nabelschau (56)

wie die demokratie sich selbst abschafft! es ist wirklich spannend, was gerade in verschiedenen ländern europas passiert. letztendlich findet ein politischer offenbarungseid statt, der unsäglicher nicht sein kann. da wird in italien eine regierung eingesetzt, die vor allen dingen betont, dass sie ohne politiker auskommt. die begründung: das regieren würde dadurch unkomplizierter.

damit einher geht aber eine gnadenlose abschaffung des diskurses. und das schlimmste, das heissen auch noch alle gut. die gewählten volksvertreterInnen begrüßen den schritt in italien. dafür kann es nur zwei gründe geben: entweder hat politik die schnauze voll, diskurse zu führen und meinungen zu vertreten, oder politik fühlt sich ohnmächtig ob der übermacht des kapitals.

das absurdeste an dieser entwicklung ist, dass jetzt (auch in griechenland) experten eingesetzt werden, die aus der branche kommen, die die ganze misere mit eingebrockt hat. so wird in italien jemand minister, der mal chef eines großen bankhauses war und in griechenland wird jemand regierungschef, der einen hohen posten bei der europäischen zentralbank hatte. es schleicht sich das gefühl ein, dass hier böcke zu gärtnern gemacht werden.

beschrieben wird diese entwicklung schon etliche jahre: regierungen werden immer mehr zu den sachwaltern des kapitalismus, letztendlich zu bankiers und spekulanten, und sie geben ihre eigentlich rolle, die vertretung der gesellschaft und die regelung des sozialen miteinanders, auf.

wie konnte das geschehen? seit ungefähr 20 jahren werden die aktuelle mehrwertschöpung und der geldverkehr, wie sie bei uns stattfinden, noch naturgegebener betrachtet als die jahre vorher. und ab diesem moment entstand der zwang, auf gedeih und verderb das system aufrecht zu erhalten. die verwunderung darüber, dass die kluft zwischen arm und reich immer größer wird, ist eine vorgegaukelte. sie ist nicht vom himmel gefallen. der bereicherung wurde und wird das wort geredet. jeder schaut, wo er bleibt.

so ist die abschaffung der politischen diskurse nur eine logische konsequenz daraus. die diskurse kosten zeit. zeit ist geld. „just-in-time“-produktion lässt keine zeitverzögerungen zu, reagiert empfindlich auf unregelmäßigkeiten. durch das leben auf pump und auf kosten anderer hat sich die demokratie erpressbar gemacht. und nun erscheinen die daraus gezogenen konsequenzen, nämlich auf politik lieber zu verzichten, noch unausweichlicher als vor etlichen jahren.

die angst vor einem zusammenbruch, da finanzielle reserven abseits der gesellschaften angesammelt wurden und zur entschuldung nicht mehr zur verfügung stehen, lässt die welt auf ein schlichtes buchhaltungsverfahren zusammenschrumpfen. der mensch wird in den hintergrund gedrängt, und es schlägt die stunde der finanziellen sachwalter. da kommt noch was auf uns zu.

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