schreibberatung und wissenschaftliches schreiben

es gibt kaum statistiken darüber, wie viele akademikerInnen entweder ihr studium oder ihre doktorarbeit abbrechen, weil das schreiben ihnen große probleme bereitet. aber es gibt untersuchungen, die zeigen, dass beinahe 50 prozent der studienabbrecherInnen der meinung sind, sie seien nicht gut bei schriftlichen studienarbeiten betreut worden. bei den nicht-abbrecherInnen sind immerhin beinahe 40 prozent der meinung. diese aussagen beinhalten zwar keine aussage über die betreuung beim eigentlichen schreibprozess, aber dieser spielt für viele mit großer wahrscheinlichkeit eine rolle.

es ist davon auszugehen, dass in bezug auf den forschungsgegenstand die betreuung durch andere wissenschaftlerInnen wahrscheinlich gegeben ist. denn viele schriftliche studienarbeiten dienen der zuarbeit zu größeren forschungsprojekten. hier gibt es ein originäres interesse der betreuenden. aber hilfestellungen bei schreibkrisen und schreibblockaden ist selten durch die betreuenden wissenschaftlerInnen vorgesehen. wenn nun die hochschule keine eigenen angebote zum wissenschafltichen schreiben macht, dann kann eine professionelle schreibberatung sinn machen.

natürlich kostet eine solche schreibberatung geld, aber ab einem gewissen punkt kann es hilfreich sein, abzuwägen: entweder sein studium abzubrechen, nicht zu beenden, doktorarbeiten nicht zu vollenden, oder sich hilfe zu suchen. das mag jetzt recht drastisch klingen, doch letztendlich ist nachhilfe während der schulzeit nichts anderes. und auch hier ist wieder von persönlichen schuldzuschreibungen zu abstrahieren. es geht meist nicht darum, dass die jungen wissenschaftlerInnen keine ahnung vom fach haben, sondern dass sie in den schulen und hochschulen nie gelernt haben, wie eine wissenschaftliche arbeit zu verfassen ist. und von hilfreichen schreibtechniken oder assoziationsmöglichkeiten haben sie noch nie etwas gehört.

das schreiben von hausarbeiten kann schon eine vorbereitung auf eine wissenschaftliche abschlussarbeit darstellen, doch diese stellen für viele studierende eine quälerei in ihren semesterferien dar. schreibberatung kann zwar nichts zum inhalt beisteuern (denn dies würde bedeuten, dass sich schreibberaterInnen in allen wissenschaftlichen feldern auskennen müssten), aber sie kann hilfestellung beim schreibprozess geben.

wenn jemand in eine beratung gefunden hat, dann ist dies der erste schritt, sich bewusst zu machen, dass es dinge gibt, die allein nicht bewältigbar sind. dies ist eine gute voraussetzung für die reduzierung der vorstellung, zu versagen. das hat, wie oben erwähnt, selten etwas mit den kompetenzen der ratsuchenden zu tun. im zweiten schritt kann dann das herstellen eines schreibflusses vermittelt werden und gleichzeitig die möglichkeiten der strukturierung einer wissenschaftlichen arbeit. um dann im dritten schritt zu vermitteln, wie thesen generiert, belegt und begründet werden, auch hier wieder nur aus „schriftlicher“ sicht und nicht aus fachlicher. sollten sich weitere inhaltliche fragen ergeben, müssen diese mit den wissenschaftlerInnen, die die arbeit betreuen, geklärt werden. schreibberatung kann in diesem zusammenhang nur die unterstützung geben, den mut aufzubringen, zu fragen.

schreibberatung zum wissenschaftlichen schreiben hat also nicht nur eine schreibpädagogische funktion, sondern häufig auch eine psychologische. unser bildungssystem und unsere akademische welt hinterlassen bei vielen studierenden und forschenden das gefühl, die wissenschaftlichen erkenntnisse und das schreiben können würde sich bei den anderen von ganz allein einstellen. das ist ein großer trugschluss.

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