mein computer und ich – eine umgangslehre (02)

werkzeug

der computer ist wie ein schweizer taschenmesser: eigentlich gibt es für beinahe jede lebenslage ein kleines werkzeug, eine kleine app oder ein kleines programm. im vordergrund stehen die allumfassenden werkzeuge wie schreibprogramme („das messer“) oder tabellenkalkulationsprogramme („die schere“) … und noch manche andere „größere“ erweiterung.

ich als nutzer kann nun wählen, wozu ich den computer verwenden möchte. im gegensatz zum schweizer taschenmesser, kann ich etliche werkzeuge gleichzeitig verwenden, sie miteinander verbinden und einige handhabungen automatisieren. aber in letzter konsequenz bestimme immer ich, wofür ich welches werkzeug verwende.

der große unterschied zum schweizer taschenmesser besteht in der grundausstattung. das schweizer taschenmesser ist ein hilfswerkzeug. das bedeutet, es hat zwar ein messer, doch ein relativ kleines. so werde ich das taschenmesser eher selten zum schlachten oder kuchen schneiden verwenden, dafür gibt es andere werkzeuge, die größer sind. beim computer können die programme manchmal noch so klein sein, und doch können sie beinahe ganze berufszweige ersetzen. schaue man sich nur manche (kleinen) bildbearbeitungsprogramme an. im zusammenspiel mit einem drucker, kann man sein eigenes fotoentwicklungslabor aufbauen. mit der schere im schweizer taschenmesser kann ich aber keine schneiderei ersetzen.

somit erhält der computer als werkzeug eine dimension, die sonst kaum eine maschine in dieser vielfalt vereinen kann. die passenden peripheriegeräte und man hat ein fotostudio, ein grafikdesignbüro, ein schreibbüro, ein filmstudio, ein musikstudio, eine buchhaltung und eine bibliothek. nimmt man noch das internet dazu, erweitert sich das werkzeug zu einem nachrichtenstudio, einem buchverlag, einem vertrieb, einem einzelhandel und einem bankhaus.

das hat aber zur folge: je komplexer die werkzeuge werden, desto individueller werden sie eingesetzt. das schweizer taschenmesser ist zwar vielfältig, aber nicht sehr komplex. natürlich kann man mit einem taschenmesser auch eine schraube rausdrehen, aber ein schraubenzieher macht es meist einfacher. dagegen kann ein hochkomplexes bildbearbeitungsprogemm neben der entwicklung des bildes, der bearbeitung, der erstellung der druckvorstufe noch fotoalben layouten, texte erstellen und bearbeiten, diashows und präsentationen fertigen, filter einsetzen, kataloge und archive erstellen und vieles mehr.

die individualität und komplexität des werkzeugs computer machen darum die verwendung so aufwendig und schwer austauschbar. bleibt alles bei den grundeinstellungen, versteht das werkzeug jeder mensch, der sich mit computern auskennt. sind aber individuelle einstellungen vorgenommen worden, sind die kenntnisse nicht automatisch übertragbar. darum müsste eigentlich konsequent zur verwendung des computers geschult werden. doch dies geschieht in den seltensten fällen. der mensch ist aufgefordert, sich das werkzeug selbst anzueignen, gesellschaftlich wird nur ein minimum vermittelt. dies sorgt dafür, dass viele programme der turbomaschinen brach liegen und etliche menschen an den maschinen scheitern.

wer sich nicht stetig selbst zu den entwicklungen im digitalen bereich fortbildet, bleibt im laufe der zeit auf der strecke. ab diesem moment schleicht sich ein gefühl von ausgeliefertheit beim benutzen des digitalen werkzeugs ein. ganz abgesehen von der entfremdung vom produktionsprozess, da die komplexen abläufe der maschine überhaupt nicht mehr nachvollzogen werden können. wahrscheinlich erhalten darum die computer eine so große bedeutung im gesellschaftlichen kontext und die interaktionen mit dem werkzeug werden vermenschlicht. zurück bleibt ein seltsames gefühl von ohnmacht, das mal mehr, mal weniger kommuniziert wird.

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