wissenschaftliches schreiben und eifersucht

das wort „eifersucht“ ist vielleicht nicht ganz zutreffend, man kann es auch neid oder konkurrenzverhalten nennen. denn in den wissenschaften herrscht inzwischen eine hauen und stechen um positionen und vor allen dingen finanzierungen. dies folgt der vorstellung, dass konkurrenz das geschäft belebe.

wie hier im blog vor kurzem beschrieben, ist dies in bezug auf grundlagenforschung und gesellschaftliche notwendigkeiten ein trugschluss. als beweis kann man zum beispiel die gefälschten forschungsergebnisse, die gehäuft veröffentlicht oder zumindest lanciert werden, sehen. da es kaum mehr grundsicherungen für wissenschaftlerInnen gibt, lebt nun auch die forschung von der sensation. dies bringt aber menschen dazu, sensationen zu schaffen, die gar nicht existent sind.

daneben werden weiterhin berufungen und stellenbesetzungen an die zahl der veröffentlichungen geknüpft. dies hat den effekt, dass forschende teilweise auf teufel komm raus versuchen, aus teilergebnissen eine veröffentlichung zu erstellen. zudem werden dadurch die hierarchien in den hochschulen gestärkt, da vorgesetzte darauf bestehen, in der veröffentlichung genannt zu werden, obwohl die eigentliche forschungsarbeit von ihren mitarbeiterInnen geleistet wurde.

und als weiterer aspekt kommt noch der zeitdruck hinzu. die forschungsergebnisse sollten vor den anderen, den konkurrentInnen, veröffentlicht werden, um seine spitzenposition zu erhalten. doch damit unterbindet man teamwork und kollaboratives forschen. oft wird mit heisser nadel gestrickt und nicht selten sind die forschungsergebnisse nicht wiederholbar.

dies hat auch auswirkungen auf das wissenschaftliche schreiben. auf den eigentlichen schreibprozess wird immer weniger zeit verwendet. forschungsergebnisse sind für die normalsterblichen kaum mehr zu verstehen. das liegt nicht ausschließlich an der komplexität der forschungen. inzwischen bereitet die ergebnisse der wissenschaftsjournalismus auf. dagegen spricht nichts, wenn nicht nur ein redaktionell betreutes ergebnis zu erwarten wäre. dieses orientiert sich aber nicht unbedingt an der aufgabe des überblicks, sondern auch an dem, was sich gut verkauft.

da werden ergebnisse gepusht und andere vernachlässigt. dementsprechend fällt auch die sprache für wissenschaftsartikel aus. daher verwundert es nicht, dass ein hohes potential an eifersucht, neid und missgunst im wissenschaftlichen kontext unterwegs ist. bücher müssen teilweise selbst finanziert werden, wenn keine sensationellen zu vermarktenden ergebnisse vorliegen. das alles lässt das wissenschaftliche schreiben immer stärker in den hintergrund treten. dabei lesen sich viele forschungsbereiche spannend wie ein krimi, wenn sie verständlich aufbereitet sind. schade darum.

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