wissenschaftliches schreiben und selbstreflexion

das wissenschaftliche schreiben bietet in den vorstellungen vieler erst einmal keinen anlass zur selbstreflexion. man hat ein vorgegebenes oder gewähltes thema, man hat seine untersuchungs- und forschungsergebnisse und man verfasst den dazu notwendigen text. doch viele schreibende geraten exakt in diesem moment des schreibens in einen strudel aus unsicherheit, zweifeln und aufschiebende verhaltensweisen.

gründe für dieses verhalten wurden hier schon öfter thematisiert und im zusammenhang mit dem thema „schreibberatung“ angesprochen. wichtig erscheint es mir, noch einmal gesondert auf die chancen selbstreflexiver schreibanregungen einzugehen. denn in dem moment, in dem das schreiben eines wissenschaftlichen textes nicht mehr so flüssig vonstatten geht, wie man sich das wünscht, in diesem moment werfen einen gedanken und gefühle gern auf eine selbstkritische struktur zurück.

erst einmal spricht nichts gegen eine selbstkritische haltung. doch sie kann so ausgeprägt zu tage treten, dass sie weiteres schreiben verhindert und erschwert. die menschen lassen in diesen momenten kein gute haar mehr an sich. sie entwickeln eine gedankenschleife, die oft in den resümee enden, dass man alles noch besser machen könne und damit das eigene versagen schon vorprogrammiert wäre. dies ist auch eine form der selbstreflexion, die aber teile der realität aus den augen verloren hat.

ja, man kann jeden text, jede wissenschaftliche arbeit noch besser machen. aber gleichzeitig kommt man nicht drumherum festzustellen, dass die zeit für die erstellung der texte beschränkt ist und dass man sich auf sein arbeitsaufgabe beschränken muss. das gefühl der unzulänglichkeit bei der erfüllung einer wissenschaftlichen aufgabe, lässt sich durch selbstreflexive schreibanregungen teilweise wieder auf den boden der tatsache zurückführen.

so kann man ratsuchende dazu auffordern, immer genau in den momenten, in denen ihre schreibtätigkeiten ins stocken geraten, in denen die anstehenden aufgaben nicht bewältigt werden, einen kurzen selbstreflexiven text zu verfassen. dieser text sollte vor allen dingen zwei fragen beantworten: was geht mir in diesen momenten durch den kopf? und kann ich gründe benennen, warum mir diese gedanken durch den kopf gehen? erweitert können die reflexionen zu fragen nach den (selbst)bewertungen werden: woher kommen diese werturteile über mich selber? wo habe ich sie gelernt? was sind die ursachen für diese bewertung? und vor allen dingen, wie realistisch sind meine selbstbewertungen?

allein der schreibende blick auf gründe und ursachen kann schon eine befreiende wirkung haben. dazu kommt aber noch die tatsache, das was man eigentlich weiß, sich noch einmal schwarz auf weiß vor augen zu führen. der effekt ist intensiver, da man es zum einen los geworden ist, zum anderen häufig realistischere einschätzung von einem selbst vornehmen kann. schon dadurch können sich ängste reduzieren.

ganz wichtig: garantien für diesen effekt gibt es nicht. aber die intensive auseinandersetzung mit der akuten und gerade aktuellen situation verhindert einen zu distanzierten blick, der leicht die überbordernde selbstkritik fördert. also lohnt es sich, die kurze zeit für einen selbstreflexiven text beim wissenschaftlichen schreiben zu investieren. noch besser ist es natürlich, wenn man sich anschließend mit jemand anderem über das aufgeschriebene austauschen kann. dafür sind partnerInnen, freundInnen, beraterInnen und coaching da. rechtzeitig genutzt, können langwierige schreibblockaden mit großer wahrscheinlichkeit verhindert werden.

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