schreibpädagogik und politik

ein heikles gebiet für schreibgruppen. man sollte sich gut überlegen, ob man eine schreibidee oder eine schreibanregung mit politischer themenstellung in schreibgruppen durchführt. denn mit der politik verhält es sich ähnlich wie mit dem geschmack, nur ein teil basiert auf logischen überlegungen. oft finden sich viele emotionen in politischen kontexten. eine kritik daran oder eine gegenposition führen bei manchen menschen dazu, dass sie sich in ihrer person so stark angegriffen fühlen, dass sie nur schwer vom diskurs abstrahieren können.

dies bedeutet, dass bei schreibanregungen zu politischen inhalten, ein paar regeln zu beachten sind:
vor der schreibanregung sollten die vorgehensweisen klar sein und in regeln gefasst werden. also zum beispiel, dass alle vorgetragenen texte nicht diskutiert werden. oder dass der politische diskurs zu den geschichten oder texten wiederum nach klaren regeln stattfindet. es gibt ja etliche vorstellungen, wie diskussionen durchgeführt werden können. angefangen bei der vorgegebenen redezeit bis zu der grundregel, andere ausreden zu lassen.
während der schreibanregung und beim vorlesen der texte sollte vermieden werden, andere persönlich anzugreifen. und zudem kann man darauf achten, ob die geäußerten gedanken menschenverachtend sind. denn das kreative schreiben ist erst einmal ein tabuloses vorgehen und doch gibt es gesellschaftliche grundregeln, die nicht hinter der kreativität versteckt werden sollten.
auch das feedback sollte klar strukturiert sein. die trennung zwischen der kritik am stil und der umsetzung und der kritik an der politischen position muss eindeutig sein.

für die einhaltung dieser grundlagen ist die schreibgruppenleitung zuständig. es ist schon im eigenen interesse, eine gewisse struktur vorzugeben, da einem politische diskurse schnell gruppendynamisch über den kopf wachsen können. es ist etwas anderes mit einzelnen menschen angeregte politische diskussionen zu führen, als beim kreativen oder biografischen schreiben erst einmal haltungen im raum stehen zu lassen.

auf der anderen seite können schreibgruppentreffen mit politischem inhalt sehr anregend für alle teilnehmerInnen sein. man erhält eventuell viele anregungen, eine ahnung von anderen lebenshaltungen und setzt sich mit anderen menschen intensiv auseinander. es ist ja nicht so, dass sich immer alle teilnehmerInnen widersprechen. vielleicht kann man einen gemeinsamen nenner finden, vielleicht kann man sich auch „nur“ in bezug auf die haltungen gegenseitig achten. ach so, und vielleicht kann man bei manchen schreibgruppenteilnehmerInnen überhaupt ein politisches interesse wecken (zum beispiel bei jugendlichen und jungen erwachsenen), so es bis dahin nicht vorhanden sein sollte.

und es gibt noch eine weitere möglichkeit: man kann schreibgruppen zu bestimmten politischen haltungen anbieten. auch in der politik geht es um texte, um lebhafte formulierungen, um eine schriftliche annäherung an die eigene haltung oder um ideen, metaphern und assoziationen. wieso also nicht eine schreibgruppe für redenschreiberInnen oder für pressesprecherInnen anbieten? schreibpädagogik und politik stehen also nicht im widerspruch zueinander, sondern lassen sich gut miteinander verbinden. und ist intensives schreiben nicht allein für sich schon politisch?

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