Tagesarchiv: 24. September 2011

schreibidee (310)

wer einmal angefangen hat, regelmäßig zu schreiben, der oder die notiert sich zwischendurch ideen, aufgeschnapptes, relevantes oder gelesenes. da sammelt sich im laufe der zeit so manches auf zetteln, in karteikästen und notizbüchern an. manches wird verarbeitet, aufgegriffen und in texte gebracht. aber anderes bleibt liegen, bildet kompost und wartet auf die spätere verwendung. in dieser schreibanregung ist die zeit dafür gekommen. es ist eine schreibanregung zur verwertung von „notizbuchresten„.

die schreibgruppenteilnehmerInnen werden eingeladen, zum nächsten schreibgruppentreffen ihre notizbücher, zettelsammlungen und karteikästen mitzubringen. diese schreibanregung ist also nur mit schreibenden möglich, die schon länger schreiben und sich angewöhnt haben, ideen zu sammeln, zu notieren. zu beginn des schreibgruppentreffens wählen alle teilnehmerInnen aus ihren sammlungen fünf ideen, notizen oder bemerkungen aus, die sie noch nicht bearbeitet haben und die ihnen gerade auffallen.

aus den fünf notizen ist nun eine geschichte zu schreiben. wie die teilnehmerInnen dies miteinander verbinden wird nicht vorgegeben, das bleibt ihnen überlassen. die geschichte sollte eine länge von drei seiten nicht überschreiten. im vorfeld können gern verschiedene assoziationstechniken oder fokussierte freewritings angewendet werden. die geschichten werden in der gruppe vorgelesen und es findet eine feedback runde statt.

im zweiten schritt werden abermals fünf notizen ausgewählt. im vorfeld wird von der schreibgruppenleitung mitgeteilt, dass die notizen weitergegeben werden sollen (stichwortartig), damit niemand eine idee weitergibt, die noch eingesetzt werden soll. nun werden die notizen in der schreibgruppe getauscht und alle schreiben abermals von den fremden notizen eine geschichte von maximal drei seiten länge. auch diese geschichten werden vorgetragen und wieder gibt es eine feedbackrunde.

zum abschluss wählen alle noch einmal fünf notizen aus. diese werden nicht weitergegeben, sondern den vorher verwendeten eigenen notizen hinzugefügt, damit eine sammlung von 10 notizen entsteht. auch aus diesen ideen oder anmerkungen soll eine eigenständige geschichte entstehen. dabei sollte genug zeit zur verfügung stehen, um eine längere geschichte verfassen zu können. die geschichten werden im anschluss in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine ausführliche feedbackrunde statt.

vielleicht entstehen bei dieser schreibanregung weitere neue ideen, die gleich in die notizbücher aufgenommen werden können. vielleicht kann man sich auch von manchen ideen oder notizen verabschieden, da man sie nun bearbeitet hat. man kann sich aber sicher sein, dass der pool oder die sammlungen unerschöpflich bleiben werden.

schreibidee (309)

sie ist noch nicht beendet, die suche nach plagiaten im wissenschaftlichen bereich. darin unterscheidet sich das wissenschaftliche schreiben, das erlangen eigener erkenntnisse, vom kreativen schreiben, dem neu-kombinieren von ideen. die literatur hat sich schon immer existierender vorlagen bedient, sie verändert, umgeschrieben und neu geschaffen. und in anlehnung an das buch von david shields (https://schreibschrift.wordpress.com/2011/09/22/reality-hunger-von-david-shields-ein-buchtipp/) soll dies in der vorliegenden schreibanregung auf die spitze getrieben werden, es sollen „zitat-stories (remixed)“ verfasst werden.

diese form der schreibanregung muss ausführlich vorbereitet werden, da spontanes zitieren meist nicht sonderlich gut funktioniert. für die erste übung muss die schreibgruppenleitung ausführlich vorbereiten. es ist ein bunter mix aus den verschiedensten zitaten zu erstellen (das dürfen ruhig etliche din-a4-seiten sein). alle schreibgruppenteilnehmerInnen bekommen den katalog an zitaten in die hand. sie werden aufgefordert einen teil der zitate zu kombinieren, um so einen gedankengang, der ihnen beim durchlesen der texte, entstehen zu lassen. die kombination wird nicht vorgelesen.

im anschluss bringen die teilnehmerInnen ihren gedankengang beim „remixen“ der zitate noch einmal gesondert zu papier. auf maximal zwei seiten formulieren sie, was sie mit ihrer kombination ausdrücken wollen, was sie dabei gedacht haben. auch dieser text wird nicht vorgelesen. nun nehmen sie sich ihren mix abermals vor und formulieren eigene gedanken dazwischen. diese können die zitate miteinander verknüpfen (die zitate werden nicht als solche markiert), sie können sie kommentieren oder ganz selbständig daneben stehen. der (re)mix an zitaten wird dann in der schreibgruppe vorgetragen und es findet eine kurze feedbackgruppe statt, wie der text auf die anderen gewirkt hat.

der zweite teil des schreibgruppentreffens muss von den teilnehmerInnen vorbereitet werden (dies kann ein wenig aufwendig sein und sollte früh genug angekündigt werden. die teilnehmerInnen wählen für sich im vorfeld zitate aus, die ihnen gefallen. diese können aus büchern, zitatsammlungen, zeitschriften und zeitungen oder werbebroschüren sein. sie bringen diese zitate möglichst ausgedruckt mit oder senden sie vorher an die schreibgruppenleitung, damit diese sie vorher ausdrucken können.

nun werden alle zitat-sammlungen auf einem großen tisch, um den herum alle sitzen können, ausgelegt. alle können aus allem auswählen. sie können ihrem remix hinzufügen, was sie wollen. sie erstellen daraus einen ganz neuen text, eine kombination von textabschnitten, die eine eigene bedeutung ergeben, einen eigenständigen ausdruck. es darf so viel an eigenen gedanken hinzugefügt werden, wie man gerade lustig ist. anschließend werden die neuen texte vorgetragen und es findet zum abschluss eine feedbackrunde statt. in der feedbackrunde geben alle teilnehmerInnen wieder, zu welchen gedanken sie der text angeregt hat. dies kann sich stark von den intentionen der autorInnen unterscheiden.