sind sie ein ordentlicher mensch?
  • wie sieht ihre persönliche ordnung aus? beschreiben sie.
  • was halten sie vom „kreativen chaos“? warum?
  • wie viel ordnung muss ihrer meinung nach eine gesellschaft schaffen?
  • wann wird ordnung zu langeweile?
  • welche wohnungen von freunden und bekannten finden sie steril? warum?
  • wobei nervt sie unordnung? warum?
  • wie bekommen sie ordnung in ihr leben? was tun sie dann?
  • durch was wird ihre ordnung am meisten gestört?
  • leiden sie unter zwängen?

wissenschaftliches schreiben und erfolg

beim wissenschaftlichen schreiben lässt sich der erfolg recht leicht messen: entweder wurde die aufgabe, der abschluss oder die untersuchung erfolgreich abgeschlossen und dementsprechend bewertet oder veröffentlicht. oder es hat alles nicht funktioniert und das geschrieben genügt nicht den erwartungen der anderen. das ist aber meist das minimum, das wissenschaftlerInnen, forschende und studierende erreichen wollen.

in der wissenschaft wird benotet. und wenn es nicht die schulischen noten von 1 bis 6 sind, dann sind es bewertungen wie „summa cum laude“. leider unterscheiden sich heute viele studiengänge nicht mehr groß von der schule (gut der name ist ja auch hoch“schule“ 😉 ). so ist das korsett eines studiums häufig eng geschnürt. entweder stehen von anfang an stundenpläne für die jeweiligen semester fest, es wird eine schnelle, effiziente lehre angeboten und schriftliche tests, klausuren oder hausarbeiten ähneln den prüfungen in der schulzeit.

es ist etwas verloren gegangen, das eigentlich einmal das wissenschaftliche arbeiten ausmachte: eigene gedanken formulieren, verbindungen herstellen, die bis dahin nicht gedacht wurden, sich aus einer auswahl die lehr- und lernangebote auswählen, die einen interessierten. erfolg entstand dadurch, dass man sich im eigenständigen denken und forschen bewährte. heute befindet man sich in der gleichen abhängigkeit von der tagesform der dozentInnen wie früher von den lehrerInnen. das notensystem ist schon immer ein subjektives gewesen, entscheidet aber von anfang an über den abschluss eines studiengangs.

dadurch bekommt das wissenschaftliche schreiben auch eine ganz andere funktion: es muss „funktionieren“. das bedeutet, es wird oft mehr wert auf die standards gelegt als auf das forschungsinteresse. die notengebung zwingt zu einer vergleichbarkeit wissenschaftlicher ergebnisse, die so nie gegeben sein wird. also wird ein ganz bestimmtes schreiben trainiert, das langweilig, Weiterlesen

schreibidee (280)

wenn wir dann schon einmal dabei sind: schreibende müssen faken! also, sie müssen sich in situationen versetzen, geschichten erfinden und ausbreiten, die sie in der form nie erlebt haben. in viele geschichten und romane fließen persönliche anteile ein, wenn es sich aber nicht explizit um biografisches schreiben handelt, ist der großteil erfunden und zusammengeklöppelt. doch man kann auch einen anderen weg beschreiten und sich „selbst“ vollständig neu erfinden. darum eine schreibanregung zu einem „fake-lebenslauf„.

der einstieg: der name. die schreibgruppenteilnehmerInnen wählen sich oder losen einen namen für ihren erfundenen lebenslauf. es können entweder vor- und nachnamen auf zetteln notiert werden, die dann gelost werden oder alle überlegen sich einen namen, der ihnen gefallen würde. dabei muss das eigene geschlecht keine rolle spielen, man darf sich auch gern in das andere geschlecht versetzen.

wenn der name gefunden ist, dann macht als nächster schritt ein genogramm sinn. alle teilnehmerInnen erfinden ihre eigene familie und sippe. da gibt es den seltsamen onkel im ausland, die karriere-cousinen oder eben nur zwei geschwister, die schon immer nervten. zu dem genogramm können noch kleine charakteristiken für die einzelnen personen verfasst werden.

nun kommt der größte schritt zu einer neuen identität: der eigene lebenslauf, der nichts mit der realität zu tun hat. in diesen lebenslauf können diverse träume der schreibenden einfließen, dies muss aber nicht sein. und gebrochene lebensläufe sind natürlich interessanter als geradlinige. das alter der gefaketen person sollte mindestens 40 jahre sein, damit schon etwas erlebt wurde. welche schulbildung, welche ausbildung, welcher beruf, wo lebt die person…? all dies gehört in den lebenslauf. anschließend werden die lebensläufe in der schreibgruppe vorgestellt.

doch dies waren alles nur vorarbeiten zur fake-autobiografie. nun soll ein längerer autobiografischer text geschrieben werden, in dem die erfundende lebensgeschichte einfließt. hierzu können genogramm und lebenslauf hinzugezogen werden, und eine episode aus dem „neuen“ leben erfunden werden. diese autobiografischen geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

fake im literaturgeschäft – ein lesetipp

im feuilleton der wochenendausgabe der süddeutschen zeitung erschien heute ein artikel über die leichtigkeit, mit der menschen über´s ohr gehauen werden können, wenn sie partout selbstgeschriebenes veröffentlichen wollen und bereit sind eine menge geld dafür auszugeben. das geld, das die menschen aufgebracht haben, um einen nicht wirklich aktiven literaturagenten zu bezahlen, hätten sie wahrscheinlich eher für books on demand verwendet, und versucht ihre werke selber los zu werden.

es steckt ein ganzes stück tragik in dem artikel „das spiel der verlierer“ von andreas bernard. er berichtet von der gerichtsverhandlung gegen den literaturagenten, der wohl früher ein funktionierendes geschäft betrieb, das sich aber inzwischen in versprechungen erschöpft. gleichzeitig legt der bericht aber auch etwas anderes offen: die verzweiflung, mit der manche menschen ihre schriftlichen produkte an den mann und die frau bringen wollen.

die welt ist nicht gerecht. es mag sein, dass der literaturbetrieb in deutschland schriftliche werke übersieht, die es wert wären, verlegt zu werden. ebenso werden manchmal dinge verlegt, die nur ärgerlich sind. und es mag aber genauso möglich sein, dass gute bücher entdeckt, erkannt und gut vermarktet werden. und zu guter letzt ist es vorstellbar, dass sich menschen, die schriftliche etwas selber geschaffen haben, davon so überzeugt sind, dass sie auf biegen und brechen eine veröffentlichung erreichen wollen und alles dafür tun würden.

leider analysiert der autor nur die schreibenden, die seiner ansicht nach einer literarischen romantik folgen, die es in der form nie gab. mag stimmen, schreiben ist arbeit. aber im gleichen atemzug könnte man den deutschen literaturbetrieb mit seinen vermarktungsstrategien einer kurzen analyse unterwerfen, der bücher zu bestsellern pusht, die das zeug dazu einfach nicht haben. es sind nicht die „randgebiete der literatur“, die in dem prozess sichtbar werden. es sind die hilflosen versuche, bedeutung für das eigene leben zu erlangen, die sich in jedem bereich des lebens abspielen können, in dem öffentlichkeit geschaffen wird.

nur so kann betrogen werden: indem öffentlichkeit versprochen wird, die sich mit großer wahrscheinlichkeit entweder nicht einstellt oder auf kosten der eigenen bedürfnisse geht. und indem eine gesellschaft im hintergrund agiert, die öffentlichkeit als inzwischen eines der höchsten güter propagiert. der literaturbetrieb ist nur eine facette.

kreatives schreiben und erfolg

wann ist kreatives schreiben erfolgreich? vielleicht wenn man einen schönen, zusammenhängenden text erstellt hat. oder wenn man das gefühl hat, dass die eigene kreativität viel raum einnehmen durfte. oder wenn man den inneren zensor überwinden konnte. oder vielleicht, wenn man eine tolle idee für eine längere geschichte entwickeln konnte. …

kreatives schreiben ist so vielfältig, dass man es aus den unterschiedlichsten blickwinkeln als erfolg erleben kann. und da es sich abermals um eine subjektive bewertung handelt, werden auch die bewertungsmaßstäbe, was nun am eigenen schreiben ein erfolg war, sehr unterschiedlich ausfallen.

doch oft genügt es schon den kreativ schreibenden, dass sie überhaupt geschrieben haben, als erfolg zu werten. das kreative schreiben ist ein ansporn, sich zeit zu nehmen (für sich selber, etwas zu tun), seiner kreativität raum zu geben (überhaupt daran zu glauben, kreativ sein zu können), eine idee zu verfolgen (ohne sie gleich wieder in zweifel zu ziehen) und etwas selber zu schöpfen (ja, die idee hat man eigenständig produziert und daraus ist etwas vollkommen neues, einmaliges enstanden).

dies ist der positive effekt des kreativen schreibens, der von vielen menschen so erlebt wird. darum ist kreatives schreiben, wenn man sich darauf einlassen kann und wenn man die eigene tätigkeit nicht gleich als schnickschnack abtut, oft erfolgreich. es vermittelt den menschen ein gutes gefühl und steigert dadurch das eigene selbstwertgefühl, so wie dies bei anderen erfolgen auch der fall ist.

beim kreativen schreiben steht man erst einmal nicht in konkurrenz mit anderen menschen (obwohl dies in schreibgruppen auch auftreten kann), sondern man steht in konkurrenz mit dem „inneren schweinehund“. es geht oft um den gedanken, doch nicht schreiben zu können, noch nie geschrieben zu haben und sowieso nichts anständiges hinzubekommen. die schreibtechniken des kreativen schreibens überzeugen im laufe der zeit, viele menschen vom gegenteil. und wenn man dann auch noch den erfolg feiern kann, sich darüber freuen kann, etwas geschrieben zu haben, dann löst sich die eventuelle konkurrenz zu anderen auch schnell in nichts auf.

denn das kreative schreiben folgt eigentlich keinem leistungsprinzip, man bestimmt eben subjektiv selber, was für einen in ordnung ist, was einen erfolg darstellt. das ist etwas, was viele von uns verlernt haben, da unsere gesellschaft sehr schnell mit bewertungen von außen bei der hand ist. das kreative schreiben kann erfolgreich bekräftigen, sich wieder mehr auf sich selbst und die eigenen bedürfnisse zu konzentrieren.

schreibidee (279)

unserer welt, unsere kommunikationen und unser alltag quellen über vor angeboten. jede minute, jede sekunde muss eine entscheidung getroffen werden, was man möchte und was nicht. einmal an den supermarktregalen entlang, einmal durch die straßen gegangen und schon steht man wieder vor einer entscheidung. mancher mensch leidet inzwischen unter der „qual der wahl“, dem druck immer mehr entscheidungen treffen zu müssen, immer mehr zu wissen. darum ist der wunsch groß, sich nur auf eine einzige sache zu konzentrieren. das wird möglich in der schreibanregung „1-treffen-1-gegenstand-stories„.

die qual der wahl liegt dieses mal bei der schreibgruppenleitung: was für einen gegenstand soll man auswählen für das nächste treffen der schreibgruppe? sinnvoll könnte es sein, sich auf einen gegenstand zu konzentrieren, von dem man allen teilnehmerInnen ein exemplar mitbringen kann, damit der gegenstand genau betrachtet werden kann. also zum beispiel eine spülbürste, einen tesafilm oder einen knopf.

als erstes wird der gegenstand von den schreibgruppenteilnehmerInnen beschrieben. auf maximal zwei seiten soll der gegenstand in seinem äußeren erscheinungsbild umschrieben werden, ohne dass sein name erwähnt wird. es sollen keine verwendungsmöglichkeiten des gegenstandes erwähnt oder andere zusammenhäng hergestellt werden. dann werden die beschreibungen in der gruppe vorgetragen und in der feedbackrunde wird darüber diskutiert, wie gut der gegenstand getroffen wurde.

im anschluss erstellen alle teilnehmerInnen ein cluster zu dem gegenstand. danach wird abermals eine beschreibung des gegenstands verfasst. diese darf um etliches länger sein, als die vorherige, dafür dürfen auch metaphern, verwendungsmöglichkeiten und vieles mehr erwähnt werden. der gegenstand darf beim namen genannt werden. die beschreibungen werden vorgetragen. abermals findet eine feedbackrund statt.

nun orientiert man sich an der musik und schreibt „variationen“ zu den vorherigen texten. dabei kann man sich auf andere details des gegenstands konzentrieren oder auf andere „typen“ des gegenstands (also zum beispiel anstatt eines roten, großen knopfs einen kleinen grauen betrachten). die texte werden nicht vorgetragen.

zum abschluss wird eine lange geschichte geschrieben, in der der gegenstand die hauptrolle spielt, als protagonist auftritt, man sich auf ihn konzentriert. in diese geschichte können die vorherigen studien, beschreibungen, metaphern und mehr einfließen. anschließend wird die geschichte vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. und falls die gruppe lust hat, kann man aus allen texten zum beispiel ein „buch des knopfes“ oder ähnliches erstellen.

schreibidee (278)

früher sprach man von großen konflikten. heute sind sie alle gute freunde, kumpel und kumpeline. „hotel mama“ liegt im trend und der staat verpflichtet beim empfang von finanzieller unterstützung sogar dazu, die eltern lang nicht zu verlassen. die generationen pflegen momentan einen seltsamen umgang miteinander und unterscheiden sich doch. die schreibanregung gibt raum für „generationen-geschichten„.

die schreibgruppenteilnehmerInnen werden aufgefordert, eine kurze charakteranalyse von drei generationen zu verfassen. man beschreibe die eigene generation mit ihren eigenheiten, dann die der eltern mit ihren erfahrungen und eigenheiten und die generation der großeltern. diese abrisse dreier generationen werden in werden in der schreibgruppe vorgelesen.

und da ich davon ausgehe, dass es auch weiterhin generationskonflikte gibt, da es unterschiedliche erfahrungen und vorstellungen gibt, sind nun zwei kurze geschichten zu generationskonflikten zu schreiben. zum einen ein konflikt zwischen der eigenen und der elterngeneration, zum anderen einen konflikt zwischen der eltern- und der großelterngeneration. wo die geschichte angesiedelt ist, ob sie biografische züge oder nicht annimmt, ist den schreibenden überlassen. die geschichten zu den generationskonflikten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es wird in der feedbackrunde diskutiert, wie weit man die konliktlinien nachvollziehen kann.

zum abschluss wird eine lange geschichte (es sollte genug zeit zur verfügung stehen) geschrieben, in der drei generationen eine rolle spielen. in welchem zeitalter sie angesiedelt sind, ob es konflikte gibt oder nicht, ob alle beinander leben oder weit voneinander entfernt oder ob es ein familiengeheimnis gibt oder nicht, bleibt den schreibgruppenteilnehmerInnen überlassen. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

nabelschau (46)

leis´ verschwindet elena. erst als kleine beiläufige meldung in den nachrichten, dann noch einmal einen tag später noch ein kleiner beitrag, in dem aber berichtet wurde, dass in den zuständigen ministerien niemand zu sprechen ist, es sei ja sommerpause. hier wird der misstrauische bürger hellhörig. da wird etwas abgeschafft, das gerade erst eingeführt wurde und keiner redet darüber.

oh doch, ein paar sagen, dass sie die entscheidung gut finden, und andere sagen, dass sie die entscheidung schlecht finden, da sie nun schon so viel geld dafür ausgegeben haben. worum es geht? um „elena“, das „elektronische entgeltnachweisverfahren“, eine gnadenlose daten-krake. abseits jeder kritik wurde das verfahren der datensammlung von arbeitnehmer-daten brachial eingeführt. und es gab zuhauf kritik im vorfeld, vor allen dingen den datenschutz betreffend. plötzlich sollten dinge gemeldet werden, die normalerweise nicht in staatlichen erfassungsdatenbanken verloren haben.

ja, man sollte sich freuen, dass es ein umdenken gibt, dass etwas rückgängig gemacht wird. man freut sich auch. und doch, es kommt so überraschend, niemand ahnte, dass es wieder abgeschafft wird. und vor allen dingen, niemand redet darüber, wer dafür verantwortlich ist und was das alles eigentlich gekostet hat. es will auch niemand etwas dazu sagen, woran es gescheitert ist. haben die arbeitgeber die daten einfach nicht übermittelt, also passiv widerstand geleistet, oder war absehbar, dass dieses verfahren vor gericht scheitern wird, wenn sich jemand zu einer klage durchringt?

faszinierend, dass diese dinge gern im sommer gemeldet werden, wenn ein teil der bürger das land verlassen hat, die ministerien leergefegt sind und eben keiner die fragen beantwortet. aber gut, zurück zu papier und stift. man kann nur hoffen, dass die anderen erfassungswütigen einrichtungen aus diesem fiasko eines lernen: vorher zu prüfen, wofür man eigentlich all diese daten haben möchte. und schon einmal festhalten, wer für solche entscheidungen verantwortlich ist. denn eltern haften für ihre kinder!

biografisches schreiben und erfolg

wie schon die selbstbefragung (112) und der vorschlag für die letzte „liste (59)“ zeigen, spielt erfolg haben und erfolgreich sein vielleicht für den einen oder anderen eine rolle. unsere konkurrenzhafte gesellschaft baut in vielen lebenszusammenhängen einen erfolgszwang auf, wobei nie genau benannt wird, was denn nun erfolg ist. es ist immer eine vorstellung von steter steigerung. von allem darf es immer ein bisschen mehr sein. menschen, die nicht erfolgreich sein wollen, scheinen das gesellschaftliche system nicht verstanden zu haben.

aus kritischer sicht, kann erfolg eigentlich nur eine bedeuten: im laufe seines lebens kann man immer mehr über die eigenen lebensbedingungen verfügen. das bedeutet, man ist freier und selbstbestimmter (so weit dies in sozialen gemeinschaften möglich ist). unter der frage „wie weit kann ich über mein eigenes leben verfügen?“ lässt sich im biografischen schreiben auch eine persönliche geschichte des „erfolgs“ verfassen. dazu lohnt ein blick auf die vorstellungen von erfolg, die man hat. die wichtigste frage in diesem kontext lautet: „woher kommen die gedanken, was ich unter „erfolg“ verstehe? sind es meine eigenen?“.

natürlich übernimmt man immer wieder gedanken und vorstellungen von anderen menschen aus seiner umgebung, das ist nichts schlechtes oder verwerfliches. man schöpft seine lebenshaltungen nicht aus sich selber, sie sind vermittelt. darum bleibt nur die einschätzung übrig, ob ich mich wohl fühle mit den vorstellungen von erfolg, nach denen ich mein leben ausrichte. ist zum beispiel eine gute note im zeugnis für mich so wichtig, dass ich viele andere dinge, die mich interessieren vernachlässige? möchte ich von allen menschen geliebt werden oder dürfen nicht auch menschen darunter sein, die mich nicht mögen? wie weit folge ich den vorstellungen anderer, was mich in ihren augen erfolgreich macht? möchte ich mich in die ganzen konkurrenzen begeben, die gesellschaftlich aufgebaut sind?

diese und viele andere fragen können zur geschichte, ja zur lebensgeschichte des eigenen, subjektiven erfolgs werden. nach einer ausführlichen reflexion über den eigenen erfolg, lassen sich in zukunft vielleicht einzelne zwänge oder unangenehme situationen umgehen. es ist ein stetes nachspüren, Weiterlesen