biografisches schreiben und kommunikation

wir sind soziale wesen. kaspar hauser hat gezeigt, dass wir ohne ansprache, ohne kontakt zu anderen menschen verkümmern. es zeigt sich, dass wir den austausch benötigen, um zu lernen. erst machen wir nach, was andere machen, sprache entwickeln wir durch kopieren und erfolg haben. später denken wir selber, kopieren zwar auch noch, aber entwickeln gleichzeitig eigene formen der kommunikation. und je nach erfahrungen, die wir gemacht haben, fällt es uns leichter oder schwerer, mit anderen in kontakt zu kommen.

dabei geht es nicht nur um die sprachlichen fähigkeiten, es geht in der kommunikation noch einen ganzen schritt weiter: sende ich eine botschaft, die der empfänger auch als passend empfindet? wenn mir zum beispiel jemand von seiner schweren erkrankung berichtet und daraufhin frage, ob er die britische prinzenhochzeit auch im fernsehen verfolgt hat, dann könnte dies als affront verstanden werden. darum lernen wir neben der sprache, neben dem sich ausdrücken auch eine form von emotionaler einstimmung auf die anderen. von all dem (und noch weiterem, das hier aber zu viel würde) hängt ab, ob uns kommunikation glückt oder eher nicht.

beim biografischen schreiben können wir einen blick darauf werfen, in welchen situationen wir das gefühl hatten, dass uns kommunikation besonders gut glückte. meist geht für uns ein sehr angenehmes gefühl damit einher, wenn wir feststellen, dass wir mit unserem gegenüber auf einer ebene interagieren. man fühlt sich aufgehoben, angenommen und verstanden. darum versuchen wir immer wieder kontakt zu anderen menschen aufzunehmen. auch dieses fällt dem einen schwerer, dem anderen leichter. im biografischen schreiben können wir davon berichten, welche kommunikationen uns gut getan haben, welche uns leicht gefallen sind, durch welche wir uns weiterentwickelt haben, wodurch wir am meisten lernten und wie wir im laufe der zeit unser soziales netz gespannt haben.

denn es geht anderen genauso wie uns. und vielleicht finden sich beim lesen von lebensgeschichten, kommunikationsberichte, die wir ähnlich kennen und erlebt haben. denn erstaunlicherweise gefallen auch oft die bücher und berichte, die unserem eigenen erleben entsprechen. auch dies ist eine form der kommunikation: die teilhabe an den lebensgeschichten anderer. und wenn man nun das biografische schreiben praktiziert, um später etwas zu veröffentlichen, dann bedenkt man nicht selten die leserInnen mit. ob nun verbal oder schriftlich, wir kommunizieren die ganze zeit. beim biografischen schreiben sollte man sich einzig überlegen, ob man die leserInnen immer mitdenken möchte oder erst einmal nur ein subjektives zeugnis des eigenen lebens ablegen möchte. man kann es den weiteren entwicklungen überlassen, wer etwas mit der eigenen biografie anfangen kann, man kann aber auch von vornherein den wunsch haben, andere erreichen zu wollen und ihnen etwas aus dem eigenen leben mitgeben zu wollen.

in diesen momenten gibt es keine bewertung, die von „gut“ oder „schlecht“ redet. es gibt nur die frage, finde ich die lebensgeschichten anderer „interessant“. und sollte dies der falls sein, findet wieder eine form der kommunikation statt, die dazu führen kann, dass ich für mein eigenes leben abermals etwas lerne.

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