wissenschaftliches schreiben und ordnung

im gegensatz zu anderen schriftlichen werken unterliegen wissenschaftliche texte einer relativ strikten ordnung. die welt der wissenschaften hat sich auf manche standards geeinigt. so orientiert sich der aufbau eines wissenschaftlichen textes an zwei kriterien: der vorstellung, wie forschung (und damit die generierung von thesen und deren bearbeitung bis zu einem ergebnis) zu verstehen ist, und den absprachen, wie forschung schriftlich aufzubereiten ist.

diese vorstellungen von wissenschafltichen texten variieren zwar von fachrichtung zu fachrichtung, aber die grobe struktur bleibt beinahe identisch. so ist eine these aufzustellen (egal ob abschlussarbeit oder veröffentlichung in einer fachzeitschrift), die man beforscht (mit experimenten, messungen, befragungen oder analysen) und die man entweder widerlegt oder bestätigt. daraus ergibt sich der aufbau für einen wissenschaftlichen text mit einleitung, aufgabenstellung oder these, der vermittlung von grundlagen für die fragestellung, der wiedergabe der forschungsschritte und einem abschließenden fazit.

wie die einzelnen abschnitte dann auszufüllen sind, also was in die übergeordnete struktur einzubinden ist, das muss entweder mit den lektoraten, den betreuerInnen oder den anderen forscherInnen geklärt werden. doch an der eigentlichen ordnung ist nicht zu rütteln, wenn man sich nicht in die welt der spekulationen und glaubenssätze begeben möchte. (gut, viele forschungs- und theorieansätze folgen doch irgendwann glaubenssätzen, z.b. die überbewertung der statistik in vielen bereichen, aber auch dies kann im rahmen der wissenschaftlichen vorgehensweisen belegt und analysiert werden).

hat man also in die grobe ordnung seine vorgehensweise eingebunden und den roten faden für das schreiben gefunden, dann ist man mit der nächsten ordnung konfrontiert. hierbei geht es eher um schreibtechnische aspekte: wie zitiert man richtig, wie verwendet man informationen aus dem internet, wie belegt und begründet man seine thesen, behauptungen und vorgehensweisen? hierfür gibt es klare standards, die man zum beispiel im internet oder in büchern finden kann. viele abweichungen davon sind nicht möglich. und wer einmal in einer fachzeitschrift veröffentlicht hat, der weiß genau, wie sehr das lektorat auf die einhaltung der schreibtechniken besteht.

die schaffung von standards ist der versuch, ergebnisse und forschung vergleichbar zu machen. dies birgt zwar auch die gefahr in sich, dass doch birnen mit äpfeln verglichen werden, aber es reduziert die beliebigkeit von behauptungen. und so werden veröffentlichungen in ein übergreifende raster eingepasst. problematisch ist es, dass trotzdem viele wissenschaftlerInnen immer ein wenig von den standards abweichen. oder anders formuliert, es geistern unglaublich viele verschiedene standards durch die welt. das macht es für die schreibenden wieder kompliziert. und hier bleibt einem nichts anderes übrig, als sich an den vorgaben der vorgesetzten zu orientieren oder einen ungewöhnlichen eigenen weg zu beschreiten, mit der gefahr, dass in der bewertung sanktioniert wird.

das korsett des wissenschafltichen schreibens wäre zu überdenken, denn man hat manchmal das gefühl, dass zu viele spannende forschungsergebnisse und interessante gedanken dabei auf der strecke bleiben. vor allen dingen fördern die vorgaben einen teils bürokratischen schreibstil, das ist schade, da sich auch bei einem anderen schreibstil, die grundformen von wissenschaftlichem arbeiten nicht auflösen. das ist nur die angst der „keine-experimente“-vertreterInnen. doch so lang aussagen belegt werden können, sollte der stil keine rolle spielen.

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