web 2.0 und urteil / vorurteil

die virtuellen welten sind zu großen teilen ein spiegelbild der gesellschaft. sie bieten viele orte des diskurses und zeigen dabei erstaunliche effekte: in halbanonymen zusammenhängen traut sich mensch stärker, seine gedanken zu äußern, als er dies im alltag macht. (gut, berlin mag hier eine ausnahme sein, die „berliner schnauze“ hält sich ungern zurück.)

aber auffällig in den foren des internets bleibt es weiterhin, dass empfindlichkeiten, urteilen und vorurteilen sehr viel „lauter“, also klarer und direkter raum gegeben wird als in anderen lebenszusammenhängen. das kann man als vorteil oder als nachteil sehen. vorteilhaft ist es sicherlich, eher zu wissen, was die leute wirklich denken. man hat oft das gefühl, dass im sozialen gefüge zu viel geschwiegen wird, menschen sich aus falscher rücksichtnahme zurückhalten. nachteil im netz ist es, dass wenn losgelegt wird, es manchmal kein halten mehr gibt. da hat sich bei manchen usern anscheinend über jahrzehnte etwas angestaut, das sie nun versteckt in die weite welt blasen können. hier wird es oft verletzend, ungnädig und rücksichtslos.

wer sich ins web 2.0 und in foren begibt, sollte nicht zu zart besaitet sein. man sollte sich im vorfeld bewusst sein, dass menschen aus der halbanonymität vor allen dingen gern urteilen. es werden urteile über das aussehen, die geschriebenen worte und die eingestellten filme gefällt. das web 2.0 scheint manchmal wie ein einziges großes ranking, dass sich vor allen dingen mit bewertungen und beurteilungen beschäftigt. überall wird man gefragt, ob man etwas gut oder schlecht findet. das fängt beim gekauften produkt, bei der vertrauenswürdigkeit der verkäufer an und endet beim bewerten der einzelnen posts oder artikel.

das öffnet natürlich tür und tor den klischees und vorurteilen. es zeigt sich, dass die menschen nicht selten voll davon sind. in diesen momenten wird dann auch nicht mehr subjektiv bewertet, sondern es wird verurteilt. da müssen menschen nicht viel gemacht haben, sie passen nur nicht ins raster des gewöhnlichen und schon erhalten sie von manchen besucherInnen des netzes ein label. das so sein lassen fällt sehr schwer. und die grenzen zum mobbing sind im internet fließend. da sich die menschen hinter pseudonymen verstecken ist es noch schwerer, darauf zu reagieren. inzwischen haben sich dienstleister gegründet, die versuchen bestimmte grenzüberschreitungen einzudämmen.

alles in allem hat sich bis heute noch nicht entschieden, ob die vorteile oder nachteile überwiegen. soziale netzwerke bieten vielen menschen formen der kommunikation, die sie früher schwer verwirklichen konnten. alle können ihre passenden nischen finden. es ist damit zu rechnen, dass die schnelleren reaktionen auf vorurteile diese eher abschwächen, wie wenn sie über alte medien verbreitet werden. und vielleicht kommen die menschen irgendwann auf die idee, dass ständige bewertungen einem eigentlich in der schule schon reichten.

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