schreibpädagogik und urteil

bewertungen sind verhasst und beliebt. situationen, die daraufhin angelegt sind, dass man von anderen bewertet wird, gestalten sich für die meisten sehr unangenehm und man hofft, dass man gut aus dem rennen geht. dinge, die man erschaffen und geschöpft hat, möchte man gern von anderen möglichst positiv bewertet bekommen. und vor allen dingen, man möchte überhaupt eine bewertung, ein urteil erhalten. in gruppen kann es auch vorkommen, dass die teilnehmerInnen vor allen dingen von der gruppenleitung ein urteil erhalten möchten.

so verhasst vielen die schule war mit den lehrerInnen, die immer wieder bewertungen abgegeben haben, so wichtig scheint manchen später die beurteilung durch eine ihnen kompetent erscheinende person. das kann aber eine (schreib)gruppenleitung in schwierigkeiten bringen: wie soll das urteil denn ausfallen? natürlich hätte jeder mensch gern eine positive reaktion. doch wie verhält man sich, wenn das ergebnis nicht befriedigt?

eine empfehlung: nachfragen! fragen sie die person, zu was sie denn ein feedback haben möchte, und vor allen dingen, was für ein feedback. man hüte sich vor der aussage „das gefällt mir“, „das gefällt mir nicht“. ein subjektives urteil sollte mindestens als solches gekennzeichnet sein. aber am besten lässt man dies weg. denn man befindet sich in der leitenden rolle einer gruppe. wer glaubt, dass eine einforderung des urteils durch „leitungen“ doch kaum vorkomme, sieht sich schnell getäuscht, wenn er gruppen egal welcher altersgruppe anleitet.

und doch kann man voraussetzen, dass man, wenn man schreibgruppen für erwachsene anbietet, es auch mit erwachsenen zu tun hat, also auch einmal ein „urteil“ über einen text gesprochen werden darf. dieses urteil sollte angemessen und ausgewogen sein, aber es ist eben eine bewertung und ein urteil. man kann aber auch davon ausgehen, dass manche teilnehmerInnen von schreibgruppen, ganz gleich ob erwachsen oder nicht, sich verletzt fühlen werden, obwohl man sein urteil sehr vorsichtig formuliert hat.

nicht selten wird überschätzt, wie gut man mit kritik umgehen kann, wenn es um etwas geht, das man selber geschaffen hat. es zeigt sich, dass kritik oder ein urteil doch stärker treffen als man vermutete. darum kann in die andere richtung nur formuliert werden, dass man sich gut überlegen sollte, wann man ein urteil von anderen haben möchte. wenn man das gefühl hat, man sei noch sehr an den geschriebenen text gebunden, dann ist es vielleicht besser, zu warten bis man die passende distanz zum eigenen text einnehmen kann.

alles in allem ist man auch auf die urteile anderer angewiesen, um sich beim schreiben weiterzuentwickeln, und kann sie nicht umgehen, wenn man sich mit selbstgeschriebenem an die öffentlichkeit begibt.

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