„reality hunger“ von david shields – ein buchtipp

wie dieses buch beschreiben? für mich war es eines dieser bücher, das man zufällig beim buchhändler entdeckt, das man anfängt zu lesen und das man nicht mehr weglegen kann. denn es regt zum denken an. man unterbricht sein lesen immer wieder, um sich eigene gedanken zum gelesenen zu machen. und dabei geht es um solch unspektakuläre themen, wie biografisches schreiben, fiktionale und nicht-fiktionale literatur, um das abbilden von wirklichkeit, um den subjektiven anteil der autorInnen beim schreiben und um das kopieren in der kunst.

das buch setzt sich beinahe ausschließlich aus zitaten zusammen, die der autor „remixed“ hat. und wie er es in seinem werk beschrieben hat, ergibt sich ein ganz neues mosaik, das eine eigene aussage transportiert. das buch ist ein provokation. david shields nennt es selber „reality hunger – ein manifest„. ein manifest für eine neue schreibe in der heutigen zeit, in der seiner ansicht nach, fiktionale romane eigentlich nicht mehr geschrieben und gelesen werden können oder wie ein zitat bescheinigt „plots sind was für tote„.

die zukunft liegt im neu kombinieren, im mixen, im plagiieren und kopieren, so wie es die musik, aber nicht nur sie, sondern eigentlich jede kunstrichtung, schon immer vorgemacht haben. die neue mediale welt erleichtert diesen prozess zusehends und ermöglicht es immer mehr menschen, ihre eigenen wahrheiten und darstellungen zu veröffentlichen. das wirbelt die kunstwelt durcheinander. die verteidigungskämpfe der alten medialen gepflogenheiten versuchen das abgrenzende kunstverständnis aufrecht zu erhalten. doch die welt ist schon längst weiter.

so wird sich nach shields auch die literatur verändern. wir dürsten nach wahrheiten und wirklichkeiten, die keine sind. können sie auch nicht sein, wenn man dem zitat eines zitates glaubt: „man verfälscht die wahrheit, wenn man schreibt. man kann nicht so tun, als würde man versuchen, zur wörtlichen wahrheit zu gelangen. und wenn man sich diesen mangel eingesteht, besteht der einzige trost darin, dass man zur dichterischen wahrheit zu gelangen sucht, die sich allein durch erfindung, imagination und stilisierung erreichen lässt. ich strebe nach authentizität; an ihr ist nichts wirklich.

und so wollte shields die verwendeten zitate in seinem mosaik nicht kennzeichnen, aber der verlag bestand aus rechtlichen gründen darauf. denn der autor hat etwas neues geschaffen, etwas, dass das schreiben neu definieren könnte. spannend und lesenswert. „wenn wir unsicher sind, sind wir am leben„.
das buch ist 2011 bei c.h.beck in münchen erschienen. ISBN 978-3-406-61361-6

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