Tagesarchiv: 17. Oktober 2011

kreatives schreiben und weinen

beim kreativen schreiben ist die wahrscheinlichkeit größer, dass einem die freudentränen in die augen steigen, als dass man über das geschriebene so traurig wird, dass geweint wird. hier unterscheidet sich das kreative schreiben vom biografischen schreiben. aber das möchte ich nicht genauer betrachten. es stellt sich für mich eher die frage, wie lässt sich weinen in texten umsetzen.

die gefahr, protagonistInnen in der eigenen geschichte weinen zu lassen, besteht darin, dass es recht schnell kitschig und gefühlig wird. da in der deutschen sprache die worte für das weinen und die tränen fehlen, also nicht viele verschiedene varianten gewählt werden können, ist zu überlegen, ob man die große traurigkeit oder hilflosigkeit nicht in metaphorische umschreibungen packt. dabei wird das eigentliche weinen zwar in den hintergrund gedrängt, aber für die leserInnen erschließt sich die gefühlslage besser.

in dialogen lässt sich das weinen noch schwerer darstellen. es klingt nicht unbedingt gut, wenn man „huhuhu“ schreibt, um dem weinen einen klang zu geben. „schnief“ und „schneuz“ gehören eher in den comic, als in einen dialog. es müssen also verbale ausdrücke für die traurigkeit gefunden werden und vielleicht kann man dann noch die regieanweisung angeben, wann jemandem die tränen herunterlaufen. mehr kann man nicht machen.

beim weinen unterscheidet sich das schreiben sehr stark vom film oder theater, wo dieser gefühlsregung die unterschiedlichsten ausformungen gegeben werden können. aber man kann dafür die zuspitzung der traurigkeit durch lautes und niedergeschriebenes denken schriftlich umsetzen. hier ist der spielraum wiederum unendlich. wie erlebt ein mensch innerlich die sich zuspitzende krise? welche gefühlsregungen machen sich breit? ab wann erreicht jemand einen karthatischen zustand und ergibt sich Weiterlesen

Werbeanzeigen

schreibgruppen selber gründen (10)

ergebnisse

haben alle vorbereitungen geklappt und findet eine schreibgruppe regelmäßig statt, ergibt sich früher oder später die frage, ob man mit den geschriebenen texten an die öffentlichkeit gehen soll. die anfängliche zurückhaltung bei vielen schreibenden verschwindet langsam und es kommt der wunsch auf, andere an den schöpferischen ergebnissen teilhaben zu lassen. nicht bei allen teilnehmerInnen aber meist bei etlichen.

gibt es eine gruppenleitung in der schreibgruppe, kann diese vorschläge für formen der veröffentlichung machen. gibt es keine gruppenleitung, dann muss eine einzelperson den anstoss zum weiteren vorgehen geben und im anschluss sollte die gruppe diskutieren, wie sie vorgehen möchte. es gibt etliche möglichkeiten, die öffentlichkeit an den ergebnissen einer schreibgruppe teilhaben zu lassen:

  • alle teilnehmerInnen tragen ihre subjektiv gefühlt besten texte zusammen. diese werden mit hilfe von buchbinderInnen zu einem ganz persönlichen ergebnisbuch gebunden. dieses buch ist einmalig und kann an gute freunde und bekannte weitergereicht werden.
  • man kann gemeinsam eine lesung organisieren. dazu benötigt es einen passenden ort, freunde und bekannte werden eingeladen, es gibt schnittchen und getränke und man gestaltet gemeinsam einen gemütlichen literarischen abend.
  • jemand richtet eine homepage oder einen blog ein und alle teilnehmerInnen können dort eine bestimmte anzahl oder alle texte, die einem selber gefallen, auf der seite hochladen.
  • man stellt gemeinsam eine broschüre oder ein buch zusammen. dazu dürfen alle schreibgruppenteilnehmerInnen eine bestimmte anzahl an texten mit einer festgelegten anzahl an seiten beisteuern. dieses buch kann man nun entweder über „books on demand“ über das internet drucken lassen (hierbei sollte man durchrechnen ab wie vielen exemplaren sich diese vorgehensweise lohnt).
  • man hört sich um, ob ein verlag interesse an dem buch haben könnte (die wahrscheinlichkeit ist nicht besonders groß) und lässt das buch verlegen.
  • oder man wendet sich an einen verlag, muss den druck selber bezahlen (ist relativ teuer) und lässt eine bestimmte auflage drucken.
  • zu guterletzt kann man heute das buch auch selber layouten, druckt es im copyshop aus und lässt es dort auch binden. sollte es sich um eine kleinere broschüre handeln, gibt es auch druckereien über das internet, die recht preiswert broschüren über online-bestellungen drucken.

vorher sollte in der gruppe noch darüber diskutiert werden, was es bedeutet mit den eigenen, persönlichen texten an die öffentlichkeit zu gehen. manchmal wird unterschätzt, wie sehr einem das selbstgeschriebene am herz liegt und kritik am geschriebenen ist schwerer auszuhalten, als man dachte. dessen sollten sich alle schreibgruppenteilnehmerInnen bewusst sein.