wissenschaftliches schreiben und kommunikation

beim wissenschaftlichen schreiben gibt es zwei kommunikationsebenen: zum einen die kommunikation mit den betreuenden und bewertenden lehrenden und zum anderen die mit den leserInnen. beide ebenen können sehr unterschiedlich genutzt werden. es gibt auch beim wissenschaftlichen schreiben wenige verallgemeinerbare elemente. wahrscheinlich wird der aufschrei bei manchen leserInnen nun groß sein und der widerspruch erhoben: gerade das wissenschaftliche schreiben hat sehr klare kriterien, wie zu schreiben ist.

letztendlich sind dies meist formale kriterien und es sind vorstellungen, was unter wissenschaftlichem arbeiten zu verstehen ist. so gehört zum wissenschaftlichen arbeiten, dass ich behauptungen begründen und belegen können muss. um diese formen des arbeitens kommt man nicht drumherum, da es sonst nicht mehr wissenschaftlich ist. aber wie ich meinen eigentlichen „stoff“ oder „forschungsgegenstand“ rüberbringe, das ist eine ganz andere sache. das wissenschaftlich schreiben kann mit den leserInnen kommunizieren. leider kommt dies viel zu selten vor.

es wird in deutschland weiterhin viel mehr wert auf die statistiken, die messergebnisse und die korrekten berechnungen gelegt, als auf die eigentliche basis der wissenschaften: den diskurs. forschungen und wissenschaften leben davon, dass man sich über die ergebnisse austauscht und gedanken weiterentwickelt. dies geht aber nur, wenn andere mich und meine texte verstehen. beim wissenschaftlichen schreiben sollte man im gegensatz zum kreativen schreiben ruhig die leserInnen mitdenken, wenn man seine texte und arbeiten verfasst. kann das jemand anderes verstehen, der sich nicht so mit der materie auskennt, wäre eine frage. oder: sind meine eigenen positionen klar abgegrenzt von vorausgesetzten erkenntnissen und dem aktuellen forschungsstand?

so lang wissenschaftliches schreiben die eigenen fachtermini nicht verlassen kann, so lang distanziert sich wissenschaft von der allgemeinverständlichkeit und von einem diskurs, an dem alle interessierte teilnehmen können. die fachsprache ist auch ein versuch andere von der kommunikation auszuschließen. die krux bei der sache: es gibt kaum orte, an denen man lernen kann, wie texte verständlicher werden. womit ich auch schon bei der kommunikation mit den betreuenden lehrenden bin.

die hochschulen und bildungseinrichtungen sind personell weiterhin schlecht ausgestattet: zu große seminare, zu viele prüflinge pro lehrende, zu wenig zeit für betreuungsgespräche. man kann nur empfehlen, gespräche zur betreuung schriftlicher arbeiten, einzufordern. leider kann es einem immer wieder passieren, dass dies abgelehnt wird. hier wird unter wissenschaftlichem arbeiten verstanden, dass man sich das wissenschaftliche schreiben von selber aneignet. nach dem motto: ich musste das auch. auch hier kann es passieren, dass die kommunikation unterbrochen wird. das ist traurig, da eine weitere basis der wissenschaft ungenutzt bleibt. denn wer glaubt, nur die schreibenden würden in diesen gesprächen etwas lernen, täuscht sich gewaltig. auch lehrende können beständig hinzulernen, ob nun fachlich betrachtet (da doch immer wieder neue ideen aufkommen können) oder auch nur pädagogisch betrachtet (zu wissen, wie die aktuelle lehr-lern-situation aussieht, um sich in der lehre weiterzuentwickeln).

so ist kommunikation im wissenschaftlichen schreiben unverzichtbar, nur leider führt sie weiterhin oft genug ein schattendasein. so lang sich die stellensituationen an den lehrinstituten nicht verbessert, kann man sich noch so sehr bemühen, persönlich anders an die sache heranzugehen, vieles wird nicht bewältigbar sein. da empfiehlt es sich, auch etwas, das teilweise aus der mode gekommen ist, arbeitsgruppen mit anderen wissenschaftlich schreibenden auf privater basis zu gründen. denn in diesen bestimmt man die kommunikation selber.

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