kreatives schreiben und auto

als beifahrer auto fahren ist beinahe wie fernsehen. landschaft zieht an einem vorüber, gebäude und menschen im stummfilm des 360-grad-kinos. eindrücke bleiben haften, gesehenes wird verarbeitet, bewertet und vielleicht als anmerkung oder kommentar für die fahrerInnen ausgespuckt. ebenso kann man es notieren: ein reisetagebuch einer autofahrt. das auto kann aus der position des beifahrers ein ideenlieferant für geschichten sein.

bei den fahrerInnen sieht dies schon ganz anders aus. vorrangig muss sich um den verkehr gekümmert werden, muss reagiert werden. der blick kann nur beschränkt schweifen und die eindrücke können auch nicht notiert, maximal diktiert werden. doch da viele handlungsprozesse beim fahren halbautomatisch oder automatisch ablaufen, kann nachgedacht und sinniert werden. was tun, wenn eine idee im kopf heranreift? eventuell an den straßenrand fahren und notieren, sonst könnte sie verloren sein, bis der nächste halt stattfindet.

doch das auto kann beim kreativen schreiben auch teil der geschichte sein. in autos und mit autos passiert viel. ob es die verfolgungsjagd im krimi ist oder der erste kuss beim verabschieden vor der haustür, das auto mutierte für viele menschen beinahe zum zweiten wohnzimmer. je mobiler der mensch sein musste, um so mehr zeit verbrachte er im auto, bis zum drive-in, dessen nutzung das auto zum restaurant macht. so wie es „roadmovies“ gibt, so kann es auch „roadstories“ geben. doch komischerweise gibt es davon weniger als von zugfahrten.

das hat vielleicht damit zu tun, dass geschichten eher im zug oder nahverkehr geschrieben werden, denn im auto. also sollte man sich mal an die autobahn setzen und die vorbeiziehende karawane beobachten. man picke sich ein auto heraus, betrachte kurz die insassen und überlege sich eine geschichte, woher sie kommen, warum sie gerade auto fahren und wohin sie wollen. dann lassen sich plötzlich beziehungsdiskurse, familientragödien oder geschäftsverhandlungen in den innenraum des autos verlegen, wo sie ja auch oft stattfinden.

man kann noch einen schritt weitergehen, und dem auto leben einhauchen. das auto nimmt seine insassen wahr, das auto registriert am fahrstil die stimmung der fahrerInnen und das auto kommuniziert mit anderen autos oder mit den insassen. auch dies im film gern aufgegriffen findet in der literatur kaum platz. ein interessanter widerspruch, wenn man betrachtet, wie groß die bedeutung des autos für manche menschen ist und wie wenig darüber geschrieben wird. wahrscheinlich fahren die, die darüber schreiben könnten, die ganze zeit auto 😉 es soll menschen geben, die in ihrer freizeit autobahnraststätten aufsuchen, um tramperInnen (auch eine geschichtsgrundlage) irgendwohin zu fahren, da sie so gern auto fahren.

oder, der klassiker im film, vor allen dingen im krimi, menschen fahren wirr durch die gegend, um nach einem einschneidenden erlebnis nachzudenken. früher ging man spazieren, heute fährt man auto. das auto ist eigentlich für das kreative schreiben ein gefundenes fressen, vor allen dingen auch, da die menschen sich während der fahrt nicht aus dem weg gehen können. das auto als brennpunkt ist nur zu empfehlen (und manchmal werden auf den strassen mehr kriege ausgetragen als auf der ganzen welt) 😉 .

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