Tagesarchiv: 4. November 2011

biografisches schreiben und trennen

„trennen“ oder „trennung“ sind mit großer wahrscheinlichkeit die umfassendsten kapitel in vielen biografien und lebensgeschichten. ob man sich von bestimmten vorstellungen, gedanken oder menschen trennen muss, trennen will oder trennen lässt, das beschäftigt uns. denn „trennen“ geht immer mit einem verlust auf der einen oder anderen seite einher. etwas zu verlieren bedeutet nicht automatisch, dass schmerz oder trauer ins spiel kommen, aber es bedeutet, dass wir mit veränderungen einen umgang finden müssen, ob wir wollen oder nicht. wie der umgang dann aussieht, das ist wiederum von mensch zu mensch verschieden.

in „trennen“ steckt schon eine form von unfreiwilligkeit, die oft damit einhergeht. denn sonst wäre es ein verabschieden oder ein loslassen. wenn etwas getrennt wird, dann wird geschnitten, geteilt oder weggenommen. wann hat man sich in seinem leben anderen menschen entzogen oder wann haben sie sich einem selber entzogen? eine der fragen, die im biografischen schreiben großes gewicht bekommen können. vor allen dingen dann, wenn die letzte aller trennungen stattfand, wenn der tod im spiel war. hier war die trennung vielleicht keine bewusste entscheidung, sondern eine natürliche konsequenz, eine trennung, die der mensch, der so auf kontrolle bedacht ist, noch schwerer akzeptieren kann, als viele andere trennungen.

wenn sie ihre lebensgeschichten aufschreiben, dann schauen sie doch mal, welche formen der trennung sie erlebt haben. gewichten sie, welche trennung für sie am schwersten war und wovon sie sich leicht trennen konnten. und dann werfen sie einmal einen blick auf die bedeutung des „verlusts“. schnell relativieren sich manche bestürzungen über eine zerbrochene vase, ein zerbeultes auto oder einer gecrashten festplatte, wenn man einen menschen verloren hat. wenn ein anderer mensch nie mehr zu erreichen sein wird. trennungen in beziehungen erscheinen dagegen aus der distanz beinahe lächerlich, da der mensch Weiterlesen

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mein computer und ich – eine umgangslehre (03)

gesellschaft

der begriff „gesellschaft“ ist eine sehr unklare struktur, also ein sammelbegriff für alle anwesenden in irgendwelchen grenzen oder strukturen. man kann die strukturen national betrachten, dann lässt sich feststellen, dass 7% der schwedInnen noch nie das internet genutzt haben, bei den deutschen sind es 17%, ach ja, und in rumänien 57% (laut der zeitschrift „brand eins“ im november). also lässt sich festhalten, nur noch ein sechstel der 16- bis 74-jährigen kennt das internet nicht.

somit müssen grob fünf sechstel unserer gesellschaft einen umgang mit dem computer pflegen (eventuell sogar mehr, da man computer nutzen und nicht ins internet gehen kann). doch was ist das für ein umgang? in mir festigt sich immer stärker das bild: ein naiver umgang. denn an den wenigsten bildungsorten wird der umgang mit dem computer und dem internet diskutiert. es wird hingenommen, dass manche dinge funktionieren und andere nicht. es wird viel an computern gearbeitet, aber es wird kaum geschult und gelehrt, wie weit sich durch die digitale arbeit unser leben verändert.

unsere gesellschaft vermittelt und diskutiert nur die funktionalität der geräte aber nicht die bedeutung und die einflüsse. es ist ein sehr kleiner teil der gesellschaft, der sich mit diesen fragestellungen auseinandersetzt. der großteil der bevölkerung möchte eigentlich nur, „dass die dinger funktionieren“. doch es gibt einen horrenden unterschied zwischen einem stift, der funktioniert, wenn er schreibt, und einem computer, der verarbeitet, umwandelt und präsentiert, wenn man an ihm schreibt. diese form der verarbeitung und umwandlung erscheint im schlichten alltäglichen gebrauch wie eine schreibmaschine. im etwas erweiterten gebrauch, wie dem internet, transportiert die digitalisierung aber bestimmte denkmuster, ablagesysteme und suchstrukturen.

daneben transportiert die gesellschaft noch ein ganz bestimmtes bild einer digitalisierung: den fortschritt, die angebliche vereinfachung von prozessen und eine verfügbarkeit, nicht nur von informationen, rund um die uhr. und hier bedingen sich gerät und auffassung Weiterlesen