Tagesarchiv: 11. August 2011

schnickschnack (96) – PLATEFORM magazine

noch ein online-magazin, dieses mal aus frankreich, für freundInnen der fotografie und mode. teilweise tolle bilder, wunderbar schlichte ausgaben und einfach was für das auge.

ein wenig schade ist es, dass die angebotenen möglichkeiten, das magazin zu betrachten recht klein gehalten sind. man möchte gern noch viel mehr vergrössern. jedenfalls kann bei vielen bildstrecken eher von kunst, den von markt reden. also immer eine anregung für das fotografieren und das schreiben wert. einfach mal stöbern unter: issue – PLATEFORM magazine.

schreibidee (295)

graues wetter, kühl, schauer, viel wind. die bücher sind gelesen, die zu kaufenden dinge besorgt, das fernsehprogramm bietet nichts, im internet hat man auch schon genug gesurft, für freizeitsport ist das wetter zu schlecht. kurz geschrieben: die situation ist öde. sie ist eine mischung aus langeweile, überdruss und antriebslosigkeit. da wäre es mal den versuch wert, dieses gefühlt sowohl in eine geschichte zu übertragen als auch bei den leserInnen auszulösen. somit eine schreibanregung zu „öden geschichten„.

normalerweise möchten sich schreibende selber ausdrücken als auch meist die leserInnen unterhalten, binden und in spannung versetzen. darum käme man kaum auf die idee, öde geschichten zu schreiben, ist also nicht geübt darin. aber diese geschichten sind eine schöne fingerübung für das schreiben. darum notieren die schreibgruppenteilnehmerInnen als erstes auf maximal einer seite, wann sie eine geschichte öde finden. was macht für sie einen text trist und langeweilig? diese kurze beschreibung wird in der schreibgruppe vorgelesen, um für die anderen eine anregung zu sein.

dann wir ein cluster erstellt zu dem begriff „öde handlung“. was sind das für handlungen, die einen vollständig anöden? sollte teilnehmerInnen dazu nichts einfallen, können sie sich vielleicht daran erinnern, welche fernsehsendungen oder welche webseiten sie unglaublich langweilig fanden. nach dem cluster wird eine kurze öde geschichte geschrieben, die maximal drei seiten lang sein sollte. ist die geschichte fertig, wird sie dieses mal nicht vorgetragen, sondern an andere schreibgruppenteilnehmerInnen weitergereicht.

die alle schreibgruppenteilnehmerInnen schreiben dieses mal ein schriftliches feedback dazu, was die ihnen vorliegende geschichte noch öder machen könnte. sie können stellen auf denen ihnen vorliegenden zetteln markieren und dazu stichwortartig kommentare schreiben oder einen zusammenhängenden text, der die alternative aufzeigt. die zettel werden zurückgegeben und der text wird von den verfasserInnnen überarbeitet. dabei kann die story ruhig länger werden, es können wiederholungen eingebaut werden und dergleichen mehr, denn ödnis entsteht auch durch länge und zähigkeit. kenne sie die witze, die einen unglaublich langen vorlauf haben, da kommt zumindest noch ein pointe. doch lassen sie diese weg, wird es eine öde geschichte.

sollte genug zeit vorhanden sein, kann die geschichte noch einmal an andere schreibgruppenteilnehmerInnen weitergereicht werden, die abermals ein schriftliches feedback verfassen. die geschichte wird noch einmal überarbeitet und noch öder gemacht. bevor dann die abschliessende lese- und feedbackrunde durchgeführt wird, sollten alle schreibenden noch eine selbstreflexion über das schreiben öder geschichten von maximal einer seite länge schreiben. wie war es, etwas zu schreiben, das man gar nicht schreiben möchte, also all die fehler bewusst zu begehen, die man sonst beim schreiben vermeiden möchte? die selbstreflexionen werden nicht vorgelesen, aber die geschichten und es findet eine feedbackrunde statt.

schreibberatung und helfen

jemand, der seinen text oder seine abschlussarbeit nicht fertig bekommt, wirkt meist, wenn er dann in eine schreibberatung geht, recht hilfsbedürftig. doch man tut ihm keinen gefallen, wenn man versucht alle verantwortung für die situation von seiner schulter zu nehmen. auf die spitze getrieben: schreibberaterInnen schreiben für ihre klienten die nötigen texte nicht. sie sind auch nicht als pädagogen mit dem erhobenen zeigefinger unterwegs, die sagen: mach das alles mal schön selber.

es geht darum, dass es in beratungen meist gefühlte notsituationen sind, die die menschen vorbeischauen lässt. darum ist es auch nicht selten der fall, dass zeitknappheit besteht, dass die schwierigkeiten sich schon ein wenig angehäuft haben oder dass die existenz bedroht ist. natürlich löst das bei jedem menschen erst einmal den wunsch aus, schnell und mit aller kraft zu helfen. doch diese form des helfens übernimmt für einen anderen menschen so viel verantwortung, dass es schnell zu viel werden kann.

abgesehen davon, dass mit der umfassenden hilfe oft auch eine form der entmündigung des hilfesuchenden einhergehen kann, so ist das problem damit noch nicht gelöst. natürlich wird bei großen notfällen eine krisenintervention durchgeführt, auch in der schreibberatung: es wird also geschaut, wie kurzfristig eine lösung gefunden werden, die die situation ein wenig entspannt.

doch dann ist auch in der schreibung „die hilfe zur selbsthilfe“ am zug. würden nämlich schreibberaterInnen allen klientInnen alle probleme abnehmen, dann könnten schreibberaterInnen bald nicht mehr arbeiten, da sie mehrere abschlussarbeiten fertig stellen müssten und einen packen geschäftsbrief schreiben sollten. Weiterlesen