Tagesarchiv: 16. September 2011

„geo kompakt“ zu intelligenz, begabung, kreativität – ein lesetipp

neurophysiologie und neuropsychologie sind zur zeit hip. die wissenschaft stürzt sich auf die entschlüsselung des gehirns, um verhaltens- und lernmuster der menschen besser erklären zu können. man kann vortrefflich darüber streiten, wie weit sich die komplexität des menschlichen gehirns überhaupt entfalten lässt, vor allen dingen wenn man sich auf seinen magnetresonanztomographen verlässt. der mensch ist zum glück nicht so logisch, wie man ihn gern hätte.

da stellt sich die frage, was denn nun intelligenz, begabung und kreativität sind und wie sie entstehen. es gibt viele erklärungsversuche. die schwierigkeit besteht darin, dass die drei begriffe mit wertigkeiten besetzt sind, die einen hohen gesellschaftspolitischen gehalt haben. wer möchte schon nicht-intelligent, nicht-begabt und nicht-kreativ sein? doch die mainstream-wissenschaft möchte diesen diskurs nicht führen, da sie erklärt, sie wäre in diesem kontext erst einmal wertfrei.

ob dies wirklich so ist, kann man im neuen „geo kompakt“ (nr. 28) überprüfen. verständlich aufbereitet werden die erkenntnisse zu intelligenz, begabung und kreativität dargestellt und geben einen ganz guten überblick. und doch wird der eigentliche gesellschaftspolitische diskurs nur am rande gestreift. es bleibt im raum stehen, dass kognitive fähigkeiten vor allen dingen von erbgut und erziehung geprägt werden. kann mensch später wirklich keine weiteren begabungen entwickeln? und sind vor allen dingen die eltern für begabungsförderung ihrer kinder im sozialen gefüge von gesellschaften verantwortlich?

doch die zeitschrift kann auf alle fälle zu den notwendigen diskussionen anregen. mehr informationen finden sich hier: http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geokompakt/69640.html .

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michael taussig: feldforschungsnotizbücher – ein lesetipp

kreative menschen produzieren ideen, die sie in werke, taten oder theorien umsetzen. sie können sich in stimmungen versetzen, in denen ideen entstehen, aber vollständig lässt sich dieser prozess nicht steuern. zwischendurch erleben kreative menschen momente, in denen ihnen ideen ganz unerwartet in den sinn kommen.

das problem mit ideen besteht darin, dass sie manchmal so schnell wieder weg sind, wie sie gekommen sind. darum gewöhnen sich kreative menschen meist an, zettel oder notizbücher mit sich herumzutragen, um die ideen zu notieren. doch die notizen unterscheiden sich teilweise von den eigentlichen ideen. notizbücher transportieren laut michael taussig in seinen betrachtungen zu „feldforschungsnotizbüchern“ stimmungen, selbstdarstellungen und vorsortierte gedanken. er versucht in seinen niedergeschriebenen gedanken, das tagebuch von den notizbüchern zu unterscheiden und die bedeutung der notizbücher für kreative oder forschende auszuloten. eine interessante lektüre, da sich ein ganz eigener kosmos der entwicklung von ideen eröffnet.

die gedanken sind in den vorbereitungsheften zur documenta 13 veröffentlicht worden. ein schlanker text (in deutsch und englisch), den es lohnt zu lesen. leider ist der preis für das 24-seitige heft einfach übertrieben (so wie die preise für alle anderen auch sehr interessanten hefte (mit horrenden versandkosten) sich auf dem niveau von dickeren taschenbüchern bewegen. das ist schade.

denn spannend ist das dargebotene allemal und gibt einen einblick in die möglichkeiten der kunst, der wissenschaft, der kreativität. mehr infos finden sich hier: http://www.hatjecantz.de/documenta13/de/notebooks/index.html?book=2850 .