web 2.0 und qual

eigentlich sollen ja das internet und im besonderen das web 2.0 die nutzung der digitalen kommunikation erleichtern und beschleunigen. in vielen bereichen ist dies auch geschehen und es bieten sich möglichkeiten, die vor ein paar jahren nicht vorstellbar gewesen wären. aber einem punkt hakt die ganze kiste: an der usability.

die vernetzung und verknüpfung der produzierten daten und der veröffentlichungen, gestaltet sich alles andere als einheitlich. wer sich wirklich aktiv durch das internet bewegt, der hat in kurzer zeit mindestens ein dutzend passwörter, hunderte von festgelegten und individualisierten einstellungen, dutzende zugänge und genug inkompatible situationen.

wie bei der hardware ergibt sich bei der software eine konkurrenzsituation, die ausschließlichkeiten produzieren will. man möge nur den einen anbieter nehmen und keine anderen daneben. einzig manche dateiformate und software-produkte sind auf allen betriebssystemen ohne größere probleme nutzbar. und wer glaubte, dass das cloud-computing oder die nutzung von internetplattformen durch alle, diesen konflikt auflösen würden, sieht sich getäuscht. die deutsche finanzbehörde schafft es bis heute nicht, für mac-user einen identischen zugang zur datenübertragung zu schaffen, wie für windows-user.

das geht noch weiter: google lässt sich nicht mit facebook vernüpfen, wordpress nicht vollständig mit google und facebook, nur ein teil der funktionen können genutzt werden, und alles in allem sammelt jeder anbieter seinen eigenen datenpool. durch diese aufsplittung kann weder auf einen einzigen datenpool zugegriffen werden, noch können die pools klar beschränkt und der datenschutz verwirklicht werden.

das lässt manche versuche, die möglichkeiten des web 2.0 auszuschöpfen, wenn man sich weitestgehend schützen will, zur qual werden. der traum, mit einem klick, alles notwendig auf- oder abrufen zu können, wird sich nie verwirklichen. das web 2.0 kann schnell zu einem ausgewachsenen zeitfresser mutieren, der einen zwingt, immer tiefer in die programmierungen einzusteigen. die benutzer werden dadurch gezwungen, wenn sie an den netzbedingungen teilhaben wollen, sich beständig neues wissen anzueignen. das ist keine nutzerInnenfreundlichkeit.

nun hat man zwei möglichkeiten: man nimmt nicht an den aktuellen digitalen entwicklungen teil (dies können sich viele menschen schon unter beruflichen und finanziellen gesichtspunkten nicht leisten) oder man beschäftigt sich ständig mit den neuen vorgaben. das ganze verwandelt sich stetig in nicht entlohnte wissens- und programmierarbeit, die von jedem einzelnen zu leisten ist. je mehr sich der dienstleistungssektor ins netz verlagert, desto stärker sind die einzelnen zur teilhabe gezwungen.

interessant wäre es, einmal statistisch zu erheben, wie viel zeit im netz verplempert wird (die definitiv von der lebensqualität abgeht), um gesellschaftliche teilhabe verwirklichen zu können, wie viel qual und emotionaler stress entstehen, um die gewünschten möglichkeiten zu nutzen. wenn man dies dem erwirtschafteten gewinn gegenüberstellt, dann weiß man woher dieser kommt. im gegensatz zu vielen realen dienstleistungsangeboten lassen sich die menschen im digitalen und virtuellen sektor vieles gefallen, setzen sie sich der qual aus. es ist eine spannende frage, warum es ausgerechnet dort so ist?

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s