Tagesarchiv: 29. Juli 2011

schreibidee (281)

oft genug gab es hier schreibanregungen, die sich den krisen, den schwierigkeiten oder kleinen katastrophen des menschen widmeten. dies sind meist die spannenderen geschichten, die viel stoff für das schreiben bieten. doch dieses mal soll der spieß umgedreht werden und der „hans im glück“ quasi der anregung dienen. was passiert mit menschen, wenn sie vom glück verfolgt werden? diese schreibanregung bedient „erfolgsverwöhntes„.

als einstieg die klassische frage und situation: was würden sie machen, wenn sie im lotto gewonnen haben? alle schreibgruppenteilnehmerInnen werden eingeladen, dazu einen zweiseitigen text zu verfassen. direkt im anschluss werden alle aufgefordert, den gleichen text noch einmal zu schreiben, ohne all die vernünftigen überlegungen, was man mit dem geld machen könnte. also geld anlegen, anderen etwas finanzieren, die wohnung renovieren oder dergleichen mehr, ist aus dem text zu streichen. es ist in einem zweiseitigen text eher die frage zu beantworten: wie würden sie ihr glück in vollen zügen auskosten, wenn sie einen lottogewinn bekämen? anschließend werden die beiden texte in der schreibgruppe vorgetragen.

da es bis jetzt nur um zufall oder glück ging, soll nun der „erfolg“ genauer betrachtet werden. da er eine subjektive bewertung beinhaltet, notieren sich die schreibgruppenteilnehmerInnen ein paar stichworte zu der frage: was bedeutet für mich erfolg? anschließend wird unterschieden zwischen „kleinen“ erfolgen und „großen“, die stichworte werden erweitert und beim notieren nicht nur eigene vorstellungen notiert. nun werden zwei kurze geschichten geschrieben: zum einen das erlebnis, wie ein mensch einen kleinen erfolg erlebt und zum anderen, wie ein mensch einen großen erfolg erlebt. die geschichten werden nicht vorgetragen.

zum abschluss wird eine längere geschichte geschrieben: was geschieht mit einem erfolgsverwöhnten menschen? was erlebt er? wie reihen sich die erfolge aneinander und was hat der mensch dafür getan? es ist also die moderne fassung von „hans im glück“ zu schreiben, die keine belehrungen enthalten sollte. die schreibenden sollen eine geschichte schreiben, die sie auch gern erleben würden. die geschichten werden in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt. danach notieren alle teilnehmerInnen auf einem kleinen zettel, an welchem erfolg sie in nächster zeit arbeiten möchten. diesen zettel stecken sie in die hosen- oder handtasche und hängen ihn sich zuhause an den badezimmerspiegel 😉

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wortklauberei (77)

schlichtgefieder

die zoologie bietet uns gern mal begriffe, die sich ebenso in die beschreibung des menschlichen alltags einbauen lassen. wenn also mensch sich aufhübscht und rausputzt, um bei einem date oder im nachtleben schnitte zu machen, dann wird das balzkleid oder -gefieder angelegt. und es wird gegurrt und geflirtet, was das zeug hält. vielleicht tragen die klamotten dann auch zum erfolg bei. man weiß es nicht genau, aber wir unterscheiden uns in diesem punkt wahrscheinlich weniger von der tierwelt als wir uns erhoffen.

wenn der mensch aber bei dauerregen, wie er momentan die republik immer wieder erfasst, seine wohnung nicht verlässt, da er sich in der urlaubszeit befindet, dann trägt er gern das „schlichtgefieder„. da außer dem postboten niemand an der tür klingeln wird, kann man die bequemen, figur-ignorierenden und leicht schlampigen klamotten wählen. es schaut ja niemand zu. niemandes interesse wäre zu wecken, die lebenspartnerInnen kennen einen auch im ganz schlichten gefieder, so ohne alles.

natürlich gehen die meinungen auseinander, wie weit man sich bei entsprechenden temperaturen ausschließlich im schlüpper durch die eigenen vier wände bewegen sollte. es könnte (auch vom postboten) schon wieder als balzgefieder verstanden werden. das kommt natürlich auf den schlüpper und den inhalt. wie hat es das sz-magazin heute so schön aufgelistet? viele stars leben in einer beziehung mit unterwäsche-models. auch wenn man selber den schlüpper für sehr schlicht hält, könnte diese bekleidung, dieses gefieder falsch verstanden werden.

in diesem punkt unterscheidet sich der mensch von der tierwelt. in der tierwelt ist „schlicht“ auch „schlicht“. beim menschen kann „schlicht“ unterschiedlich wirken. beim menschen endet die balz anscheinend nie. man muss schon genauer hinschauen, um die wirkliche paarungsbereitschaft zu erkennen. anscheinend werden dann die lippen des zweibeiners in diesem moment praller und fülliger. so sollte man doch eher auf die lippen und nicht auf das gefieder schauen 😉