Tagesarchiv: 19. Juli 2011

biografisches schreiben und erfolg

wie schon die selbstbefragung (112) und der vorschlag für die letzte „liste (59)“ zeigen, spielt erfolg haben und erfolgreich sein vielleicht für den einen oder anderen eine rolle. unsere konkurrenzhafte gesellschaft baut in vielen lebenszusammenhängen einen erfolgszwang auf, wobei nie genau benannt wird, was denn nun erfolg ist. es ist immer eine vorstellung von steter steigerung. von allem darf es immer ein bisschen mehr sein. menschen, die nicht erfolgreich sein wollen, scheinen das gesellschaftliche system nicht verstanden zu haben.

aus kritischer sicht, kann erfolg eigentlich nur eine bedeuten: im laufe seines lebens kann man immer mehr über die eigenen lebensbedingungen verfügen. das bedeutet, man ist freier und selbstbestimmter (so weit dies in sozialen gemeinschaften möglich ist). unter der frage „wie weit kann ich über mein eigenes leben verfügen?“ lässt sich im biografischen schreiben auch eine persönliche geschichte des „erfolgs“ verfassen. dazu lohnt ein blick auf die vorstellungen von erfolg, die man hat. die wichtigste frage in diesem kontext lautet: „woher kommen die gedanken, was ich unter „erfolg“ verstehe? sind es meine eigenen?“.

natürlich übernimmt man immer wieder gedanken und vorstellungen von anderen menschen aus seiner umgebung, das ist nichts schlechtes oder verwerfliches. man schöpft seine lebenshaltungen nicht aus sich selber, sie sind vermittelt. darum bleibt nur die einschätzung übrig, ob ich mich wohl fühle mit den vorstellungen von erfolg, nach denen ich mein leben ausrichte. ist zum beispiel eine gute note im zeugnis für mich so wichtig, dass ich viele andere dinge, die mich interessieren vernachlässige? möchte ich von allen menschen geliebt werden oder dürfen nicht auch menschen darunter sein, die mich nicht mögen? wie weit folge ich den vorstellungen anderer, was mich in ihren augen erfolgreich macht? möchte ich mich in die ganzen konkurrenzen begeben, die gesellschaftlich aufgebaut sind?

diese und viele andere fragen können zur geschichte, ja zur lebensgeschichte des eigenen, subjektiven erfolgs werden. nach einer ausführlichen reflexion über den eigenen erfolg, lassen sich in zukunft vielleicht einzelne zwänge oder unangenehme situationen umgehen. es ist ein stetes nachspüren, Weiterlesen

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schreibberatung und erfolg

wann war eine schreibberatung erfolgreich. platt formuliert: dann wenn jemand die schreibblockade oder -krise überwunden hat, also wieder schreibt. aber eigentlich kann man kein verallgemeinerndes kriterium für eine erfolgreiche schreibberatung finden, ebenso wenig, wie generell für eine beratung. denn, was sich erfolgreich anfühlt, das können nur die klientInnen benennen. nur sie wissen, ob ihnen eine beratung etwas gebracht hat. und selbst wenn sie das gefühl haben, dass sich etwas verändert hat, wissen sie noch nicht, ob dies auch langfristig der fall sein wird.

die frage nach einer erfolgreichen schreibberatung ähnelt der frage nach einer erfolgreichen therapie. in der psychologie mühen sich seit jahrzehnten wissenschaftler darum, erfolgskriterien für therapien zu benennen und zu messen. letztendlich scheitern sie an ihren versuchen der objektivierung, da es für die einzelnen menschen und lebenssituationen nicht messbar ist, was „erfolgreich“ bedeutet. so kann es sein, dass jemandem eine therapie eine großes stück weiter geholfen hat, dass er sich besser fühlt, dass sich die lebenssituation in eine positive richtung entwickelt hat. doch ein halbes jahr später ist so viel passiert, dass er noch eine weiterführende therapie benötigt, keine lösungen mehr für seine probleme und schwierigkeiten findet.

das lässt sich mit der schreibberatung vergleichen. generelles ziel ist es, dass sich relativ kurzfristig die schreibschwierigkeiten überwinden lassen. dies kann auch einen langfristigen effekt zur folge haben und jemand muss in den nächsten jahren mit keinen schreibkrisen mehr rechnen, das schreibverhalten hat sich vollständig verändert. aber dies muss nicht sein. dies soll nun keine drohgebilde aufbauen, es soll einzig zeigen, dass es im beraterischen und psychosozialen kontext keine vorhersagbarkeiten gibt, obwohl man sie gern hätte. und es soll zeigen, Weiterlesen