kreatives schreiben und kuschelig

seltsam, aber wenn man genau hinschaut, dann interessieren die leserInnen weniger wohlfühl-texte als texte, die brüche, kraftvolles und konflikte vermitteln. da wird gekämpft, intrigiert, gestritten, gelogen oder in einem ganzen genre gemordet. anscheinend lesen menschen lieber über die abgründe denn über harmonische und kuschelige momente. gut, es darf ein happy-end geben, aber davor müssen sich viele hürden befinden.

so scheint das kreative schreiben, in einem zwiespalt zu stecken: auf der einen seite möchte es gern die positive einstellung eines menschen fördern, seine kreativität verstärken und befördern, auf der anderen seite fließt persönliches ein und dazu gehören oft eher die unangenehmen momente. kuschelige texte befinden sich meist auf der schwelle zum kitsch (diese form der literatur und des schreibens gibt es natürlich auch), vor allen dingen langweilen sie aber oft.

was hat man von einem text, der über seiten beschreibt, wie zwei menschen gemeinsam inniglich in den sonnenuntergang schauen und feststellen, wie gut sie sich verstehen, wie ähnlich ihre haltungen sind. das beruhigt nicht als leser, sondern führt vielen zu sehr das vor augen, was sie bis dahin nicht erlebt haben und wahrscheinlich auch nicht erleben werden. vielleicht ist kuscheln gar kein lebensinhalt. vielleicht ist es nur eine form der intimität, die niedergeschrieben eher befremdet.

doch warum ist dies beim schreiben so anders im gegensatz zu der gesamten wellness- und entspannungs-bewegung? warum dem täglichen stress noch einen drauf setzen, indem man ein problematisierendes und angespanntes buch liest, texte mit vielen brüchen und konflikten schreibt? da dies wahrscheinlich beruhigt. das mag jetzt paradox klingen, aber es hat etwas beruhigendes, wenn man lesen kann, dass es bei anderen auch nicht unkompliziert und anstrengend ist, wenn man lesen kann, dass alles noch viel schlimmer sein könnte.

natürlich möchten die meisten menschen kuscheln, aber dann real. wird es fiktiv, darf das gefühl vermittelt werden, „schau dir dein leben an. es ist doch noch ganz gut im gegensatz zu den hier erzählten geschichten.“. so möchte also kaum jemand von einem text in den arm genommen und festgehalten werden. seelenmassage soll auf anderen ebenen stattfinden.

einzig der lyrik, den gedichten wird zugestanden, dass sie wohlgefühl, naturbilder und nähe thematisieren. hier schwingt der rhythmus einer umarmung mit und ist teilweise auch gewünscht. da nähert sich das kreative schreiben der musik an, die auch klangwolken produzieren darf, die wie „kuschelrock“ einen tragen und keine brüche heraufbeschwören. nicht jedes lied muss tragik oder konflikte transportieren, nicht jedes gedicht beziehungsschwierigkeiten aufarbeiten. so scheint es, wie wenn das kreative schreiben eine eher aufdeckende funktion hat, im gegensatz zur musik, die auch zudecken darf.

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