kreatives schreiben und vorurteil

vorurteile sind futter für intolerante gesellschaften. etwas abgewandelt können vorurteile als klischees aber auch die grundlage von satiren und komödien sein. viele tragikkommödien basieren auf die verarbeitung von vorurteilen, die die grundlage bieten, dass die „diskriminierten“ nicht selten über sich selber lachen können (so sie über humor verfügen). oder anders formuliert: manchmal muss der gesellschaftliche irrsinn auf die spitze getrieben werden, um darüber lachen und durchatmen zu können.

das kreative schreiben eignet sich sehr gut, klischees und vorurteile aufzugreifen, um ihnen den boden ihrer logik zu entziehen. denn wenn sich etwas ins lächerliche ziehen lässt, dann verliert es nicht selten seine gesellschaftliche relevanz. hier sollte aber vorsichtig vorgegangen werden, denn die ganze sache kann auch kippen und es werden nur vorurteile weiter transportiert oder der abschluss der geschichte passt die diskriminierten an den gesellschaftlichen mainstream an, um die geschichte wieder in das bewertungsraster einzupassen.

aber man kann mal die momentan existenten klischees und vorurteile, die einem einfallen auflisten und sich fragen, wie die überspitzung der diskriminierten verhaltensweisen aussehen könnte. anschließend benötigt es einen gesellschaftlichen, „spießigen“ gegenspieler, eine gegenspielerin, die an ihren eigenen diskriminierenden vorstellungen scheitern. sie führen sich in solchen geschichten meist selber vor, obwohl sie den gesellschaftlichen konsens beim namen nennen.

filme und fernsehserien machen dies ganz gut vor. sie zerren die klischees an licht, um anschließend die moralisierenden gegenspielerInnen in ihrem umfeld auflaufen zu lassen. das kann sehr witzig sein. leider kann das ganze auch in eine andere richtung kippen: die gesellschaftlichen edelmenschen verbünden sich zu einer allianz mit den diskriminierten und lassen die geschichten in einem kitschigen gegenseitigen bekenntnis enden. geschichten wirken witziger und lebhafter, wenn das ende eher in keiner verbrüderungs- oder verschwesterunsszene ausläuft, sondern in anarchischem chaos. die diskriminierung wird nicht aufgehoben, sondern erhält einen anderen platz in der gesellschaft.

beim kreativen schreiben hat der moralische zeigefinger sowieso nichts verloren, da normalerweise keine pädagogischen lehrstücke verfasst werden. doch guter humor ist oft schwieriger, als er dann beim lesen wirkt. die gratwanderung zwischen slapstick und moral benötigt im kreativen schreiben über vorurteile großes fingerspitzengefühl. der versuch ist es wert und wenn man solche texte in einer schreibgruppe verfasst, bietet die feedbackrunde eine gute möglichkeit, die wirkung des geschriebenen zu überprüfen.

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