schreibberatung und politik

ein etwas seltsamer titel, wird sich manche(r) fragen, was hat denn schreibberatung mit politik zu tun? erstaunlicherweise eine ganze menge. letztendlich landet man beim thema schreiben und schreibberatung bei vielen menschen in der schulzeit. die schulzeit hat das schreiben vergällt und einem vermittelt, dass man nicht schreiben kann. in den schulaufsätzen durfte nicht zu viel fantasie an den tag gelegt werden, keine eigene sprache entwickelt werden.

erst vor kurzem habe ich eine geschichte gehört, dass die ausufernde fantasie eines kleinen jungen durch schlechte noten ausgebremst wurde. gut, es ist sicherlich notwendig, aufgabenstellungen zu befolgen. doch es handelte sich in diesem fall um eine grundschule und es handelte sich um eine aufgabenstellung, die dazu aufforderte fantasievoll zu sein. erst im nachhinein musste man erfahren, dass es „zu viel“ fantasie gibt.

auch im späteren bildungsverlauf lassen sich demotivierende erfahrungen mit dem schreiben machen. hochschulen verlangen zum beispiel, dass wissenschaftliches schreiben umgesetzt wird. doch die wenigsten hochschulen bieten kurse oder seminare an, die dieses schreiben vermitteln. dabei werden die studiengänge weiter verschult und die vorgaben in vielen anderen zusammenhängen immer strikter. so wäre es eine überlegung, zumindest den anforderungen entsprechend, unterstützung zu geben.

und in diesem moment landet man in der bildungspolitik. diese politik ist schon seit jahrzehnten ein schauplatz grundsätzlicher auseinandersetzungen. und es leiden vor allen dingen die lernenden darunter. das ist nicht neu, trifft aber vor allen dingen das schreiben. schreiben ist eigentlich eine grundqualifikation, die viele türen öffnet, spaß machen kann und dabei hilft, die welt für sich zu erschließen. warum kaum ein interesse daran besteht, dies vielen menschen zu ermöglichen (und hier ist ermöglichung gekoppelt an finanzen, wiederum gekoppelt an politik), darüber kann man nur spekulieren.

schreibberatung gerät aber in das fahrwasser einer teilweise gruseligen bildungspolitik, wenn sie mit den folgen konfrontiert wird. natürlich kann schreibberatung versuchen, die vorher gemachten erfahrungen zu relativieren und eine andere form des schreibens zu vermitteln. aber insgesamt ist diese form des gegenlernens keine ganz einfache gelegenheit. würden andere grundlagen gelegt, wären viele anstrengungen überhaupt nicht notwendig. langfristig ist also auch politisches handeln von der schreibberatung gefragt, wenn man sich nicht ausschließlich als reperaturbetrieb für gesellschaftliche mängelverwaltung versteht.

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