biografisches schreiben und eifersucht

es gibt sie immer noch, die eifersuchtsdramen, die nicht gut enden. dabei haben studentInnenbewegung und sexuelle revolution versucht klar zu machen, dass das konstrukt der monogamen zweierbeziehung ein gesellschaftliches ist und wir mit allem viel lockerer umgehen sollten. doch irgendwo ist da der haken und es funktioniert oft nicht so richtig.

da gibt es diejenigen, die im hinterkopf die mahnung haben, dass eifersucht „besitzdenken“ ist und ein anderer mensch nicht besessen werden kann. also stimmen sie ihren partnerInnen zu, dass man eine offene beziehung lebt. und eine(r) von beiden leidet dabei meist wie ein hund. nur um die partnerInnen zu halten entschließt man sich zur offenheit, die nicht lebbar scheint. und da gibt es die, die von anfang nur nach der oder dem einen suchen, prinz und prinzessin, die für den rest des lebens alle bedürfnisse erfüllen. sie stürzen sich in eine fesselnde monogamie, die ihnen im laufe der zeit die luft abschnürt. aber sie würden immer nach außen vertreten, dass es keine andere zusammenlebensform geben kann. selber gehen sie inzwischen fremd, sind aber auf jede(n) eifersüchtig, die sich ihren partnerInnen nähern.

nein, natürlich gibt es noch ganz viele andere spielarten des zusammenlebens. und doch scheinen allzu große ideale jeweils zu verletzen. es geht immer wieder um vertrauen, um absprachen, um verletztes vertrauen und vor allen dingen um verlustangst. hier bietet das biografische schreiben die möglichkeit, schreibend genauer hinzuschauen. in welchen momenten war man unfair? in welchen momentan waren andere zu einem unfair? aus der distanz haben sich die dramen und inszenierungen meist ein wenig beruhigt und es fällt einem leichter, den eigenen anteil an den schwierigkeiten zu erkennen.

denn in einer eifersüchtigen situation selber, da regieren emotionen, die schwer über rationale argumentationen zu erreichen sind. hier herrscht die angst vor eine situationen oder einen menschen an andere zu verlieren. diese vorstellung ist unerträglich, sie löst den gedanken aus, „ohne“ ist das leben unvorstellbar. was für ein irrtum, stellt man meist wochen später fest. und so kann man die situation von einer anderen seite betrachten. das biografische schreiben bietet schreibwerkzeug für selbstreflexionen. und da eifersucht für viele eines der unangenehmsten gefühle ist, kann man erlebtes vielleicht besser aufschlüsseln und zur ruhe finden.

schauen sie doch einmal, wie weit ihre eifersucht in bestimmten situationen ging. und fragen sie sich, welche angst im hintergrund regierte. was war so unvorstellbar zu verlieren. und wie weit förderte die unsicherheit eines verlustes ihr partner, ihre partnerin. und relativieren sie beim schreiben die urteile über sich selbst und die urteile über ihr gegenüber. wenn sie möchten, dann können sie schriftlich noch einmal in die gefühle einsteigen. aber dies ist nicht immer zu empfehlen, denn man muss sich auch nicht wiederholt verletzen. manchmal genügt es, zu erkennen, dass die kommunikation über die jeweiligen bedürfnisse unmöglich war, unmöglich wurde.

und wenn nicht mehr kommuniziert wird, dann regiert ohnmacht. dieses gefühl möchte mensch immer beenden, da es ihn handlungsunfähig macht. und dies ist auch der ort, an dem dramen entstehen können, da man nicht weiß, wie man der lage herr werden kann. und wer glaubt, er oder sie könne nie in diese situation geraten, sei gewarnt, das kann jedem menschen bis ins hohe alter widerfahren 😉

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s