web 2.0 und fühlen

das internet macht es schwer, etwas zu fühlen. nicht ohne grund mussten emoticons eingeführt werden, um überhaupt eine form des emotionalen ausdrucks zu finden. natürlich kann man seine emotionen auch schriftlich ausdrücken, doch diese form der kommunikation würde in vielen zusammenhängen der geschwindigkeit des internets widersprechen. selten lassen sich gefühle in drei worten so darstellen, dass die empfänger der botschaft sich in den zustand ihres gegenübers einfühlen können.

da war es nur eine logische konsequenz, dass das telefonieren oder auch kommunizieren mit gespräch und bild in die sozialen netzwerke des internets eingebunden werden. so bietet facebook seit kurzem diese möglichkeiten an. chat, mail oder twitter, sms und bloggen, all diese formen der schriftlichen kommunikation ermöglichen nur ein eingeschränktes fühlen und spüren, akustische signale ermöglichen schon mehr. der tonfall des gesagten erleichtert formen der empathie. noch einfacher wird das mitfühlen, wenn es gleichzeitig in beinahe-echtzeit aufnahmen von den gesprächspartnerInnen gibt. hier kommt zusätzlich die mimik ins spiel.

doch bis jetzt konzentriert sich im web 2.0 vieles auf den schriftlichen austausch. und hier liegen auch zeitweise die schwierigkeiten. denn es genügt nicht, eine eigene sprache und emoticons zu verwenden, um gegenseitiges verstehen abseits der worte zu ermöglichen. hier wird fühlen sehr schwierig und dies verführt zu deutungen, die immer wieder zu missverständnisse führen. der „tonfall“ des geschriebenen ist schnell falsch zu verstehen.

auch hier gleichen die empfängerInnen das gelesene mit bisher erfahrenem ab. und da es keine so klaren signale gibt wie bei der face-to-face-kommunikation, manch eine(r) schwierigkeiten hat, sich schriftlich klar auszudrücken, darum werden dem deuten tür und tor geöffnet. das kann zwei konsequenzen haben: zum einen vertraut man extrem seinen deutungen und laviert sich immer wieder durch die daraus folgenden konflikte, in denen sich jemand falsch verstanden fühlt. oder man hält sich im internet sehr mit emotionalen reaktionen zurück, versucht große vorsicht walten zu lassen. manche netzbesucherInnen reduzieren darum ihre kommunikation auf ein minimum.

man kann sich immer wieder dabei beobachten, ab welchem moment man anfängt, die mitteilungen der anderen zu deuten. hier wäre die gleiche konsequenz zu ziehen, wie in einem beratungsgespräch: nachfragen. also schriftlich kommunizieren, ob man das eben gelesene richtig verstanden hat und seine eigenen deutungen als möglichkeit anbieten. dies eröffnet dem virtuellen gegenüber „ja“ oder „nein“ zu schreiben und vielleicht eine weitere erklärung hinzu zu fügen.

diese form der kommunikation wird dann zwar wieder zeitaufwendiger und hebt einen teil der gewünschten effekte des web 2.0 auf, aber es verhindert gleichzeitig missverständnisse und konflikte. außerdem kommen in missverständlichen momenten die emoticons voll zum zuge, da sie die bedeutung einer geschriebenen aussage ein wenig abschwächen können, indem zum beispiel ein smiley hinzugefügt wird, das dem kommunizierten die schwere nimmt. web 2.0 und fühlen oder spüren scheinen eine recht aufwendige und teilweise komplizierte sache zu sein. der vorteil: die kontaktaufnahme kann neben anderen tätigkeiten stattfinden, wenn man sie auf kurze und nicht zu emotionale äußerungen reduziert.

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