schreibberatung und ordnung

nein, es geht hier nicht darum, dass der raum, in dem die schreibberatung stattfindet, ordentlich sein sollte. es geht eher darum, welche rolle „ordnung“ für menschen mit schreibproblemen oder in schreibkrisen spielt. es gibt zwei aspekte, die in großer regelmäßigkeit auftauchen: zum einen ist es eine sehr beliebte ausweichhandlung, um sich vor dem schreiben zu drücken. viele menschen fangen an, ihre wohnung aufzuräumen, zu putzen, dinge zu sortieren, die schon seit jahren rumliegen und dergleichen mehr. zum anderen sind die vorstellungen und bedürfnisse, wie der eigentliche schreibort aussehen sollte, sehr verschieden. vom kreativen chaos bis zum absolut leeren schreibtisch kann alles notwendig sein.

die schreibberatung greift mit großer wahrscheinlichkeit beide aspekte auf, wenn sich die jeweiligen zustände als problematisch erweisen. doch wie nun damit umgehen?

zuerst einmal zu den ausweichhandlungen. es ist zwar schön, wenn die wohnung oder arbeitsplatz tiptop aussehen, wenn aber gleichzeitig das blatt papier leer bleibt, erhöht sich der druck auf die schreibenden beständig. wie kann man sich nun selbst überlisten, um in den schreibfluss zu kommen? zum einen, sollte man seine ausweichhandlungen überhaupt erkennen. dabei kann die schreibberatung hilfreich sein, indem die beraterInnen nachfragen und aufzeigen, wie es einen immer wieder vom schreibort wegzieht.

nun kann gemeinsam überlegt werden, ob man schreiborte aufsuchen sollte, die einen nicht ablenken, an denen man also keine ordnung schaffen kann. oder ob man beim erkennen der kleinen fluchten, sich diese noch bewusster macht und unterbricht. so könnte man sich zum beispiel vornehmen: wenn ich wieder anfange die fenster zu putzen, obwohl ich einen wichtigen text verfassen muss, dann unterbreche ich das fensterputzen für 5 oder 10 minuten und absolviere ein freewriting. dieses entweder zur anstehenden schreibaufgabe oder zur frage, woher die ausweichhandlungen kommen. die freewriting-zeiten können in der folge immer öfter und länger ausgeführt werden. man erhält mit großer wahrscheinlichkeit einen immer besseren blick für den eigenen ordnungs“wahn“.

bei der frage nach dem idealen arbeitsplatz können in der schreibberatung selbstreflexive schreibtechniken vorgeschlagen werden, um sich den eigenen bedürfnissen anzunähern. dazu können kleine selbstbefragungen zählen, die von den schreibberaterInnen ausgearbeitet wurden: in welchen momenten bin ich am kreativsten? wie sollte mein umfeld in diesem moment beschaffen sein? was brauche ich um mich herum, um schreiben zu können? … und eben die frage: wie ordentlich muss mein schreibtisch sein, damit ich mich daran wohl fühle?

im anschluss kann versucht werden, sich das ideale umfeld zu schaffen und in der nächsten schreibberatung noch einmal zu thematisieren, ob sich die veränderungen bewährt haben. vielleicht ist es auch textabhängig, wie ordentlich und strukturiert das umfeld schreiben sollte. vielleicht blüht die kreativität ja auf, wenn man durch ein buntes chaos angeregt und teilweise abgelenkt wird. zumindest stimmt für etliche schreibenden die vorstellung „ordnung sei das halbe leben“ nicht 😉

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