biografisches schreiben und politik (2)

viele menschen würden von sich sagen, dass sie politisch nicht aktiv seien, dass sie keinen sinn darin sehen, man könne ja sowieso nichts verändern und dass sie gar keine zeit dafür hätten. sie verkennen in diesem moment, dass sie genau mit dieser haltung, politisch aktiv sind, in einem passiven sinne. sie lassen geschehen. interessant in diesem zusammenhang ist es, wie mensch zu der entscheidung kommt, die teilhabe an der gesellschaft aufzugeben.

der blick in die eigene biografie oder lebensgeschichte, offenbart vielleicht eine begründung für den gedanken, keinen einfluss auf sein eigenes umfeld zu haben. die vorstellung sich gesellschaftlichen prozessen entziehen zu können, die trügt schon an jeder roten ampel. denn die gesellschaften haben absprachen getroffen, welche regeln sie im straßenverkehr einsetzen. also, bleibt die frage, warum man glaubt, gesellschaft laufe an einem vorbei. es sei anstrengender sich zu engagieren und zu äußern, denn zu schweigen.

doch psychologisch betrachtet, ist das aushalten von ohnmacht und sind die steten verdrängungen zum einen zwar schutz, zum anderen aber auch eine enorme anstrengung. es gibt sicherlich auch die kehrseite: nichts lässt einen unberührt und man weiß überhaupt nicht mehr, wo man sich noch alles engagieren soll. auch hier dreht sich wieder vieles um die persönliche ein- und abschätzung, die ihre wurzeln in der eigenen lebensgeschichte haben. das biografische schreiben eröffnet die möglichkeit, dem ein wenig auf die spur zu kommen, wenn man möchte.

welchen entwicklungen und bedingungen im gesellschaftlichen zusammenleben gibt man vorrang und welche spielen für einen nur eine nebensächliche rolle? und warum gibt man manchen ereignissen den vorrang? bei diesen fragen landet man schnell bei den eigenen ethik- und moralvorstellungen und bei der frage, von wem sie vermittelt wurden, woraus sie sich ergaben. es kann ein glaube sein, es können die menschenrechte sein oder es können ganz persönliche erlebnisse sein, die einen haltungen einnehmen lassen.

zumindest ist man in diesem moment politisch, tritt passiv oder aktiv in auseinandersetzung mit den gesellschaften. und man kann sich äußern, so weit die haltungen nicht sanktioniert sind und dem mehrheitlichen moralkodex nicht widersprechen. bei der analyse mit hilfe des biografischen schreibens taucht eine weitere frage normalerweise auf: wie weit wird man unbewusst beeinflusst? die macht der medien und kommunikationsmittel wird oft unterschätzt, ebenso die auswirkungen der wissenschaft, denn beständig werden menschenbilder vermittelt. wie der mensch so ist, warum er so handelt und was eine sinnvolle reaktion auf ungerechtigkeiten sein könnte.

vielleicht kann das biografische schreiben dabei unterstützen, ein verstärktes politisches „selbst“-bewusstsein zu entwickeln. der rest ist dann diskurs und auseinandersetzung mit der gesellschaft, dem persönlichen umfeld, um die eigene teilhabe an gesellschaften zu erleben. das kann man als sinnvoll erachten.

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