schreibpädagogik und helfen

die schreibpädagogik hat keinen helfenden, sondern eher eine lehrenden charakter. dies bedeutet, es finden anleitungen von schreibgruppen, kurse und seminare zum biografischen, kreativen, literarischen, szenischen, journalistischen oder wissenschaftlichen schreiben statt. hier wird wissen vermittelt und es werden übungen durchgeführt. aber man befindet sich weniger in der beratenden funktion als schreibpädagogInnen.

doch natürlich ergeben sich situationen, auch im pädagogischen kontext, in denen geholfen wird. es wird gerade beim schreiben und beim lernen von schreibtechniken ebenso zu schreibkrisen oder schreibblockaden bei einzelnen teilnehmerInnen kommen können, wie dies in den schreibberatungen verhandelt wird. darum kann es leicht passieren, dass teilnehmerInnen an die schreibgruppenleitung oder lehrenden herantreten und ihre problematiken schildern.

in diesen momenten sollte man gut abwägen, wie viel unterstützung man geben kann. sicherlich lassen sich in einem kurzen beratungsgespräch oder in einer sprechstunde hinweise, tipps und übungen aufzeigen, die den teilnehmerInnen mit schreibproblemen eventuell weiterhelfen können. doch man gerät als anleiterIn schnell in die ausführlichere beratungsrolle, wenn man sich nicht klar abgrenzt und auf weiterführende hilfen verweist. dies können natürlich auch hilfen sein, die man selber anbietet. doch beratungsgespräche zwischen tür und angel sind für niemanden hilfreich.

es lassen sich feste termine vereinbaren (unentgeltlich oder gegen eine gebühr). man kann auf andere unterstützende institutionen oder beraterInnen aufmerksam machen, an die sich die teilnehmerInnen selber wenden müssen. oder man gibt buchempfehlungen, die bei schreibschwierigkeiten weiterhelfen können. generell sollte man aber eine ahnung davon haben, in welcher form und aus welchen gründen schreibschwierigkeiten auftreten können. und man sollte ebenso eine ahnung davon haben, ab wann es keine schreibschwierigkeiten mehr sind, sondern tiefer gelagerte psychische probleme.

nicht immer benennen ratsuchende die hintergründe ihrer schwierigkeiten. zudem gibt es natürlich keine auskunftspflicht. aber es sollte keine scheu bei den leiterInnen und lehrerInnen bestehen, nachzufragen. nur so lassen sich sinnvolle weitervermittlungen durchführen.

besonders bedeutend finde ich diese überlegungen beim biografischen schreiben. nicht jede biografiearbeit muss in einem beratungsgespräch oder in einer therapie enden, aber die möglichkeit besteht. und sie ist größer als bei den anderen schreibformen. denn menschen nähern sich ihrer gesamten lebensgeschichte schriftlich an. dabei können dinge zutage treten, die man lange, sinnvoll und gut verdrängt hat. und dann kommt es auf die erlernten strategien der einzelnen an, welchen umgang sie mit diesen erinnerungen finden können. hier sollten leiterInnen und lehrerInnen ein besonderes gespür für die möglichen probleme haben, denn nur dann kann biografisches schreiben in einem sicheren und sinnvollen modus stattfinden.

es sei noch einmal betont, der großteil schreibpädagogischer veranstaltungen verläuft reibungslos, doch es kann eben auch zu anderen situationen kommen. und in diesen momenten sind auch schreibpädagogInnen gefordert, helfen zu können.

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