Tagesarchiv: 5. Juli 2011

schreibpädagogik und urteil

bewertungen sind verhasst und beliebt. situationen, die daraufhin angelegt sind, dass man von anderen bewertet wird, gestalten sich für die meisten sehr unangenehm und man hofft, dass man gut aus dem rennen geht. dinge, die man erschaffen und geschöpft hat, möchte man gern von anderen möglichst positiv bewertet bekommen. und vor allen dingen, man möchte überhaupt eine bewertung, ein urteil erhalten. in gruppen kann es auch vorkommen, dass die teilnehmerInnen vor allen dingen von der gruppenleitung ein urteil erhalten möchten.

so verhasst vielen die schule war mit den lehrerInnen, die immer wieder bewertungen abgegeben haben, so wichtig scheint manchen später die beurteilung durch eine ihnen kompetent erscheinende person. das kann aber eine (schreib)gruppenleitung in schwierigkeiten bringen: wie soll das urteil denn ausfallen? natürlich hätte jeder mensch gern eine positive reaktion. doch wie verhält man sich, wenn das ergebnis nicht befriedigt?

eine empfehlung: nachfragen! fragen sie die person, zu was sie denn ein feedback haben möchte, und vor allen dingen, was für ein feedback. man hüte sich vor der aussage „das gefällt mir“, „das gefällt mir nicht“. ein subjektives urteil sollte mindestens als solches gekennzeichnet sein. aber am besten lässt man dies weg. denn man befindet sich in der leitenden rolle einer gruppe. wer glaubt, dass eine einforderung des urteils durch „leitungen“ doch kaum vorkomme, sieht sich schnell getäuscht, wenn er gruppen egal welcher altersgruppe anleitet.

und doch kann man voraussetzen, dass man, wenn man schreibgruppen für erwachsene anbietet, es auch mit erwachsenen zu tun hat, also auch einmal ein „urteil“ über einen text gesprochen werden darf. dieses urteil sollte angemessen und ausgewogen sein, Weiterlesen

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schreibidee (273)

kleine kinder versuchen im spiel das leben der erwachsenen nachzuleben. es kann sich dabei um die eigenen eltern oder andere erwachsene handeln. sie wollen all das auch machen, das die erwachsenen machen. doch je älter sie werden desto mehr realisieren sie, dass das leben der erwachsenen nicht nur interessant und toll ist. sie entwickeln eigene vorstellungen von ihrem leben. und wenn mensch dann erwachsen ist, hat er ein eigenes konzept. diese schreibanregung soll die möglichkeit geben, „lebensthesen“ zu formulieren.

als einstieg können entweder sprichwörter, die zehn gebote oder andere ältere lebensregeln herangezogen werden. alle teilnehmerInnen wählen sich jeweils drei regeln aus. es wird ein kurzes statemant (maximal eine seite) zu jeder lebensregel verfasst. warum erscheint einem diese regel wichtig, warum nicht. diese texte werden nicht vorgestellt. danach gibt der nachbar links oder rechts von einem, seine drei lebensthesen an einen weiter (ohne kommentare). dazu verfassen die teilnehmerInnen wiederum jeweils kurze statements. natürlich dürfen auch lebensregeln abgelehnt werden. auch diese kommentare werden nicht vorgetragen.

jetzt kommt eine erste zusammenfassung ins spiel. aus all den angebotenen regeln, sprüchen und vorstellungen vom leben (sie müssen nicht vorgetragen oder vorgestellt worden sein) wählt man für sich die fünf wichtigsten aus und formuliert sie in eigenen worten. als überschrift wähle alle „mein leben folgt der vorstellung, dass …“. diese lebensthesen werden anschließend in der schreibgruppe vorgetragen und können kurz diskutiert werden. ein feedback gibt es nicht, da thesen schwer zu bewerten sind, wenn sie einer subjektiven bewertung unterliegen.

nachdem die ersten thesen vorgestellt wurden, wird eine kleine geschichte geschrieben. alle teilnehmerInnen beschreiben für sich das paradies, das sie in zwanzig jahren erleben werden. wie sieht ihr leben dann aus? die beschreibung sollte nicht länger als drei seiten sein. sie wird nicht vorgetragen. aus diesem lebensplan und den fünf lebensthesen wird ein endgültiges lebenskonzept verfasst. die überschrift lautet: „mein leben soll …“. das lebenskonzept wird anschließend vorgetragen und in einer art feedbackrunde kann ein kurzes statement dazu abgegeben werden. zum abschluss verteilt die schreibgruppenleitung einen garantieausschluss: der beinhaltet die aussage, die lebensthesen und die lebensplanung eines jeden einzelnen ein wertvolles ziel seien, aber leider keine garantie dafür übernommen werden könne, dass dieses ziel auch eintritt. man wisse ja nie, was geschehe. 😉