nabelschau (53)

nichts dazu gelernt. schade, eigentlich sehr schade. als nicht-freund der parteien, die gerade in berlin ihre koalitionsverhandlungen platzen ließen, kann ich trotzdem nicht mehr verstehen, wie sehr man gesellschaftliche entwicklungen ausblenden kann. es mag einen teil der gesellschaft geben, die auf biegen und brechen das auto als ihr alleiniges fortbewegungsmittel akzeptieren. nicht da es praktischer und flexibler ist (in der großstadt ist dies kaum möglich), sondern als statussymbol.

seit der wiedervereinigung vom ost- und westteil der stadt wurde es versäumt, für berlin ein vernünftiges verkehrskonzept zu entwickeln. es war die große chance und sie wurde wissentlich, unter dem eindruck lobbyistischen geschreis, nicht genutzt. der ausbau des nahverkehrs ging viel zu schleppend voran. dann kamen die ganzen chaotischen zustände der s-bahn dazu und das gesamte netz ist eigentlich seit über 10 jahren eine einzige baustelle.

relativ klar bleibt: wer nicht muss oder nicht ausdrücklich will, der verlässt sich lieber nicht auf den nahverkehr. wer muss und will, der schaut lieber vorher ins internet, um seine fahrtroute rund um die ganzen pendelverkehre, umleitungen, schienenersatzverkehre und dergleichen mehr zu legen. da versucht man die piraten der lächerlichkeit preis zu geben, da sie kostenfreie nutzung des nahverkehrs fordern. und lässt eine koalitionsverhandlung wegen der stadtautobahn platzen.

der nahverkehr ist in berlin schon lange keine dienstleistung mehr, sondern ein hürdenlauf. die radwege werden nur auf den zentralen routen ansatzweise gepflegt und überhaupt erst jetzt eingerichtet. die mitte der stadt unterliegt einer dauersperrung nach der anderen, das tram-netz ist immer noch nicht in den westen berlins ausgebaut worden, … vieles ließe sich da aufzählen, wie es eine große stadt versäumt hat, die energiebilanz in ihrer fortbewegung wesentlich zu verbessern und den nahverkehr attraktiv zu machen.

wer das nicht glaubt, der schaue an einem x-beliebigen tag auf die homepage der bvg und der s-bahn und rufe die verkehrsänderungen auf. und dann frage er sich, ob sich die zeiten nicht längst überlebt haben, in denen der stau auf stadtautobahnen eine alltagsveranstaltung ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s