mein computer und ich – eine umgangslehre (04)

technische neuerungen

ich lese gerade das hübsche buch „die grosse zukunft des buches„, in dem umberto eco und jean-claude carrière über die auswirkungen der digitalisierung hinsichtlich des buches diskutieren (wird hier demnächst vorgestellt). dabei stellen sie fest, dass die technischen neuerungen, die in immer kürzeren zeitabständen bei den computern und speichermedien nachgeschoben werden, es immer schwerer machen, wirkliche archive anzulegen und den vollständigen datensatz zu erhalten.

neben der filterung der daten, texte und geschichten durch den menschen (wie auch schon früher in den bibliotheken) kommt eine ganz neue komponente dazu: der ungeplante verlust von daten durch updates und upgrades sowohl technischer natur als auch in der software. nicht alles, was einmal abgespeichert und archiviert wurde, lässt sich wieder abrufen. wenn man nicht beständig bemüht ist, alles im richtigen format auf den richtigen träger zu bringen, dann lassen sich plötzlich zum beispiel die alten videokassetten mit filmen nicht mehr abspielen, auch nicht überspielen und umwandeln.

ganz abgesehen von dem enormen zeitaufwand, der geleistet werden muss, um daten in neue dimensionen herüberzuretten. auch dies wäre erst einmal zu verschmerzen, so wie momentan ganze bibliotheken eingescannt werden und digital anschließend zur verfügung stehen. nur leider bleibt es nicht bei dieser einmaligen zeitaufwendigen handlung. danach muss man immer auf dem laufenden sein, was die dateiformate angeht. denn entweder wird etwas im neuesten format veröffentlicht und man ist gezwungen seine programme immer ganz aktuelle zu halten, oder es bleibt auf einer alten programmvariante stehen und diese ist irgendwann mit dem eigenen betriebssystem nicht mehr kompatibel.

die neuesten programme laufen ab einem bestimmten zeitpunkt nur noch auf den neuesten betriebssystemen, die wiederum irgendwann nur noch auf den neuesten computern mit den neuesten chips und speicherkapazitäten laufen, die wiederum nur mit den neuesten internetzugangsformen kompatibel sind … das alles ist ein riesiger markt, der fleissig am laufen gehalten wird. wenn man schaut, wie lang es computer und das internet gibt und dann schaut, wie viele neuerungen seitdem auf den markt kamen, dann kann man sich ungefähr ausrechnen wie viel geld die menschen im durchschnitt für die teilhabe an der entwicklung zahlen mussten.

es handelt sich dabei eben nicht nur, wie bei einem auto, um eine grundfunktion wie beim fahren, sondern, es geht um die verarbeitung von privatem aber vor allen dingen auch beruflichem. schritt zu halten, kann sich nur ein teil der weltbevölkerung leisten. es ist damit zu rechnen, dass irgendwann ein teil der bevölkerung die segel streicht und einfach nicht mehr an den entwicklungen teilnimmt. nämlich dann, wenn die aufzuwendende zeit für eine erneuerung in keinem verhältnis mehr zur nutzungszeit und zum ergebnis steht.

ganz abgesehen davon, dass die nutzerfreundlichkeit nur in manchen bereichen zunimmt. technische neuerung bedeutet nicht kompatibilität, und leider scheint es auch nicht besser zu werden. nur das internet vereint viele menschen mit verschiedenen voraussetzungen. doch sollte einmal der strom ausfallen sind plötzlich alle von ihren möglichkeiten abgekoppelt. das macht das ganze immer unberechenbarer und unübersichtlicher.

jeder mensch steht wahrscheinlich irgendwann in den nächsten jahren vor der frage, wie sehr er seine technische aufrüstung abspecken möchte, um noch vernetzend handlungsfähig zu sein. es wird eine reduzierung auf das wesentliche geben, denn unbegrenzt sind die kapazitäten, auch des menschlichen gehirns, nicht. facebook und google geben den vorgeschmack einer umfassenden verknüpfung aller aufgaben im web, konzentriert auf einen anbieter, um nicht verschiedene technische entwicklungen miteinander kollidieren zu lassen. ob das gut ist? ich weiß es nicht.

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