schreibpädagogik und weinen

es kann auch in schreibgruppen vorkommen, dass teilnehmerInnen in tränen ausbrechen. entweder, da sie texte über ereignisse verfasst haben, die ihnen sehr nahe gehen, oder, da sie sich durch rückmeldungen und kritiken sehr angegriffen und hilflos fühlen. dieser starke ausdruck von gefühlen kann andere teilnehmerInnen erschüttern und verunsichern. in diesen momenten ist die schreibgruppenleitung als ausgleichendes moment gefragt.

es geht vor allen dingen darum, in einer gruppe auch raum für emotionale ausdrücke zu geben. kein mensch ist davor geschützt, dass ein eigener text oder einer von jemand anderem so berührt, dass die tränen fließen. wichtig scheint mir, dass diese reaktion zwar beachtet aber nicht überbewertet wird. es ist für teilnehmerInnen unangenehm, wenn sich beim weinen alle anderen teilnehmerInnen auf sie stürzen, versuchen sie zu trösten und gute ratschläge haben.

die schreibguppenleitung sollte kurz unterbrechen, nachfragen ob sie weiterlesen wollen, wenn sie bei eigenen texten weinen, oder nachfragen, ob sie den raum verlassen wollen, wenn sie bei texten von anderen schreibgruppenteilnehmerInnen weinen. dann sollte aber im normalen vorgehen weiter verfahren werden. zu viel aufmerksamkeit in solchen momenten gibt dem weinen schon wieder den beigeschmack einer störung, dabei ist es nur das pendant zum lachen, um das in einer schreibgruppe niemand aufhebens machen würde.

in der nächsten pause sollte die schreibgruppenleitung die teilnehmerInnen, die geweint haben, noch einmal fragen, ob es bedarf an einem gespräch oder an unterstützung gibt. doch damit ist das kapitel um den emotionalen ausdruck des heulens beendet. in diesem moment ist es möglich weitere hilfe zu geben, wenn jemand anderes eine krisenhafte zuspitzung erfährt. gibt es keine krisenhafte zuspitzung, benögtigt das weinen keine weitere beachtung.

was möglichst vermieden und unterbunden werden sollte, ist, dass sich die weinenden teilnehmerInnen noch einmal vor der gesamten schreibgruppe erklären müssen. ähnlich wie in der beratung sollte dafür keine notwendigkeit bestehen. möchten dies die teilnehmerInnen aber partout, dann kann man dafür kurz den raum geben. doch man sollte gleichzeitig in der schreibgruppe noch einmal zu verstehen, dass man sich für tränen weder erklären noch rechtfertigen muss.

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Eine Antwort zu “schreibpädagogik und weinen

  1. Danke, Dein Beitrag hat mir kürzlich in einer vergleichbaren Situation geholfen!

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