Tagesarchiv: 31. Juli 2011

schreibidee (282)

der körper ist inzwischen ein eigenständiger wert, der auf dem feld der freien marktwirtschaft mit veräußert wird. die persönliche fitness, das aussehen und die kleidung erhalten einen immer höheren stellenwert, wenn man auf dem arbeitsmarkt fuss fassen möchte. wenn es vor allen dingen zu regelmäßigen kundenkontakten kommt, ist es dienstleistern wichtig, das perfekte bild abzugeben. diese entwicklung ist problematisch, da sie von den einzelnen fordert, beständig bemüht zu sein, die richtige körperpflege anzuwenden. darum eine schreibanregung zu „körperpflege-stories„.

als einstieg für dieses schreibgruppentreffen, werden alle teilnehmerInnen im vorfeld aufgefordert, ihr lieblingskörperpflegeprodukt mitzubringen. nur schreibt man für das mitgebrachte produkt einen kleinen werbetext, der anschließend mit dem produkt allen teilnehmerInnen vorgestellt wird. dabei darf man ohne hemmungen die ganz subjektiven bewertungen des produkts ausbreiten. da es sich um keine verkaufsveranstaltung handelt, muss im anschluss auch nicht über die bewertungen diskutiert werden.

nun werden zwei kurze stories zur täglichen körperpflege verfasst. zum einen die schnelle, zeitsparende variante der körperpflege und zum anderen die langwierige, ausführlich variante. es sollen beschreibungen der abläufe geschrieben werden. diese beschreibungen müssen sich nicht auf das eigene körperpflegeverhalten beziehen, sondern können der fantasie entspringen.

im anschluss wird am flippchart in der schreibgruppe gesammelt, welche formen der körperpflege zu einer ausführlichen vorgehensweise gehören. diese liste übernehmen alle schreibgruppenteilnehmerInnen und geben für sich eine kurz begründete bewertung ab, was sie von dieser form der körperpflege jeweils halten.

nun wird eine längere geschichte geschrieben, in der die persönliche körperpflege die hauptrolle spielt. sie kann vernachlässigt oder übertrieben, beiläufig oder konzentriert, selbstverständlich oder widerwillig stattfinden. sie kann in einen dialog eingebunden, einen nebenschauplatz eröffnend oder auch den höhepunkt der story darstellend sein. anschließend werden die geschichten in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine feedbackrunde statt.

zum abschluss wird von allen schreibgruppenteilnehmerInnen ein pamphlet gegen die vereinnahmung des eigenen körpers durch die gesellschaftliche ver- und bewertung verfasst. unter dem titel „mein körper gehört mir!“ darf widerstand geleistet werden. was nervt am schönheits- und pflegewahn? wobei möchte man nicht mitspielen? wie kann eine gesellschaft ohne körperliche vereinnahmung aussehen? die pamphlete werden am ende des schreibgruppentreffens vorgetragen.

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web 2.63 – schreiben wie …

zum kreativen und biografischen schreiben gehört es auch, dass man sich ohne hemmungen an anderen schreibenden, bekannten schriftstellerInnen orientiert. ideen des ausdrucks, formen der metaphern oder auch nur handlungsabläufe werden als orientierunghilfen genutzt. beim schreiben wird die welt nicht neu erfunden, sondern durch das lesen wird die eigene form des schreibens beeinflusst. und irgendwann pendelt man sich auf einem eigenen stil ein, der sich ständig weiterentwickelt.

nun kann man sich, wenn man lust dazu hat, fragen, welchen „berühmten“ schriftstellerInnen der eigene stil nahe kommt. diese frage wird nun beantwortet. eine gute bekannte hat auf ein schönes spielzeug in der digitalen welt aufmerksam gemacht. wie immer im web 2.0 ist alles ganz einfach. zuerst war wohl die englischsprachige ausgabe des kleinen programms im internet. sollte man also in der englischen sprache schreiben, dann kann man folgende seite nutzen: http://iwl.me/ („i write like„). einfach eine eigene textprobe durch copy & paste in das freie feld einfügen und dann auswerten lassen. in kurzer zeit berechnet das programm anscheinend parallelen zu bekannten schreibstilen und teilt mit, wem man in seiner „schreibe“ nahe kommt.

die frankfurter allgemeine zeitung hat dies für den deutschsprachigen raum auf ihrer homepage faz.net veröffentlicht. zu finden ist das programm unter: http://www.faz.net/f30/aktuell/WriteLike.aspx . gleiche vorgehensweise bei „ich schreibe wie …„, nur dieses mal mit deutschsprachigen texten. mit copy & paste einen eigenen text in das freie feld einfügen und abfragen, welchem stil man ähnelt.

das ergebnis kann zwei effekte haben: man fühlt sich geschmeichelt und angespornt, jetzt endlich auf den literaturmarkt zu drängen, um ähnlich hohe buchauflagen zu erreichen, wie die gefundene berühmte person. oder man fühlt sich gekränkt, da der stil der vorgeschlagenen person einem überhaupt nicht gefällt. dann wird man sich in der zukunft bemühen, gaaaanz anders zu schreiben 😉 ein hübscher spaß!