schreibberatung und erfolg

wann war eine schreibberatung erfolgreich. platt formuliert: dann wenn jemand die schreibblockade oder -krise überwunden hat, also wieder schreibt. aber eigentlich kann man kein verallgemeinerndes kriterium für eine erfolgreiche schreibberatung finden, ebenso wenig, wie generell für eine beratung. denn, was sich erfolgreich anfühlt, das können nur die klientInnen benennen. nur sie wissen, ob ihnen eine beratung etwas gebracht hat. und selbst wenn sie das gefühl haben, dass sich etwas verändert hat, wissen sie noch nicht, ob dies auch langfristig der fall sein wird.

die frage nach einer erfolgreichen schreibberatung ähnelt der frage nach einer erfolgreichen therapie. in der psychologie mühen sich seit jahrzehnten wissenschaftler darum, erfolgskriterien für therapien zu benennen und zu messen. letztendlich scheitern sie an ihren versuchen der objektivierung, da es für die einzelnen menschen und lebenssituationen nicht messbar ist, was „erfolgreich“ bedeutet. so kann es sein, dass jemandem eine therapie eine großes stück weiter geholfen hat, dass er sich besser fühlt, dass sich die lebenssituation in eine positive richtung entwickelt hat. doch ein halbes jahr später ist so viel passiert, dass er noch eine weiterführende therapie benötigt, keine lösungen mehr für seine probleme und schwierigkeiten findet.

das lässt sich mit der schreibberatung vergleichen. generelles ziel ist es, dass sich relativ kurzfristig die schreibschwierigkeiten überwinden lassen. dies kann auch einen langfristigen effekt zur folge haben und jemand muss in den nächsten jahren mit keinen schreibkrisen mehr rechnen, das schreibverhalten hat sich vollständig verändert. aber dies muss nicht sein. dies soll nun keine drohgebilde aufbauen, es soll einzig zeigen, dass es im beraterischen und psychosozialen kontext keine vorhersagbarkeiten gibt, obwohl man sie gern hätte. und es soll zeigen, dass das einzige kriterium für eine erfolgreiche beratung, die befindlichkeiten der klientInnen sein können.

die konsequenz aus diesen erkenntnissen ist das nachfragen bei den klientInnen, ob und welche veränderungen sie feststellen. es sollte also eine atmosphäre geschaffen werden, die den ratsuchenden die möglichkeit geben, ihre eindrücke mitzuteilen. und es bringt den beraterInnen nichts, wenn klientInnen die erfolge schön reden. manchmal ist es besser jemanden weiterzuvermitteln als an beratungen festzuhalten mit der verheissung, dass sich nach längerer zeit bestimmt ein erfolg einstellen würde. letztendlich verlaufen aber viele beratungen, therapien und schreibberatungen sehr erfolgreich, nur der maßstab, der an die beratenden berufe angelegt wird, ist ein zu strenger. so, wie es die vorstellung gibt, dass einen jeder arzt gesund machen könne, so besteht gegenüber beratenden berufen die vorstellung, dass für jede schwierigkeit eine schnelle lösung gefunden würde.

schön, wenn es so ist, aber nicht alles kann erfolgreich verlaufen, dafür ist der mensch zu vielfältig 😉

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